Oh man, Leute ... eigentlich habe ich überhaupt keine Zeit ... hier liegt noch ein Riesenkorrekturstapel, der bearbeitet werden muss mit Deadline bis morgen .... aber ich kann es echt nicht lassen, hier auch meinen Senf zuzugeben.
ich habe schon mein Leben lang Liebhabertiere und bin am überlegen ab nächsten Jahr mit dem züchten anzufangen. Leider habe ich dafür noch überhaupt keine Erfahrung, weswegen ich auf der Suche nach guter Literatur zu dem Thema bin. Könnt Ihr mir dazu etwas empfehlen?
Katzenerfahrung zu haben, ist schon mal ein guter Anfang - und Katzen toll zu finden natürlich auch. Aber wie du ja schon an vielen Beiträgen gelesen hast, reicht das mal bei Weitem nicht. Es sind hier einige ziemlich gute Links zu anderen Forenbeiträgen gepostet worden, die du mit Sicherheit mal ansehen solltest.
Vielleicht für dich zur Orientierung: hier Forum sind überwiegende Liehhaber und viele, die im Tierschutz aktiv sind. Gerade die
Tierschutz-Leute, die auch aktiv z.B. mit Pflegestellen arbeiten haben unendlich viel Erfahrung, was Aufzucht usw. angeht. Dann sind hier eine handvoll Leute, die - obwohl sie nicht oder nicht mehr züchten - recht viel zum Thema Zucht an sich beitragen können. Aber wir sind hier deutlich in der Minderheit.
Zumindest muss ich den anderen beipflichten, dass es super ist, dass du dich VORHER informierst. Auch wenn es dir bei dem einen oder anderen Beitrag so vorkommen wird, als wenn man dir dein Vorhaben nur ausreden will - das ist nicht so. Aber gerade wenn man von einer Sache wenig Ahnung hat, gibt es unglaubliche viele Dinge, die man nicht bedenkt.
Ich habe ca. 90m2 Wohnfläche und 80m2 gesicherten Katzengarten mit ständigem Auslauf zur Verfügung. Für wie viele Tiere ist der Platz ausreichend?
Das entspricht so in etwa der Fläche, die ich auch zur Verfügung hatte, als ich angefangen habe. Ich hatte mir selbst immer ein Limit von 6 erwachsenen Tiere gesetzt ... wobei ich nie mehr als drei potente Mädchen gleichzeitig hatte. Und Katerhalterung kannst du da eher knicken.
Mit welchen Kosten muss ich rechnen, außer den kosten die auch für Liebhabertiere anfallen?
Werden die Kosten die Einnahmen übersteigen, oder kann man auch kostendeckend züchten?
Ich formuliere es immer gerne etwas provokativ: zum Züchten braucht man die drei "V"s:
Verantwortung - damit einem klar ist, dass man hier mit Lebewesen arbeitet, für deren Wohlergehen, Wohlbefinden und Gesundheit man vom ersten - bis zu ihrem allerletzten Tag verantwortlich (auch wenn sie schon ewig ausgezogen sind). Das jede Entscheidung, die man trifft IMMER im Sinne der Tiere getroffen werden muss. (
und glaub mir, es gibt verdammt viele Entscheidung, die schwer sind und die weh tun und die man eigentlich nicht treffen will ... aber wenn man das aus der Sicht der Tiere sieht - dann ist es ganz klar)
Verstand - Katzenzucht ist ein unglaublich komplexes Thema. Als Liebhaber kennst du dich ggf. mit Haltung aus, aber es kommt so viel mehr dazu. Als Züchter sollte man sich darüber hinaus intensich mit Themen wie Ernährung, Reproduktionsmedizin, allegemeine Tiermedizin, mit rechtlichen Aspekte zur Vertragsgestaltung und natürlich mit Genetik auskennen. Jetzt muss man nicht in jedem Bereich ein Studium absolvieren, aber man sollte zumindest soviel rudimentäre Grundkenntnisse haben, dass man z.B. mit einem Tierartz auch mal fachlich diskutieren kann. Zum Thema Genetik streichen viele bereits bei simplen Farbvererbungen bereits die Segel - wenn man das ganze auf den Bereich der Erbkrankheiten ausweitet, wird es um einiges komplizierter. Man sollte z.B. auch mal in der Lage sein, einen Fachtext auf Englisch zu lesen - weil es bestimmte Dinge eben gar nicht auf Deutsch gibt. Kurz: als Züchter sollte schon ein bisschen was auf der Pfanne haben, um das ganze einigermaßen vernünftig anzugehen.
