Es wird auch in Spanien besser, aber Andalusien ist immer noch ein trübes Kapitel... eine Arbeitslosenquote von über 30% - in der Provinz Cadiz, wo wir helfen, ist es noch schlimmer... da wird Tierschutz als etwas sehr Exotisches betrachtet... nichts desto trotz gibt es dort Tierschützer, die versuchen den armen Kreaturen zu helfen, und die wollen wir nach Kräften unterstützen... Wir werden nicht alle retten können, aber abhängig von der Unterstützung, die wir hier erhalten, werden es doch viele sein... und jede Katze zählt.
Ich erzähl mal Lucas' Geschichte, der jetzt hier bei mir lebt... er stammt aus Cadiz und war nie in der Perrera, aber die Hölle kennt er trotzdem genau... dem Aussehen nach ist er ein Orientalmix, und damit eines von unzähligen unerwünschten Blauaugenkindern, die von nicht kastrierten Rassekatzen geboren werden. Blauaugen sind in, kastrieren, kostet hingegen Geld, also werden die Kitten ausgesetzt oder über den Zaun der Perrera geworfen. Lucas wurde ausgesetzt und landete schliesslich in einem miesen Hinterhof, wo die Anwohner ihre ekligen Spielchen mit ihm spielten: sie haben ihn angelockt mit Futter und dann ihre Köter auf ihn gehetzt, die haben ihn geprügelt und Zigaretten auf ihm ausgedrückt. Irgendwann hat einer den Tierschutz angerufen, der Kater könne nicht mehr, habe sich in eine Mauerhöhle zurückgezogen, ob man ihn holen könne zum Einschläfern, sonst würden ihn die Hunde zerreissen...
Er wurde geholt, völlig dehydriert, unterernährt, übersäht mit Wunden und zerbissen von Ungeziefer. Die Tierschützer hatten Mitleid mit ihm, er war kaum ein Jahr alt... sie habenn ihn gepäppelt, er war wochenlang in der Klinik.
Dann kam er auf eine typische andalusische Pflegestelle zu einer lieben Frau - 17 Katzen in 2 Zimmern... Er hatte panische Angst vor den Katzen, denn auch von denen wurde er in der Vergangenheit gepiesackt. Vor Angst hat er buchstäblich versucht, die Wände hochzuklettern. Vor der Pflegemama hatte er auch Angst... als sie normal durch die Wohnung ging, wie unsereins halt geht, mit schlenkernden Armen, da hat er gefürchtet, wieder geschlagen zu werden und hat zugebissen, und zwar kräftig - die Pflegestelle war zwei Wochen im Krankenhaus. Bei jedem Hundegebell sass er drei Tage unterm Bett.
Langsam hat er sich aber doch eingewöhnt, hat Kontakt gefunden zu anderen Katzen... eine deutsche Tierschutzorga hat ihn in die Vermittlung aufgenommen und auf deren Website habe ich ihn entdeckt. Er hatte es schwer, jemanden zu finden, denn alle Interessenten sind immer wieder abgesprungen, sobald sie gehört haben, dass er eventuell beisst...
Ich habe ihn dann herkommen lassen, wir wussten nicht, ob es klappt, mit meinen drei munteren Mädels, davon eine blind... aber es hat funktioniert. Er hat ein halbes Jahr gebraucht, jeden Tag gab es kleine Fortschritte... heute ist er ein normales Haushaltmitglied. Gebissen hat er nie. Er hat immer noch panische Angst vor Männern. Und kahle Stellen, wo sie ihn mit ihren Kippen verbrannt haben. Und Narben und Kratzer... aber er fängt an zu vergessen... und ich hoffe, dass wir ganz viele kleine Lucaskatzen da unten rausholen können, um ihnen zu einem neuen Leben zu verhelfen...