Katzen verschwinden auf mysteriöse Weise
VON RENATE HOFMANN UND HARALD RÖHRIG, 30.10.07, 19:19h
Tierschützern ist das Phänomen seit Jahren bekannt. Vermutet wird, dass die Vierbeiner getötet und ihr Fell weiterverwertet wird.
Windeck - Tierschützer und Katzenbesitzer schlagen Alarm: Im Windecker Ländchen verschwinden die Samtpfoten derzeit dutzendweise. In Schladern und Dattenfeld sind seit zwei Wochen allein 20 Tiere nicht wieder aufgetaucht, weitere fehlen in Rosbacher Ortsteilen wie im Kleehahn und in Obernau. Die Vorgänge werden in Verbindung gebracht mit einer Altkleider- und Schuhsammlung, die zurzeit straßenweise in verschiedenen Ortschaften vorgenommen wird.
Dabei werden Eimer ohne Anmeldung und Info-Gespräch vor den Häusern abgestellt mit der Aufforderung, sie mit Altkleidern, Schuhen, Tisch- und Unterwäsche, Wolldecken und Anzügen zu befüllen. So ist zumindest auf den Eimern zu lesen. Gleichzeitig mit den Behältern, so die Beobachtung der Betroffenen, verschwinden die Katzen.
„Nicht schon wieder“, stöhnt Christiane Thul-Steinheuer, als sie davon erfährt. Die Vorstandssprecherin des Vereins „Tierschutz für den Rhein-Sieg-Kreis“ kennt diese Vorgänge, die immer wieder in Verbindung mit den Eimer-Sammlungen gebracht werden. Ein Zusammenhang konnte nicht nachgewiesen werden. Selbst einer eigens eingerichteten Arbeitsgruppe sei es bislang nicht gelungen, die Hintergründe zu beleuchten. Es wird aber davon ausgegangen, dass die gefangenen Tiere getötet und ihre Felle weiterverwendet werden.
Diese Erkenntnisse bestätigt auch Susanne Wanninger, Vorsitzende des Vereins Katzenschutz Rhein-Sieg. Ihr wird ebenfalls immer wieder zugetragen, dass die Samtpfoten verschwinden und gleichzeitig Altkleider-Sammelcontainer auftauchen würden.
Purer Zufall?
„Das kann sich aber auch um puren Zufall handeln“, schränkt sie ein. Ebenfalls konnte bisher nicht aufgeklärt werden, was mit der Aufstellung der Container bezweckt werden soll. So könnte es nur ein Vorwand sein, die örtlichen Gegebenheiten auszuspähen und mit Wagen dort herumzufahren. Die Eimer könnten auch dem Abtransport der Tiere dienen, wird befürchtet.
Auch Sabine Held aus Schladern, die sich in den Tierschutzgruppen Arche Noah und Topas engagiert, bemühte sich erfolglos, Licht in die Hintergründe für die Sammlung zu bringen. Telefonisch hatte sie keinen Erfolg, als sie die Firma kontaktieren wollte, die auf den Altkleider-Eimern als allein verantwortlich Beauftragte angegeben ist. Wie andere vermutet sie, dass die Katzen mit Ködern angelockt und betäubt und dann nachts eingesammelt werden.
Gabi Winter aus Rosbach, deren kastrierter Kater Merlin ebenfalls verschwunden ist, sprach den Laster-Fahrer an, der die Eimer am Straßenrand abstellte. Auf ihre Frage, woher die Firma denn komme, erhielt sie die lapidare Antwort: „Können Sie nicht lesen?“
Internetrecherche
Deshalb notierte sich Winter das Stuttgarter Autokennzeichen des Fahrzeugs und meldete dies auch der Polizeistation in Eitorf. Die Rosbacherin hält es für merkwürdig, dass eine Firma aus Stuttgart, die nicht zu ermitteln ist, bis an die Sieg kommt, um Altkleider einzusammeln. Sie warnt deshalb alle Besitzer von Katzen und rät, die Vierbeiner vor allem nachts nicht mehr aus dem Haus zu lassen. Auch mehrere Versuche des „Rhein-Sieg-Anzeiger“, die Firma zu erreichen, schlugen fehl; es ertönte nur das Freizeichen.
Sabine Held recherchierte zusätzlich im Internet. „Letztendlich landet man auf russischen und arabischen Seiten und kommt nur weiter, wenn man 25 Euro zahlt“, berichtet sie. Gestoßen ist sie zudem auf fast hundert Links im Internet mit rund eintausend Eintragungen, die alle auf Zusammenhänge zwischen dieser Art der Altkleider- und Schuhsammlungen und verschwundenen Haustieren hinweisen. Tierschützer raten deshalb, die Kennzeichen der Fahrzeuge zu notieren und die Polizei zu informieren, wenn ihre Tiere verschwinden. Noch besser sei es, Anzeige wegen des Verdachts auf Haustierdiebstahl zu erstatten.
http://www.ksta.de/html/artikel/1193144154788.shtml
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