Hallo an alle,
ich bin ganz neu im Forum und habe schon gefühlte hunderte gedankliche Meilen zurückgelegt und mich dann entschieden, hier mal um Rat zu fragen. Da ich einen kleinen Sonderfall (bilde ich mir zumindest ein) habe und nun zwei Expertenmeinungen bereits gehört habe, würde ich mich über noch mehr freuen. Es folgt jetzt eine ziemliche Wall of Text, damit ihr nachvollziehen könnt, wie alles so ist. Es sei mir bitte verziehen
Vor 4 Monaten haben wir eine ganz wunderbare Abgabekatze bei uns aufgenommen. Sie ist bald 3 Jahre alt und bei einer Hobbyzüchterin aufgewachsen (sie hat noch nie geworfen und ist inzwischen auch kastriert), die sie uns gegen eine geringe Schutzgebühr und mit Schutzvertrag abgegeben hat - nicht als klassische Zuchtkatze, sondern eben um ihr ein stressfreieres Leben zu ermöglichen. Da ich nicht das Geringste von Zucht/Vermehrung halte (und mir die Rasse/das Aussehen auch ziemlich wurscht ist), war das für mich auch die einzige Variante, ein Tier von einer Züchterin zu nehmen. Die Vorbesitzerin hat uns von Anfang an wissen lassen, dass sie Bonnie (sie ist übrigens eine Ragdoll) abgibt, weil sie sehr gestresst von der damaligen Situation war - sie hat dort mit 6 anderen Katzen und 2 sehr lauten kleinen Hunden gelebt, war ziemlich dünn und hat sich entweder zurückgezogen oder bei Annäherungsversuchen der anderen Katzen auch mal eine mitgegeben. Allerdings nicht immer - scheinbar hatte sie auch mal gute Tage und war bereit für eine Runde kuscheln mit den anderen. Auch während wir sie das erste Mal getroffen haben, ging ihr Schwänzchen unaufhörlich hin und her, sobald ihr die anderen Katzen zu nah auf die Pelle gerückt sind. Es wirkte allerdings erstmal nicht so, als würden die anderen sie mobben oder dergleichen. Folglich wurden wir informiert, dass Bonnie am besten als Einzelkatze zu halten sei und sie Vergesellschaftung nicht für förderlich hält.
Anfangs war sie wirklich sehr klein und dünn, vor allem für eine Ragdoll - sie hat gerade mal 2kg gewogen, man hat jeden Knochen an ihrem Rücken gespürt. Das hat sich bei uns relativ schnell geändert, sie isst jetzt ganz normal und hat einen sehr gesunden Appetit. Für eine Ragdoll ist sie aber sehr klein und zierlich, da diese Tiere ja gerne mal bis zu 7kg schwer und echte Brummer werden. Sie plaudert gerne und motzt manchmal lautstark wenn ihr was nicht passt, ansonsten ist sie eine sehr ruhige und sehr verkuschelte, entspannte Katzendame. Ich habe nicht das Gefühl, dass ihr etwas fehlt, sie scheint sich hier pudelwohl zu fühlen. Wir arbeiten beide komplett von zuhause aus, also ist immer jemand da und sie sucht auch fast durchgehend Nähe und ist eigentlich immer mit einem von uns im Raum oder liegt direkt auf uns. Wir haben eine große Wohnung mit Balkon und spielen täglich mehrmals mit ihr, damit sie sich als Wohnungskatze nicht langweilt. Soweit also so gut.
Trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen, sie als Einzelkatze zu halten, weil ich eben auch von Einzelhaltung nicht viel halte. Also haben wir viel hin und her überlegt und uns gefragt, ob ihr Stress vielleicht einfach von der MENGE an anderen Tieren kam und dem Gewusel und der Lautstärke durch die durchgeknallten Hunde. Und ob sie nicht mit einem Gefährten noch glücklicher wäre. Also sind wir gerade ganz gemächlich auf der Suche nach einer Zweitkatze und so habe ich gestern mit einer sehr netten Dame vom Tierschutz telefoniert. Ich habe ihr die Situation geschildert und sie hat uns tatsächlich davon abgeraten, eine Zweitkatze zu besorgen, wenn wir nicht das Gefühl haben, dass es Bonnie an irgendetwas fehlt. Sie sagte, dass sie durchaus Katzen kennt, die aus einem größeren Wurf kommen und bestens sozialisiert sind und trotzdem keine Lust auf andere Katzen haben. Sie hat uns empfohlen, auf die Vorbesitzerin zu hören, da sie offenbar doch recht verantwortungsvoll mit der Situation umgegangen ist. Sie war sehr freundlich und das Telefonat ging recht lange, am Ende hat sie uns empfohlen, es mal mit der Katze von Freunden in deren Urlaub zu versuchen, so als "Testdrive". Allerdings kann so eine Vergesellschaftung ja mal Monate dauern und so lange können wir uns nun wirklich keine Katze irgendwo ausleihen
Ich würde mich total freuen, einen Rat von euch alteingesessenen Katzenexperten zu bekommen. Ich möchte nur ihr Bestes, möchte ihr nichts wegnehmen, was ihr vielleicht doch insgeheim fehlt aber ihr auch nichts aufs Auge drücken, das sie eigentlich nicht will und braucht. Eine Zweitkatze wäre allein für ihr Wohl, nicht für unseres.
Also lieben Dank euch schon mal, ich freue mich auf eure Meinungen