und last but not least (vor allem zu deiner ursprünglichen Frage):
Vermögen - wenn man es wirklich ordentlich und richtig macht, kostet es dich mehrere tausend Euro im Jahr. In den ersten Jahren mehr nach fünf bis 10 Jahren weniger. Vielleicht kommt man irgendwann - mit ganz, ganz viel Glück - über die Jahre auf ein +/- Null Ergebnis. Aber meistens wird das nichts. Man sollte da echt nicht zimperlich sein - und für Notfälle auch mal spontan zwei, drei oder viertausend Euro lockermachen können, ohne zu überlegen, ob man dafür eine Hypothek aufnehmen muss. Und ja - man kann es auch anders machen - aber dann ist es halt Scheiße.
Welcher Zuchtverein ist zu empfehlen? Es gibt ja jede Menge im Internet, wo sind die Unterschiede?
Es gibt ein paar No-Go Vereine (die Papiere ausstellen, für alles was vier Beine hat) - und die von den allermeisten anderen Vereinen nicht anerkannt werden. Die sollte man meiden. Bei den meisten anderen ist es fast eher egal ... die Unterschiede liegen in den Zucht- und Haltungsrichtlienen. Werden aber mehr bestimmt, von den Leuten, die da mitarbeiten ...
Wo bekommt man gute Zuchtkatzen her, auf was muss man achten?
Die Frage ist so schon mal gar nicht zu beantworten - vor allem, wenn du nicht mal weiß, was du für eine Rasse züchten willst, geschweige denn eine Vorstellung von einem
Zuchtziel hast.
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Erstmal danke für die vielen Antworten. Ein Zuchtziel habe ich ehrlich gesagt nicht, ich liebe einfach Katzen und habe sie gerne um mich herum. Da ich denen einen schönen Platz anbieten kann und gleichzeitig Spaß daran habe, warum also nicht?
Warum nicht ... weil das leiden eben noch nicht reicht. Wenn es dir nur um "ich habe gerne Katzen um mich herum" geht ... könntest du ja soviel wie möglich aus dem Tierschutz aufnehmen und ihnen ein tolles zu Hause geben. Mit der Idee "Zucht" muss doch noch etwas anderes verbunden, was du dir davon versprichst.
Also: was versprichst du dir wirklich davon?
Eine Rasse habe ich mir noch nicht ausgesucht. Hatte schon viele Rassen und Burma wie Bengalen haben mir bis jetzt am besten gefallen.
Das ist aber schon mal ein himmelweiter Unterschied .... Burma find ich hübsch, kenne mich aber nicht wirklich damit aus, glaube aber, dass es nciht allzuviele Züchter gibt (was immer problematisch sein kann).
Bengalen finde ich toll zum ansehen, wollte aber im Leben keinen in meiner Wohnung haben. Und schon zweimal nicht zur Zucht. Bengalen sind noch verdammt nah an der Wildkatze .... und die pissen alle - inklusive der Mädchen. Bengalen sind nicht mal Anfängerkatzen ... und schon zweimal nichts für Zuchtanfänger.
Welche Literatur zu dem Thema ist denn zu empfehlen?
Da gibt es leider nicht viel Gutes. Vieles lernt man über Kontakte und vor allem Erfahrung. Absolut enpfehlenswert ist "Praxisleitfaden Katzenzucht", der vor Jahren mal von Royal Canin heraus gegeben wurde. Er beschäftigt sich mit vielen verschiedenen Themenbereichen und ist auch fachlich richtig gut, da die wirklich gute Autoren zusammengeführt haben. Das Buch wird aber nicht mehr aufgelegt - und ist nur gebraucht bei ebay usw. zu bekommen. Allerdings für ziemliche Hammer-Preise.
