Heute musste ich meinen "kleinen Mann", Jerry, gehen lassen. Er kam als kleines Kätzchen 2003 zu uns und wurde nun leider nur 14 Jahre alt. Da ich selber erst 32 bin, hat Jerry mich somit fast die Hälfte meines Lebens begleitet.
In dieser Zeit hat Jerry mir zusammen mit meiner Katzendame, Lilly, welche 2005 zu unserer Familie dazugestoßen ist, durch viele sehr schwere Zeiten geholfen. Besonders den plötzlichen Krebstod meiner Mutter im Jahr 2011 hätte ich ohne die beiden psychisch wohl nicht durchgestanden. Doch auch sonst ist in den vergangenen 14 Jahren viel negatives in meinem Leben passiert und ich konnte mich immer darauf verlassen, dass Jerry und Lilly mir gemeinsam Trost spenden.
Um so mehr tut es mir weh zu wissen, dass Jerry nie mehr an meiner Seite sein wird, dass er nie wieder auf meinem Kopfkissen im Bett schlafen wird, dass er mich nie wieder neugierig an der Haustür begrüßen wird, wenn ich von der Arbeit komme, dass er sich nie wieder wahnsinnig freuen wird, wenn ich ihm und Lilly ein halbes Hähnchen (seine Lieblinsspeise) mitbringe und dass er nie wieder furchtbar langsam an meinem PC-Monitor vorbeilaufen wird, wenn ich gerade versuche, irgendetwas wichtiges zu erledigen ... mein "kleiner pelziger Bildschirmschoner". Das waren natürlich nur einige, wenige Beispiele von alltäglichen Situationen, in denen ich Jerrys Anwesenheit schmerzlich vermissen werden. Jerry war für mich mehr als "nur" ein Haustier. Er war ein Freund, ein vollwertiges Mitglied der Familie. Ich habe stets versucht, den beiden das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten und ihnen zu helfen, wo es nur geht. Jerry musste in seinem Leben leider viele Krankheiten ertragen. Bereits mit 3 Monaten zog er sich ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zu, als er in meinem Elternhaus eine Treppe herunterfiel, die Zähnchen haben im auch stets zu schaffen gemacht, vor 2 Jahren wäre er infolge einer heftigen Impfreaktion fast gestorben und auch sonst musste er wegen diverser "Kleinigkeiten" immer mal wieder zum Tierarzt. Besonders das letzte halbe Jahr war für Jerry aufgrund seiner immer wiederkehrenden Probleme sehr schwierig und es tat mir jedesmal unendlich leid, in sein trauriges Gesicht zu blicken, wenn ich ihn in die verhasste Transportbox sperren musste. Ich habe trotzdem jeden Arztbesuch ohne zu zögern hingenommen, da ich immer der Meinung war, Jerry hiermit zu helfen.
Genau deshalb plagen mich nun Selbstzweifel und extreme Schuldgefühle. Hätte ich Jerry evtl. noch zu einem dritten Arzt bringen sollen? Hätte ich die Zeichen eher erkennen müssen, so dass man noch etwas hätte machen können? Kurz gesagt: War es richtig, Jerry heute einschläfern zu lassen, oder habe ich den Tod meines besten Freundes zu leichtfertig akzeptiert, "nur" weil eine Ärztin mir dazu geraten hat? All das sind Fragen, die mir seit heute Nachmittag durch den Kopf gehen und mich in den Wahnsinn treiben. Ich bin vollkommen am Ende. Verwandte, die mir beistehen könnten, habe ich leider nicht mehr. Hätte mir heute nicht mein guter Freund, Marco, in der ganzen Situation beigestanden, ich wüsste nicht, ob ich alleine überhaupt damit fertig geworden wäre.
Jerry wird gemäß Tradition unserer Familie eine Feuerbestattung erhalten. Ob ich die Urne dann beisetze, oder seine Asche verstreue, weiß ich noch nicht, aber ihn einfach der Tierverwertung zu überlassen konnte ich nicht übers Herz bringen, auch wenn ich mir bewusst bin, dass es sich "nur" um Jerrys sterblichen Körper handelt.
Seine Seele ist mittlerweile sicherlich längst bei meiner Mutter, meinen Großeltern und meiner restlichen (Tier-)Familie angekommen. Eines Tages werden wir uns hoffentlich wiedersehen, mein kleiner Mann, doch bis dahin wirst du mir so unendlich fehlen. Ich hoffe du weißt, wie lieb ich dich habe.
