Ja, es ist Herbst und die Tierfänger sind wieder unterwegs... :evil:
Ich finde es schwierig, pauschal über 'Auslandskatzen' zu sprechen, denn in jedem Land, in jeder Region ist die Situation unterschiedlich. Unsere Schützlinge stammen aus Jerez de la Frontera in der Provinz Cadiz, und nur über diese Ecke werde ich jetzt hier mal schreiben.
Cadiz ist eine sehr arme Provinz mit einer Arbeitslosenquote von über 30% In der Region gibt es viele Grossgrundbesitzer; hier werden viele Kampfstiere gezüchtet, überhaupt lebt die Region immer noch stark von der Landwirtschaft und der Fischerei, der Tourismus kommt nur schwer in Schwung und wenn dann hauptsächlich in gezüchteten Enklaven wie Novo Sancti Petri. Es kommen auch Golftouristen und alle sind sie weit weg von der Wirklichkeit dieses Landes. Wenn man mit dem Bus durch die Provinz fährt, sieht man mehr davon. Man sieht viele Analphabeten, in kleinen Städtchen und Dörfern sitzen die Arbeitslosen den ganzen Tag vor den Cafés - oft haben sie nur einmal im Jahr Arbeit, zur Erntezeit. Es gibt viele Gitanos, die als minderwertig angesehen werden und die kaum Zugang zum Arbeitsmarkt haben; Wanderarbeiter aus Nordafrika - und einfach sehr wenig Arbeit, denn gerade die Fincas, auf denen die Stiere gezüchtet werden umfassen sehr viel Land und kommen mit sehr wenig Angestellten aus. Als Tourist mag man das malerisch finden, es ist wie in Ägypten: die Zeit scheint still zu stehen.
Tiere haben dort keinen Stellenwert, weder Hunde, noch Katzen, noch Stiere, noch Pferde, es sei denn sie sind wirklich wertvoll. Das sind Gebrauchsgegenstände, und genauso werden sie behandelt. Eine beliebte Art, sich der Galgos, also der Windhunde, zu entledigen, besteht daran, sie an einer dünnen Drahtschlinge aufzuhängen, dass ihre Hinterläufe gerade noch den Boden berühren; die Hunde versuchen verzweifelt, auf den Hinterläufen zu tänzeln um nicht zu ersticken, solange bis sie keine Kraft mehr haben und qualvoll zugrunde gehen. Die Leute schauen dabei zu.
Hunde- und Katzenwelpen werden in Einkaufszentren in Glaskästen zum Verkauf angeboten; billige Quengelware für Kinder, die entsorgt wird, wenn sie lästig oder einfach nur älter wird. Kaum jemand bringt seine Tiere zum Tierarzt - Ana beschreibt die meisten Praxen als zu klein, als dass es auch nur eine Tierarzthelferin gäbe. Da sich die Tierärzte auf eine kleine Klientel stützen müssen, sind sie annähernd so teuer, wie in Deutschland. Die Tiere werden selten kastriert und noch seltener geimpft, und wenn, dann nur einmal. Die einzige wirkliche Tierklinik ist in Sevilla, ca. 100 km entfernt.
An die Katzen, die wild auf dem Land leben ist kaum ein Herankommen, zu weitläufig und dünn besiedelt ist dort alles. Zu den riesigen Latifundien hat man keinen Zutritt, und wer versucht, drauf zu kommen läuft Gefahr, einem wilden Rindvieh oder scharfen Wachhunden gegenüber zu stehen. Selten, dass in der Tötung mal eine Kolonie von wilden Streunern landet.
Die Katzen in den Dörfern, Städten und Touristikzentren werden hingegen regelmässig gefangen und in die Tötungsstationen gebracht. Wenn sie grosses Glück haben, landen sie in Auffangstationen, sogenannten Refugios, wo nicht routinemässig getötet wird, wo aber Futter und Betreuung auch sehr sparsam sind. In der Stadt Cadiz gibt es eines, dank der privaten Initiative eines spanischen Tierarztes, in Jerez gibt es nur zwei Perreras, also Tötungsstationen.
Die Katzen in den Refugios und Perreras werden von spanischen Tierschützern betreut und wenn möglich vermittelt. Diese Katzen, so sie nicht vorzeitig sterben, werden alle kastriert. Ein guter Teil des Geldes, den z.B. wir an Ana schicken, wird dafür verwendet. Unsere Arbeit besteht darin, den Spruch der andalusischen Regierung - o.k., diese Katzen sind überzählig, wir bringen sie alle um - umzuwandeln in: 'Wir lassen sie alle kastrieren, damit sie keine eigenen Nachkommen mehr haben und suchen Familien für sie, damit sie ein würdiges Leben führen können.'
Was wir sonst tun können: in Kindergärten und Schulen gehen und versuchen, die Einstellung der Kinder zu ändern. Versuchen, mithilfe von Spenden verbilligt oder Gratiskastras für Privattiere anzubieten (allerdings spendet dafür kaum jemand). Die eine oder andere Strassenkatze fangen und kastrieren lassen. Touristen sensibilisieren: Hallo, liebe Touristen, die niedlichen Kätzchen in eurem Ferienresort sind nur dazu da, damit ihr sie niedlich findet; sobald die Saison vorbei ist und ihr weg seid, werden Tierfänger gerufen um diese zutraulichen Geschöpfchen in die Tötung zu bringen! Damit nächstes Jahr wieder gaaaanz viel Platz ist für neue niedliche Kätzchen! Die dann dasselbe Schicksal erleiden! Und je mehr ihr die Katzen in euren Touristikzentren füttert, desto schneller vermehren sie sich und desto zutraulicher (auch zu Tierfängern) werden sie! Bitte bedenkt die Konsequenzen eures Handelns!
Wer werden sie nicht alle retten können (aber wenigstens können wir es versuchen), aber jede Katze, die wir retten können ist die Mühe wert.
P.S. Sorry, dass es schon wieder so eine lange Antwort ist.