Was ist denn ein geeignetes Zuchtziel? Mein Zuchtziel ist gesunde und glückliche Katzen zur Welt zu bringen die gut sozialisiert sind und frei von Krankheiten.
Wie jemand schon sagte: gesunde und gut sozialisierte Katzen sind kein "Ziel" , dass man irgendwann mal erreichen will - sondern das ist die Voraussetzung, dass man überhaupt mit einer Katze züchtet. Ein
Zuchtziel legst du fest, wenn du dich für eine Rasse entschieden hast und erkennst, wo deutlich Verbesserungsbedarf besteht. Ich habe mich z.B. bei den Briten immer sehr auf Kopf- und Augenform und vor allem kleine Ohre "spezialisiert" - gleichzeit immer wieder versucht an der Fellqualtiät zu arbeiten. Wenn ein Züchter ein paar Jahre lang gute Zuchtarbeit leistet und konsequent an einem Ziel arbeitet ... dann "erkennst" du seine Katzen irgendwann. Also ... meine Briten sehen natürlich aus wie Briten ... aber wer sich ein bisschen auskennt, sieht, dass es "Westpark-Katzen" sind.
Warum muss ich das jetzt schon wissen? Ich bin doch erst am planen und mich erkundigen. Ob ich dann tatsächlich züchte, steht heute noch nicht fest.
Du musst das
Zuchtziel jetzt noch nicht wissen - aber es gehört mit zu der Planung. Wie willst du denn eine Katze aussuchen, wenn du kein Ziel hast ... dazu sollte sie nämlich passen.
Julias Erklärung oben - mit dem Unternehmer ist klasse. Niemand gründet eine Firma, weil er eine Firma gründen will ... sondern weil er etwas bestimmtes will. Da die Motivation "Geldverdienen" in der Zucht ausfällt (die beim Unternehmer ja noch legitim ist) - kann die Motivation ja nur im Produkt selbst liegen. Und das Produkt ist ja jetzt nicht einach nur "Babys produzieren" ... (das ist dann Vermehren - und eben nicht Zucht).
Man darf das jetzt sicher auch nicht überbewerten. Ich muss sagen, dass ich in meinen Anfängen auch eher nur eine sehr diffuse Vorstellung von einem
Zuchtziel hatte - vieles hat sich dann auch erst in folgenden Jahren ergeben. Wie sagt Einstein so schön: "Wahres Wissen basiert auf Erfahrungen - alles andere ist nur Information" - allerdings habe ich auch in den ersten Jahren echt viel Lehrgeld bezahlt. Sowohl im wörtlichen, wie auch im übertragenen Sinne.
Du musst dir z.B. auch darüber im Klaren sein, dass Zucht eben immer Weiterentwicklung bedeutet. Das heißt, dass du nicht nur die Babys abgibst, wenn sie alt genug sind (was die meisten sich immer als das Schwerste in der Zucht vorstellen), sondern du machst jeden Wurf, mit dem Ziel etwas daraus zu behalten (sonst ist es wieder nur Vermehren) ... so - jetzt wird nicht in jedem Wurf etwas so Gutes sein, dass man behalten will. Aber immer mal wieder ... und damit man nicht irgendwann die Bude übervoll hat - muss man sich dann auch von Kastraten trennen .... man kann nicht alle behalten (soviel zu dem von Oben ... Entscheidungen, die man eigentlich nicht treffen will).
Klar - ganz oft heißt es "XY muss ausziehen, weil sie in der Gruppe gemoppt wird ... " - weil es so unschön klingt, zu sagen: muss ausziehen, weil ich Platz brauche ... aber für einen Züchter gibt es da z.B. kaum Alternativen.
So ... jetzt muss ich aber echt an die Korrekturen

Grüße
Nic