Auf ein Letztes für heute, Deike, dann werd ich endlich schlafen gehen...
Ich finde es schön, dass ihr noch an das gute und verständige im Menschen glaubt! Ich rede gegen Windmühlen, hier und in Spanien! Es gibt nunmal andere Kulturen und wir sind vielleicht alle Europäer, aber das sagt noch lange nicht, das wir alle gleiche Ansichten haben. Ich arbeite mit vielen Moslems zusammen, ihr sicher auch. Viele sind weltoffen, aber habt ihr schon mal versucht mit einem Militanten darüber zu diskutieren, dass Frauen gleich viel wert sind wie Männer? Nein? Dann versucht das doch mal, dann habt ihr eine Vorstellung davon wie das ist, wenn Menschen sich auch ihre Kultur berufen und keine anderen Argumente zulassen!!!
Ich verstehe, was du meinst und weiß, worauf du hinauswillst, aber im Grunde kann ich trotzdem nur folgende Fragen wiederholen, die ich eben bereits gestellt habe:
Wenn ihr als Tierschützer dort schon selbst nicht daran glaubt, dass sich jemals etwas an der Einstellung der Menschen dort ändern wird - was ist es dann, wonach sich Tierschutz für euch definiert? Nur die Rettung einzelner Individuen, während immer mehr deren ursprüngliches Schicksal antreten müssen?
Wer soll daran glauben, wenn nicht ihr?
Was bewirkt eure Arbeit, wenn nicht eben einen solchen Wertewandel?
Korrigiere mich, wenn ich mich irre, aber führt das Wohl der Tiere nicht zwangsläufig über die Menschen? Bedeutet Tierschutz nicht genau das? Dass man Tieren zu einem nachhaltig besseren Dasein verhilft, was nur möglich ist, wenn das auch in den Köpfen der Menschen ankommt?
Ich kann mir vorstellen, dass es schwierig ist, dass man zuweilen überzeugt davon ist, man rede gegen Mauern, dass man glaubt, nichts bewirken zu können, dass man manchmal am Liebsten einfach alles hinschmeißen würde, weil es nichts bringt, weil keiner zuhört, weil man nur belächelt wird.
Aber selbst wenn die Kultur, die "Mentalität", das Denken der Menschen dort anders ist als heute hier - das war hier auch nicht immer so - Menschen sind nicht festgefahren - einzelne ja, aber in der Gruppe, mit Gruppen lässt sich immer was bewirken. Diejenigen, die Deutschland zumindest so weit gebracht haben, wie es in Tierschutzdingen inzwischen ist (und wir sind in meinen Augen auch noch lange lange kein "Vorzeigetierschutzland" und haben auch noch viel vor uns realitisch betrachtet) - wären wir heute da, wo wir sind, wenn einfach alle aufgegeben hätten, weil sie glaubten, nichts zu erreichen? Wenn nicht auch heute an jedem einzelnen Tag wieder und wieder dafür eingestanden wird?
Und hier gibt es ebenso etliche Ignoranten und Menschen mit festgefahrenen Einstellungen (meist ältere Generationen), von denen sie sich durch kein Argument abbringen lassen. Hier läuft zunehmends vieles auf der Schiene, Jugendliche und junge Menschen aufzuklären, da sie (meist) am Offensten für Neues sind und die spätere Gesellschaft bilden. Und hier sind die Stimmen der Tierschützer laut und bleiben einem im Gedächtnis.
Wird nur Zeit, dass sich juristisch hier auch noch einiges zugunsten der Tiere ändert - eine Kastrationspflicht, von der ihr vorhin spracht, wäre hier auch sinnvoll. Hurra Bürokratie
Aber wenn ihr das alles aufgebt und "nur" diese einzelnen Individuen aus ihrer Misere rettet, jedoch immer wieder viele viele dasselbe erleiden müssen werden - was habt ihr dann realitisch gesehen für den Tierschutz, die Tiere selbst, in Spanien getan?
Ich kann es akzeptieren, wenn du sagst, ihr beschränkt euch auf Kastrationen vor Ort und Vermittlungen u.a. nach Deutschland - aber für mich persönllich nach meiner Definition ist das dann (noch) kein Tierschutz.
Und wenn du dann sagst, dass du nicht mehr den Glauben daran hast, an "das gute und verständige" im Menschen, klingt das für mich wie ein Aufgeben.
Grüße,
Armitage (Melissa)
PS: Die Antworten auf die kursiv getippten Fragen würden mich wirklich sehr interessieren