Hallo zusammen,
ich habe vor ein paar Wochen aufgrund der Verdauungsproblematik unseres Fienchens (Verdacht auf IBD) eine tierärztliche Ernährungsberatung in Anspruch genommen. Vielleicht ist das ja für den ein oder anderen auch von Interesse. Was ich nicht tun werde, ist, konkrete Zahlen zu benennen. Die Futterpläne sind wirklich individuell auf die einzelne Katze abgestimmt und nicht unbedingt 1:1 übertragbar.
Der Ausgangspunkt war ein Fienchen mit chronischem Durchfall und gelegentlicher Kotzerei. Durch eine Umstellung auf mageres Känguru-Muskelfleisch mit Fertigsupplement hatten wir beim Output bereits vor der Beratung eine positive Tendenz in Gang gesetzt. Ziel der Beratung war es nun, die Verdauungsprobleme weiter in den Griff zu bekommen. Außerdem soll Fienchen noch zunehmen. Sie bekommt derzeit Prednisolon (2,5 mg alle 2 Tage).
Vor der Beratung musste ich erst einmal einen ausführlichen Fragebogen zu meiner aktuellen Fütterung ausfüllen. Anhand dessen wurde dann berechnet, wie gut die Katze mit den einzelnen Nährstoffen versorgt ist, wo Verbesserungsbedarf besteht, aber auch ihr Energiebedarf analysiert. Es wurde quasi geschaut, wie der durchschnittliche Bedarf einer Katze der gleichen Gewichtsklasse aussieht und wie meine Katze dazu im Vergleich abschneidet. Bei Fienchen etwa kam raus, dass sie im Vergleich zu anderen Katzen mit ihrem Gewicht einen überdurchschnittliche hohen Energiebedarf hat.
Mir wurde dann während der Beratung ausführlich erklärt, an welchen Stellschrauben man so drehen kann, um die Fütterung auf Fienchens Bedürfnisse hin zu optimieren. Dabei wurde aber auch die Alltagstauglichkeit nicht außer Acht gelassen. Da unsere Fütterung alles in allem bedarfsdeckend war (mit manchem war Fienchen sogar eher zu gut versorgt), konnten wir sie im Grunde so lassen und haben nur ein paar Anpassungen vorgenommen. (Übrigens wird zu jeder Fütterungsform beraten, ob Barf, Nass oder Trocken).
Zwei Infos, die ich erhalten habe, sind dabei vielleicht auch allgemein ganz interessant:
1) Wir haben ja aufgrund des Barfs einen recht hohen Fleisch- bzw. Proteinanteil in unserem Futter. Und laut TÄ kann auch ein (zu) hoher Proteingehalt durchaus auch Verdauungsprobleme machen (wobei Katzen natürlich eine höhere Proteintoleranz haben als Hunde). Seitdem sehe ich die Aussage "der Fleischgehalt sollte immer möglichst hoch sein" mit etwas anderen Augen. (Fun Fact: Selbst mit etwas reduzierter Fleischmenge liegt Fienchen mit der aktuellen Ration immer noch bei fast 300% des Bedarfs).
2) Auch wenn im Blutbild die Bauchspeicheldrüsenwerte wie der TLI in Ordnung sind (wie es bei Fienchen der Fall war), kann es sein, dass gerade bei IBD-Patienten das Pankreas trotzdem nicht ausreichend arbeitet. Dass die Enzyme, die wir damals gegeben haben, keine Wirkung zeigten, kann daran gelegen haben, dass es Kautabletten und kein Pulver waren. Mit Pulver haben die TÄ wohl bessere Erfahrungen gemacht, vorausgesetzt, es wird korrekt angewandt. Wir behalten einen erneuten Versuch mit Enzymen also mal im Hinterkopf.
