Liebe Forengemeinde,
gestern ist unser geliebter Kater Gerry mit nur 9 Jahren von uns gegangen

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Durch Zufall bin ich auf dieses Forum gestoßen und las viele Beiträge bisher. Da ich im Moment nicht weiß wohin mit meiner Trauer, dachte ich mir, dass es mir helfen könnte, meine Geschichte hier niederzuschreiben und vielleicht durch ähnliche Erlebnisse von euch, Erklärungen zu finden und es vielleicht besser verarbeiten zu können.
Mein Katerchen war ein Freigänger und lebte bei uns im Garten oder ging raus aufs Feld, um Mäuse zu jagen. Manchmal, vor allem immer im Frühling war er nicht selten für mehrere Tage mal weg und kam nicht zum abendlichen Fressen nach Hause. Deshalb machten wir uns auch diesmal keine größeren Sorgen, wenn der Fressnapf am nächsten Morgen wieder unberührt war. Das letzte Mal war er Sonntag zum fressen da. Wir sind dann Donnerstag früh über Himmelfahrt 3 Tage weg gewesen und meine Mama hat sich um unseren Hund gekümmert und immer nach Gerry Ausschau gehalten. Mein Sohn ist nochmal übers Feld zu seinem "Spielplatz" (eine kleine Entsorgungsstation von alten Betonrohren, wo er sich gern versteckte) und hat ihn gerufen, aber hat ihn nicht gefunden. Wie gesagt, das machte der Kater öfters und jetzt denke ich natürlich, ich hätte es diesmal im Gefühl haben müssen, daß etwas nicht stimmte

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Am Sonntag, wir waren schon auf der Rückreise, rief meine Mama mich ganz aufgelöst an und sagte mir, dass unser Nachbar gerade unseren Gerry bei sich hinterm Zaun im hohen Gras gefunden hat. Sein Zustand war erbärmlich. Sie sind sofort mit ihm zum Notdienst gefahren. Der Arzt rief mich dann unterwegs an und teilte mir mit, wie es um ihn steht. Er hatte eine akute Maulschleimhautentzündung, war sehr stark dehydriert, total unterkühlt 32 Grad und rappeldürre. Er schlug mir 2 Varianten vor, Versuch durch Infusionen, Schmerzmittel, Antibiotika und viel Wärme ihn noch zu retten oder ihn erlösen, da die Prognose sehr schlecht war. Ich wollte nichts unversucht lassen und schon garnicht aus der Ferne so eine Entscheidung treffen. Also hat er das volle Programm bekommen und zuhause habe ich ihm ganz vorsichtig halbstündlich Nährstofflösung mit Pipette in sein entzündetes Mäulchen getan und ihn mit Wärmekissen schön warm gehalten. Auch nachts... Er hat auch alles drin behalten. Am Montag wieder zum Doc, Temperatur gestiegen auf 34 Grad, wieder Infusionen und Spritzen. Wollte Bluttest machen, ging nicht. Das Blut was durch die Dehydrierung nur kam, reichte gerade so für einen Zuckertest, da er jetzt zusätzlich Glucose Tropf bekam. Wieder zu Hause, wenn er aufstehen wollte, torkelte er zum Trinknapf, saß aber davor und konnte nicht. Hat das Wasser nur mit der Nase angestupst und sich dann wieder auf die Seite fallen lassen, so schwach war er, aber wenigstens bewegte er sich noch. Am Dienstag wieder Temperaturanstieg auf 36 Grad und Arzt sagte, ich solle die Kiste geschlossen lassen damit er sich ordentlich erholt und viel liegt. Er lag wie tot im Körbchen, keine Augenreaktion mehr und wenn ich ihn angesprochen habe, kam ein ganz leises fast überhörbares Mauzen, er hat wenigstens gespürt, dass ich da war. Die Nährstofflösung hat er seit Sonntag immer halbstündlich bekommen. Mittwoch früh, es kamen immer weniger Reaktionen seinerseits, hat er die ganze Nährstofflösung der vergangenen Nacht erbärmlich ausgebrochen. Da stand meine Entscheidung fest, ihn zu erlösen. Habe es dem Arzt dann mitgeteilt und er hat trotzdem nochmal Temperatur gemessen. Wieder Anstieg auf fast 37 und das Hoffnungsvollste war, daß die Entzündung im Maul fast abgeklungen war! Auch seine Herztöne waren top, wie bei einer gesunden jungen Katze. Der Arzt sagte, ich solle die Nährstofflösung erstmal lassen, die Flüssigkeit mit den Infusionen würde erstmal ausreichen, ihm Ruhe gönnen und gab ihm noch einen Tag zur Besserung. Ich fuhr total hoffnungsvoll nach Hause. Daheim musste ich halbstündlich die Wickelunterlage wechseln, da er die Infusionen wieder auspullerte. Er tat mir so leid, welche Katze beschmutzt freiwillig ihr Bettchen.. . Dann wechselte er permanent die Seitenlage und ich sah es erstmal als Aufleben. Dann gegen Abend wurde er immer "lebendiger" . Seine Augen bewegten sich, die Ohren zuckten, sein Schwanz wedelte. Dass dies der Unruhe Zustand im Sterbeprozess war, sollte ich eine Stunde später erfahren, ich ging noch davon aus, dass er einfach mobiler werden würde, er sich aber trotzdem unwohl fühlte



. Ich legte mich noch neben seine Box und redete lange mit ihm. Es lagen dann 15 min dazwischen, als ich ihn das letzte Mal lebendig gesehen habe und ihm die Decke gewechselt habe. Dann ging ich zu ihm und sah schon von weitem die großen Augen, er war er plötzlich und kurz vorher eingeschlafen und noch ganz warm.



Gott sei Dank in der selben Position wie ich ihn hineingelegt habe. Also hat er nur darauf gewartet, dass ich kurz weggehe, um in Ruhe einzuschlafen. Ich war geschockt, wo ich doch wieder soviel Hoffnung hatte..... Habe ihn noch lange gestreichelt und geredet, in der Hoffnung er hört mich auf seinem Weg über die Brücke...

Nun ist er tot mein kleiner Schatz. Gestern haben wir ihn im Garten begraben und morgen bepflanze ich mit den Kindern sein Grab.
Er hatte ein schönes Katzenleben bei uns, trotzdem plagen mich unheimlich die Schuldgefühle. Was wäre wenn wir ihn eher gefunden hätten? Wir hätten ihn suchen müssen und nicht wegfahren. Es tut so unendlich weh

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Nachdem ich einen anderen Beitrag im Netz gefunden habe, gehe ich mittlerweile davon aus, dass er vielleicht Rattengift oder eine vergiftete Maus gefressen hat. Das soll wohl diese Schleimhautentzündung hervorrufen und das Gift wirkt langsam und zerfrisst so nach und nach die inneren Organe. So wäre es zu erklären, dass er am Montag noch einigermaßen mobil war, wenn auch torkelig und dann immer mehr abbaute.
Wenn ich nur wüsste was meinem kleinen Schatz da draußen passiert ist

. Diese Ungewissheit frisst einen auf.
Hat denn jemand von euch auch eine Katze auf diese Weise verloren?
Oh mann entschuldigt, mein Text ist ja mega lang... . Aber es hat mir schon ein bisschen geholfen, die vergangenen Tage mal nieder zu schreiben und vielleicht antwortet mir jemand auf meine quälenden Fragen und kann mitfühlen wie es mir geht

. Vielen Dank.
Liebe Grüße Claudia