Diese Rubrik des Forums habe ich bisher nur in seltenen Momenten betrachten können. Zu groß das Leid aller, die ihre Fellnasen verloren haben. Und zu groß die Angst und die Gewißheit eines Tages auch dazu zu gehören.
Am Mittwoch, den 11.07.2018 mußte ich meinen über alles geliebten Herzenskater Wilhelm im Alter von 14 Jahren und 3 Monaten über die Regenbogenbrücke gehen lassen und ich finde erst heute die Kraft, diese Zeilen zu schreiben.
Wilhelm war schon in sehr jungen Jahren an CNI erkrankt, welche ich dank guter tierärztlicher Versorgung, gutem Futter, homöopathischen Mitteln und viel Liebe Gott sei Dank lange stabil halten konnte. Selbst vor 3 Monaten waren seine Blutwerte und auch sein Allgemeinbefinden so gut, daß wir eine dringend notwendige letzte Zahnsanierung durchführen konnten, bei der bis auf einen Eckzahn und ein paar wenige Vorderzähnchen die restlichen noch vorhandenen 5 Backenzähne entfernt wurden.
Dank einer hervorragenden Tierärztin und unter Berücksichtigung aller Risiken aufgrund seiner CNI, hatte er die OP sehr gut überstanden und fraß schon am nächsten Tag wieder ganz von selbst. Ich war so glücklich und erleichtert. Nun war endlich dieses unliebsame "Damoklesschwert" Zahnsanierung mit Vollnarkose Vergangenheit und ich freute mich auf einige schöne stressfreie Jahre mit meinen süßen Rabauken.
Wir verabredeten eine weitere Kontrolle der Blutwerte wie üblich nach drei Monaten, wenn keine anderen akuten Beschwerden auftreten würden.
Er war voller Lebensfreude, fraß gut, spielte, war übermütig und verschmust.
Bis Sonntag, 3 Tage vor seinem Tod. Morgens früh im Bett tanzte er mir noch wie wild auf der Nase herum, weil er fressen wollte. Er fraß mit großem Appetit.
Danach wurde er ruhig. So ruhig, daß ich im Laufe des Tages schon merkte, daß irgendetwas nicht stimmte. Abends fraß er nichts mehr, hatte glasige Augen und wirkte irgendwie schlapp. Ich dachte zuerst an verschluckte Haarballen o.Ä.
Am nächsten Morgen rief ich sofort die Tierärztin an und in der Praxis stellten sie 40 Grad Fieber und ein schleifendes Herzgeräusch fest. Wir nahmen Blut ab, der Blutdruck wurde gemessen und während die Auswertung lief, bekam er intravenöse Infusionen mit Elektrolyten und ein fiebersenkendes Mittel.
Nach ca. einer Stunde hatten wir die Blutwerte. Kreatinin 6,53mg/dl und Harnstoff 51,82. Die Werte hatten sich innerhalb der letzten 3 Monate nach der Zahnsanierung mehr als verdoppelt. Auch sein Blutdruck war inzwischen zu hoch.
Wir beschlossen, am nächsten Tag, wenn es ihm besser gehen würde, einen Herzultraschall sowie einen Ultraschall von allen inneren Organen zu machen. Das hatten wir schon vor der Zahnsanierung gemacht. Da war noch alles in Ordnung.
In der Nacht ging es ihm wieder besser. Er lag verschmust neben mir im Bett, ließ sich sein Bäuchlein kraulen und hatte großen Appetit. Ich stand alle 2 Stunden auf, um ihm kleinere Mengen zu füttern. Ich war voller Hoffnung, daß es bergauf ging.
Am nächsten Morgen sahen sich dann sogar 2 Tierärztinnen den Ultraschall an. Alle Organe waren unauffällig. Sogar die Nieren, obwohl er schon so viele Jahre eine CNI hatte.
Aber sein Herz war nicht ok. Er hatte eine bei Katzen sehr seltene Herzbeutelentzündung unklarer Ursache. Da nicht geklärt werden konnte, ob die Herzbeutelentzündung durch Viren, Bakterien oder einen inneren Entzündungsprozeß hervorgerufen worden war, bekam er zusätzlich zur Infusion noch an Antibiotikum, in der Hoffnung, daß es gut anschlägt und einen Blutdrucksenker.
Das Fieber war inzwischen weg. Auch wurde darauf geachtet, daß nicht zu schnell und nicht zuviel infundiert wurde. Aber wir mußten die Nierenwerte herunter kriegen.
In der Nacht wurde sein Zustand wieder sehr schlecht. Ich war verzweifelt und dachte, er schafft es nicht mehr. Aber er wachte wieder auf.
Am nächsten Morgen wurde dann ein erneutes Blutbild gemacht, um zu sehen, ob die Nierenwerte inzwischen etwas runter gegangen waren. Außerdem wurde ein Röntgenbild von der Lunge gemacht, um zu sehen, ob sich dort Wasser gesammelt hatte.
Ein erneutes Blutbild zeigte, daß sich die Nierenwerte nicht verbessert hatten und das Röntgenbild ergab, daß die Lunge bereits zur Hälfte voll Wasser war. Wir mußten jetzt zweigleisig fahren. Infusion, um die Nierenwerte in den Griff zu bekommen, und Entwässerungsmittel, um die Lunge wieder frei zu bekommen.
Wilhelm war inzwischen schon sehr geschwächt und ich war nur noch in Tränen aufgelöst, weil ich mittlerweile schon eine böse Vorahnung hatte.
Nachmittags um 17.00h wurde nochmal ein Röntgenbild von der Lunge angefertigt. Leider hatte sich die ganze Lunge inzwischen mit Wasser gefüllt und seine Atmung war sehr erschwert. Das Entwässerungsmittel hatte nicht angeschlagen. Das AB hatte nicht angeschlagen. Die Infusionen hatten nichts bewirkt.
Es gab keine Chance mehr. Ich hätte gerne noch weiter für ihn und mit ihm gekämpft, aber ich wollte ihn nicht unnötig leiden lassen. Irgendwann kommt einfach der Punkt, an dem man loslassen muß, auch wenn es einem das Herz bricht. Nach langen Gesprächen mit der Tierärztin mußte ich die schwerste und bitterste Entscheidung meines Lebens treffen. Aber es war eine Entscheidung aus tiefer Liebe.
Um so schwerer fiel mir dieser Schritt, als ich ihn wieder mit nach Hause nahm, damit wir ihn in seiner vertrauten Umgebung erlösen konnten. Trotz seines schlechten Zustandes freute er sich so sehr, wieder zu zuhause zu sein und sah mich mit seinen wachen lieben Augen so fragend an.
Ich trug ihn noch ein letztes Mal durch die ganze Wohnung. Dann kam die Tierärztin.
Um 19.00h schlief er für immer in meinen Armen ein.
Am Donnerstag, den 12.07. haben wir ihn auf seiner letzten Reise begleitet und ihm im Tierkrematorium einen würdigen Abschied bereitet. Seine Urne steht jetzt wieder bei mir zuhause.
Als ich Wilhelm zum ersten mal vor über 14 Jahren auf der Homepage der Züchterin sah, war es Liebe auf den ersten Blick. Als er dann mit seinem Bruder Ludwig bei mir zuhause einzog, war es der schönste Tag in meinem Leben.
Der Schmerz ist unerträglich aber ich bin dankbar für die wundervolle Zeit, die ich mit Dir verbringen durfte. Du wirst immer in meinem Herzen bleiben.
Run free, mein zauberhafter Engel!