Nach der Beratung habe ich dann noch einen ausführlichen Plan an die Hand bekommen, der die einzelnen Schritte der Futterumstellung auch noch mal aufführte. Dabei soll ich Schritt für Schritt immer eine Komponente zum Futter dazu geben und jeder Komponente etwa 2 Wochen Zeit geben, um zu schauen, ob sie sich positiv oder negativ auswirkt (ich muss zugeben, dass ich nicht immer die ganzen 2 Wochen abgewartet habe). So kann man dann besser sehen, ob etwas ggf. nicht vertragen wird als wenn man 3 Mittelchen auf einmal in die Katze schüttet.
Bei allen Komponenten (auch so Dingen wie Zellulose oder FSSP) sind die limitierenden Faktoren: "Verträgt die Katze es (und in welcher Menge)?" und "Frisst die Katze es?"
Wir haben bspw. ganz einfach mit Futterzellulose angefangen, um den Output weiter zu verbessern (Alternative wären Flohsamenschalen gewesen), was ziemlich gut funktioniert hat. Dann hatten wir die Prednisolon-Dosis gesenkt und beobachtet, welche Auswirkungen das so hat.
Da wir den Protein- und Phosphatgehalt senken wollen, Fienchen aber auf zu viel Fett empfindlich reagiert (was eigentlich meine erste Stellschraube wäre, wenn Katz zunehmen soll), kamen dann tatsächlich Kohlenhydrate ins Spiel, um Energie ins Futter zu bekommen. D. h. es wurde der Fleischanteil gesenkt und stattdessen KH mit ins Futter integriert. Ich hatte es erst mit Reis- bz. Haferflocken versucht (Menge wieder allmählich gesteigert), bin dann aber auf Kartoffeln umgeschwenkt (und vermeide nun zur Sicherheit Getreide im Futter).
Aktuell teste ich, wie gut sie Lachsöl verträgt und werde demnächst mal Pferd statt Känguru versuchen.
Alles in allem geht es Fienchen mit der angepassten Ration so gut wie lange nicht mehr. Manche Experimente wurden nicht so gut vertragen (z. B. Reinfleischdose Känguru, wahrscheinlich aufgrund des höheren Fettgehalts, oder ein erneuter Versuch mit hydrolisiertem Trockenfutter - da habe ich die Reisstärke in Verdacht). Aber ich habe jetzt quasi eine "Basis-Ration", die gut vertragen wird und mit der sich der Output eigentlich immer recht schnell wieder einpendelt.
Ich habe mir dann gleichzeitig auch noch einen Plan für Willy - der abnehmen muss - erstellen lassen. Der bekommt erstmal das gleiche Fleisch wie Fienchen, allerdings natürlich keine KH ins Futter (das wäre kontraproduktiv), sondern stattdesssen sehr viel Füllstoff in Form von Gemüse (Möhrchenbrei) und Futterzellulose (ganz ehrlich hätte ich mich ohne Beratung nicht getraut, derart viel Gemüse dazuzugeben). Aber es scheint zu funktionieren, er hat jetzt schon gut 500 g abgenommen und ist ein gutes Stück agiler.
Sally, die ja keinerlei futterbezogene Baustellen hat, haben wir an Willys Ration mit drangehängt, nur eben mit weniger Gemüse. Die gleicht aber ihre Ration auch mit selbstgefangener Maus aus.
Allgemein kann man sagen, dass manche Dinge anders gehandhabt werden, als sie oft in Foren weitergegeben werden, ohne dass die Fütterung nun total auf den Kopf gestellt wird. Wie gesagt, erstmal wird keine Fütterungsform "verdammt". Unterschiede sind etwa, dass kein AYCE vorgesehen ist, dass ggf. auch Kohlenhydrate gezielt zum Einsatz kommen und dass viel Abwechslung als nicht unbedingt notwendig erachtet wird, solange die Ration bedarfsgerecht ist (und bei IBD-Katzen ist zu viel Wechsel oft ohnehin kontraproduktiv).