Bin aber bissl jünger, ne? :razz:
Na, Du hättest natürlich auch einen Kaba haben dürfen. :mrgreen:
Tja, Jolli und der Balkon. Das ist wirklich ein Kapitel für sich.
Jolli ist ja eine sehr sicherheitsbewusste Katze einerseits. Andererseits aber auch ein Tollpatsch, wie er im Buche steht. Wenn man irgendwo gegen laufen kann, drüber stolpern kann, stecken bleiben kann - Jolli wird das passieren. Bisher nur in der Wohnung. Nicht, dass das nicht schon schlimm genug wäre. :shock:
Ihr wollt gar nicht wissen, wie oft ich meine Katze - Katze, elegant, Turner vorm Herrn - irgendwo rausfische, runterhole oder rausziehe.
Und Nein, sie könnte diese Probleme nicht selbst lösen. Wenn sie kopfüber irgendwo drin steckt und um Hilfe ruft, kommt sie da auch nicht mehr von alleine raus. Also muss ich antanzen, den Gegenstand des Übels wild beschimpfen, versichern, dass SIE da absolut nix dafür kann und das Ding die Ausgeburt des Bösen ist, und sie möglichst unauffällig da raus bugsieren.
Anschließend muss ich höflichkeitshalber wegsehen, während sie eine kleine Runde Verlegenheitsputzen einlegt, den Schrank/Kommode/Schublade/Tür/Sofa/Stuhl/Lampe noch mal beschimpfen und mein armes Opfertier mit reichlich Leckerchen wieder beruhigen.
Und das ist natürlich auf dem Balkon nicht anders. Nein, der Balkon ist nicht groß. Es stehen ein Tisch, zwei Stühle, eine Außenbox und ihr Sofa auf diesem Balkon. Aber das ist nicht ohne. Im Eifer des Lauergefechts kann sich meine Katze dermaßen kunstvoll unterm Stuhl vertütteln, kopfüber in der Außenbox stecken bleiben oder sich unter ihrem Sofa verklemmen.
In der Wohnung ist das peinlich - immerhin sehe ICH das. Aber in der Außenwelt ist das eine Katastrophe! Dort sind etliche Zuschauer, Schaulustige und Gaffer. Vögel in allen Varianten, Motten, Schmetterlinge, Flips, Fliegen - und natürlich Nachbarskater.
Dieser Kater ist wirklich eine Frechheit. Direkt neben unserem Balkon ist die Nachbargarage. Diese ist mit Teerpappe bepappt, also diesem schwarzen Zeug. Und der Nachbarskater ist schwarz. Nicht schwarz-weiß, sondern wirklich komplett schwarz.
Wenn Jolli nun nichtsahnend die, meist seit mehreren Stunden bereits an Altersschwäche verschiedene, Motte beobachtet, ist sie, nunja, konzentriert. Sie ist ausgesprochen konzentriert. Das ist für Jolli immer sehr anstrengend, weil sie aufpassen muss, dass sie dabei nicht eindöst oder umfällt.
Es ist also nur verständlich, dass sie in solchen Momenten für ihre Umgebung keine Aufmerksamkeit übrig hat und sich eben voll und ganz auf die Leiche der Beute konzentrieren muss. Dabei kann man den Kater nicht sehen.
Gerade wenn Jolli sich in Position bringt und zum Todessprung ansetzen will - steht dieses Katertier auf und streckt sich.
Und Jolli wird abgelenkt. Gut, für die eh tote Motte, die im biblischen Alter totgelauert wurde, nicht sonderlich dramatisch. Für Jolli aber der Schreck ihres Lebens.
Ich mein, immerhin passiert da etwas, womit kein normaler Mensch, geschweige denn verhaltensoriginelle Katze rechnen kann - ein fester Bestandteil der Umgebung, der bisher als ungefährlich eingestuft wurde, beginnt sich zu bewegen!
Und Nein, dafür hat Jolli kein Verständnis. Sie erschrickt sich natürlich furchtbar, macht einen auf Eichhörnchen samt Flaschenbürste - und flüchtet unter den Stuhl.
Ja, genau der Stuhl, unter dem sie sich so gerne verheddert. Und genau das passiert. Sie steckt fest.
Es ist natürlich unglaublich peinlich. Vorallem auch wenn man bedenkt, dass der Kater, aus Katzensicht, wohl wirklich attraktiv ist. Jolli faucht - und ich muss handeln.
Unauffällig verschiebe ich den Stuhl und hebe ihn leicht an. Dabei flüstere ich Jolli zu, dass sie nu wieder frei wäre und sie ohne Peinlichkeit aus der Situation kommen könnte.
Jolli faucht gen Dachpappe.
Ich beginne wild den Stuhl als Feind zu titulieren und lobe meine Katze dafür, dass sie diesen Riesenfeind aus Alu erlegt hat. Gucke dabei in Richtung Nachbarskater um deutlich zu machen, dass er es hier - wenn auch unerreichbar - mit einer tollen, sexy Jägerin zu tun hat und ihre Kräfte nicht unterschätzen darf.
Jolli faucht gen Dachpappe und verheddert sich noch tiefer im Stuhl.
Das ist der Moment, wo ich aufgebe.
Ich erkläre ihr, dass der Kater mittlerweile an der komplett anderen Seite der Garage ist, hebe den Stuhl an, zupf meine dusselige Katze da unten raus, schnapp sie - und wir verziehen uns unauffällig in die Wohnung zurück um unsere Ehrenwunden zu lecken und bei Leckerchen und nem großen Schokoeis über die Ungerechtigkeit der bösen Welt da draußen zu philosophieren.
Aber ist der Kater endlich weg - ja, DANN beginnt die große Jagd erneut. Dann wird Jolli wieder zu Supercat und die Motten in modernster Kriegsführungstechnik zu Tode gelauert!
Ha! :mrgreen: