Hallo Marion,
tut mir leid, dass auch Du Dich mit dieser üblen Erkrankung auseinandersetzen musst. Leider muss ich Dir sagen, dass ein Happy-End bei dieser Krebsart unwahrscheinlich ist. Meine Daumen sind kräftig gedrückt, dass sich Lindas Tumor als harmlos erweist!
Wir mussten Lizzy am 31.10.2019 einschläfern lassen. Sie hatte Lungenmetastasen und deswegen Atemschwierigkeiten. Andernfalls wäre sie in ein paar Tagen erstickt und diese Todesart wollten wir ihr ersparen. Zu dieser Teil-Operation, die ich oben erwähnt habe, ist es nicht gekommen. Da ist der Klinikchef eingeschritten und hat gesagt, das mache keinen Sinn. Entweder ganz oder gar nicht. Also haben wir sie nicht operieren lassen. Sie hat ihre Diagnose ein Jahr überlebt und hatte dabei bis auf die letzten Tage eine gute Lebensqualität. Der uns begleitende Tierarzt fand das verblüffend und war sich nicht sicher, ob das trotz oder wegen der nicht durchgeführten Operation so war.
Dass die Entfernung der Gesäugeleiste keine Kleinigkeit ist, hast Du ja sicher in den anderen Beiträgen gelesen. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass bei der Operation Krebszellen verschmiert werden und im Körper verbleiben. Bei Menschen wird ja bestrahlt, um diesen Zellen den Garaus zu machen, aber das ist bei Katzen nicht durchführbar, weil sie nicht freiwillig still legen bleiben. Verschmierte Zellen können dazu führen, dass die Katze relativ bald nach der Operation Metastasen bekommt. Lizzy hatte relativ lange keine Metastasen, womöglich deswegen, weil nicht operiert wurde. Aber vielleicht war es einfach nur Glück.
Was man uns nicht gesagt hat: wenn Du nicht operieren läßt, handelst Du Dir mit einer nicht geringen Wahrscheinlichkeit die Komplikation "offener Tumor" ein. Mammatumoren neigen dazu. Das heißt, der Tumor wächst so schnell, dass die Haut darüber nicht mitkommt und aufplatzt. Das bleibt dann so. Die Haut schafft es nicht mehr, wieder zuzuwachsen. Uns wurde gesagt, dass die Katze nun bis ans Ende ihrer Tage einen Trichter tragen muss, weil sie an dem Tumor herumleckt und das führt zu Infektionen und tropfendem Blut. Das war natürlich ein Schock, aber glücklicherweise kam es ganz anders. Wir alle haben gelernt, mit dem offenen Tumor zu leben, Katzi und die Menschen, und so hatte sie noch einen schönen Sommer. Sie hat daran kaum geleckt, vielleicht einmal in der Woche. Deswegen haben wir das mit dem Trichter gelassen. Sie hat Antibiotika bekommen, um eine Infektion zu verhindern. Die hat sie problemlos genommen und vertragen. Schmerzmittel waren erst sehr spät erforderlich und auch diese wurden problemlos genommen und vertragen. Einmal täglich war Wundreinigung angesagt, aber das ist nichts schlimmes. All das ist mit Sicherheit nicht mit jeder Katze und in jeder Lebenssituation so möglich. Ein offener Tumor kann ein guter Grund sein, die Katze einzuschläfern.
Im Grunde genommen gibt es keine falsche oder richtige Entscheidung. Du kannst nicht vorhersehen, wie gut sie mit der Operation zurechtkommt, ob sie verschmierte Zellen oder einen offenen Tumor haben wird. Was passieren wird, ist einfach Schicksal. Wichtig ist, dass Du nicht später mit Deiner Entscheidung haderst. Du tust Dein Bestes und hilfst ihr nach Kräften, aber niemand kann von Dir erwarten, dass Du die Zukunft korrekt voraussagst.
So, und nun hoffe ich, dass ich all das umsonst geschrieben habe, weil Lindas Tumor harmlos ist. Halte uns auf dem Laufenden! Und bei Fragen fragen.