Nach der Atempause gestern habe ich zwar heute morgen wieder etwas tun können, (selbst zum Doc, mein linkes Ohr war verstopft seit dem Abschied und den Tränen; HNO hats gespült und nun höre ich wieder richtig. Das war teilweise schon richtig spooky, weil ich extrem aufmerksam zuhören musste um Gesprochenes zu verstehen und weil das Richtungshören völlig gestört war und ich die merkwürdigsten Geräusche überall im Raum gehört habe. Außerdem eine Bewerbung rausgeschickt.) aber dann gings gefühlsmäßig wieder in die schlammigen Untiefen und ich heule wieder vor mich hin.
Es ist nicht zu leugnen, ich habe Mietzi zu lange leiden lassen weil ich ihre Zeichen nicht verstanden habe, weil ich nur das gesehen habe, was vor der Nase lag und nicht eins und eins zusammengezählt habe, obwohl ich auf der theoretischen Ebene schon lange die richtigen Überlegungen angestellt hatte. Ich habe dem Tierarzt bzw. den Ärzten aus der Praxis wo ich hingehe, zu sehr vertraut und nicht aktiv genug für sie gesprochen und gefordert. Auch, wenn ich ehrlich bin, weil ich eben finanziell nicht nur momentan sondern schon ewig in einer prekären Lage bin. Ja, ich hatte ein Notfallkonto und habe seit Herbst meine kleine Gehaltserhöhung zu 120% in Medikamente und Behandlungen gesteckt und in den letzten 3 Monaten das Notfallkonto um die Hälfte geschrumpft. Nur das Problem mit so einem Notfallkonto - wenn du einfach nicht weißt, ob das jetzt wirklich ein Notfall ist bzw. die Entscheidung treffen musst und weißt nicht, wann der nächste Notfall kommt, ob du es bis dahin schaffst, das Notfallkonto wieder aufzufüllen. Schon in den letzten paar Monaten war mir klar: bis ich nicht anständig verdiene, so dass ich es mir leisten kann im Monat 100,- beiseite zu legen für Tierarzt, werde ich keine weiteren Haustiger adoptieren, die Schuldgefühle sind die Hölle und es ist halt auch nicht verantwortlich. Und nein, das war nicht vorhersehbar als ich die beiden adoptiert habe, da war ich noch davon ausgegangen, recht flott einen Einstieg ins Berufsleben zu finden. Dass das dann wegen Krankheiten und einem vermurksten Arbeitsmarkt ein paar Jahre länger gedauert hat - shit happens. Ich dachte bis vor kurzem, jetzt sollte es endlich mal balanciert sein, ich hatte einen guten Job, okayes Gehalt und bäm, wurde ich zum 30.06.23 betriebsbedingt gekündigt und bin also wieder auf Arbeitssuche. Der Rest vom Notfallkonto wird nun in einen med Rundumcheck vom Kater investiert, damit ich wenigstens bei Schnufti auf dem Laufenden bin und vorsorgen kann, falls er schon etwas hat, das ich nicht bemerkt habe. Vielleicht sollte ich mir auch einen neuen Tierarzt suchen, aber ich warte mal ab, wie der Check ausgeführt wird und ob es etwas bringt, wenn ich meine Herangehensweise an Tierarztbesuche ändere, ob das zu besserer Versorgung führt.
Ist ein sensibles Thema, ich erinnere mich auch an einige Diskussionen hier und in anderen Foren / fb und co, wo die Meinung vertreten wird, dass man nur dann Haustiere haben darf, wenn man sich die Versorgung leisten kann. Ich frage mich dann immer, was ist denn mit denen, deren finanzielle Situation sich plötzlich ohne eigenes Zutun verschlechtert? Sollen die ihre Haustiere alle im Tierheim abgeben? Wäre es wirklich besser, wenn Mietzi und Schnufti weitere Jahre im Tierheim verbracht hätten, wo sie zwar medizinisch versorgt worden wären, aber sonst halt nur die absoluten Grundbedürfnisse? Wohlgemerkt, die beiden saßen schon fast 2 Jahre im Tierheim, als ich sie adoptiert habe, sie wurden nur zusammen vermittelt und Mietzi war eine waschechte Panikkatze. Ihr Vertrauen und ihre Zuneigung zu gewinnen, war ein ordentliches Stück Arbeit und hat mir viel Freude gemacht.
Und es ist völlig i.O. dass die Tierarzt-Gebührenordnung angepasst wurde, auch die sollen fair bezahlt werden. In manchen anderen Ländern gibt es für Tierbesitzer Sprechstunden für die, die es sich nicht leisten können, da fallen dann nur die Kosten für die Medikamente etc an, während Personal und Klinikausstattung für diese Spezialsprechstunden kommunal oder anderweitig finanziert werden. Schade dass es sowas hier nicht auch gibt. Wäre vielleicht eine bessere Forderung als die, dass man finanziell schlechter gestellten Menschen die Tierhaltung verbietet und sie zu moralischen Nulpen aus Egoismus erklärt. Glaubt mir, die Schuldgefühle allein - und nicht erst die seit Mietzis Tod - machen das Leben nicht leichter und wenn du finanziell am Rand stehst, ist das Leben eh kein leichtes.
Rant over. War hilfreich, dass alles mal auszuformulieren, das bringt schon etwas Klarheit. Man man man, Trauern ist anstrengend.