Mäuschen, es ist erst am Sonntag passiert.
Noch nicht einmal eine Woche ist es her.
Erwarte von dir nichts Übermenschliches. Trauern ist völlig normal und braucht seine Zeit.
Genauso wie all deine Gedanken völlig normal sind.
Ich habe auch so einen Kater, der mich gerade in den Abendstunden ganz fürchterlich nervt. Und das nicht nur 5 Minuten. Dann kräht er ohne Ende, springt auf den Türdrücker der Haustür, versucht auf meinen Wandspiegel zu steigen oder dahinter zu kommen und schaukelt mit der Lampe über dem Esstisch.
Er geht mir manchmal schlimm auf die Nerven.
Ich habe ihn auch schon ins Bad gesperrt, damit ich meine Ruhe hatte. Und er Ruhe gibt.
Und hinterher hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich so egoistisch war.
Wahrscheinlich würde es mir genauso gegangen wie dir jetzt, wenn meinem Kater dabei etwas passiert wäre.
Ich habe noch nie ein Haustier verloren, denn ich habe noch nicht lange Katzen.
Aber meine Eltern sind vor wenigen Jahren verstorben. Ich habe da meine Erfahrungen mit Trauer gemacht. Sie ist nicht endlos. Und irgendwann hört man auf vor dem Einschlafen zu weinen.
Bisher ist bei dir noch wirklich angekommen, dass Milkey nicht mehr da ist.
Irgendwann ist es aber normal, dass er eben nicht mehr um die Ecke kommt. Wenn man das verstanden hat, endet die Verzweifelung.
Für Fienchen wie für dich ist es dann noch zu früh, jemanden für Fienchen zu suchen. Auch Fienchen muss aufhören zu trauern. Mach ihr die Tür zu dem Zimmer einen Spalt auf, damit wenigstens sie hinein kann. Sonst denkt sie vielleicht, er wäre noch drin.