Ich denke tatsächlich auch - wie viele meine Vorredner - das das bei Katzen eine ganz individuelle Sache ist.
Als ich selbst noch Kind war, dachte ich zB das Katzen unbedingt auch nach Draußen müssen und war ganz schockiert als dann zum ersten Mal Katzen gesehen habe, die in "nur in der Wohnung" gehalten wurden.
Die erste reine Wohnungskatze die ich kennenlernen durfte, wohnte mitten in Tokio und hatte einen Totalschaden, wenn ich das so ausdrücken darf.
Ich habe damals zwei Monate bei meinen jetzt Ex-Freund gelebt und er hatte sich die Katze aus dem Tierheim geholt und die war davor offensichtlich Freilauf gewohnt. Natürlich ging das in einer so großen Stadt wie Tokio nicht mehr und die Kleine ist komplett durchgedreht. Hat sämtliche Schränke und Türen geöffnet, alles runtergehauen und überall gepinkelt außer ins Katzenklo. Das hat gar nicht funktioniert.
Als ich danach(ich habe es damals wegen der Katze nicht mehr ausgehalten in der Wohnung ^^) zu einer Bekannten ebenfalls in Tokio umgezogen bin und ihre Katze kennengelernt habe, war das ganz anders. Shake, war eine wunderschöne weiße Perserkatze und die hatte überhaupt keine Lust auf draußen. Ich konnte problemlos auf dem offenen Balkon Wäsche trocknen lassen - das hat sie überhaupt nicht interessiert.
Bis auf etwaige Erdbebenwarnungen(Shake hat uns das mit Miauen immer im Voraus angekündigt) war sie super entspannt und augenscheinlich sehr glücklich. Die Familie bei der ich war hat viel mit ihr gespielt und sie war immer aktiv im Familienleben beteiligt. Die hatte überhaupt keine Lust auf "draußen". Der Unterschied war aber auch: Sie kannte "das draußen"einfach nicht und war auch schon so erwachsen, das es sie gar nicht mehr interessiert hat.
Die Katzen meiner Mutter wiederum sind jeden Tag draußen. Und wenn sie mal gar nicht mehr raus dürfen, weil es zB (wie vor einigen Jahren in unserer Region) Hochwasser gab, sind sie im Haus komplett freigedreht. Haben in den Blumentöpfen gebuddelt, ständig miaut und sind wie die Wilden umhergerannt. Das sind Katzen, die kommen Abends gern nach Hause - aber brauchen ihr tägliches Revier, das sie dann ablaufen um glücklich zu sein. Das Geschäft wird dann auch meist draußen erledigt.

Meine Mama muss höchstens einmal die Woche die Katzenklos wechseln, weil die beiden Damen ohnehin immer in ihre Beete machen und in der Nacht nur drinnen schlafen.
Ich glaube, als Katzenbesitzer merkt man es ganz schnell, ob die Katze glücklich ist oder nicht. Mein Kater, den ich seit knapp einen Jahr habe, will zB gar nicht wirklich raus. Ich wohne Erdgeschoss und wenn ich das Fenster aufmache, setzt er sich zwar auf die Fensterbank aber würde niemals ohne mich rausspringen und weglaufen. Er findet die Natur und vorallem Vögel interessant aber hat auch irgendwie Respekt davor.
Ich gehe dann öfter an der Leine mit ihm spazieren und das findet er auch gut - aber auch nur solange ich bei ihm bin. Sobald ich die Leine mal los lasse und ihn "laufen lasse" hat er Angst und kommt sofort zu mir. Er ist - soweit ich weiß - aber auch in einer Wohnung groß gezogen und sozialisiert worden.
Ich denke, das ganze ist ein bisschen so das Sprichtwort: "Was der Bauer kennt frisst er nicht."
Ich glaube, wenn man Katzen bis zu einem gewissen Alter nicht gezeigt hat, das es da noch ein "Draußen" gibt, ist es ihnen gar nicht mehr so Geheuer. Aber haben sie es irgendwann einmal lieben gelernt, wollen sie es verständlicher Weise auch gar nicht mehr missen. Es liegt in ihrer Natur zu jagen und umherzuschnüffeln - wegnehme sollte man es ihnen also nicht, Aber aber wenn sie es nie gelernt haben, vermissen sie es in diesem Maße auch nicht.
Meiner Meinung nach fühle sich Katzen die darauf gezüchtet wurden bzw so erzogen worden im Haus zu leben auch nur so wohl, alles andere würde sie überfordern. Diese Katzen sind dann natürlich schon sehr "vermenschlicht". Ob das jetzt gut ist, das man solche Katzen heranzieht, sei mal dahingestellt. Aber genauso können sie es eben dann auch "nur noch".