Guten Morgen!
Huch, es wird wirklich Zeit, dass ich mal wieder von Jolli und mir berichte.
Erstmal - uns geht es hervorragend. Ich hab irgendwie die letzte Woche mein Leben mal wieder sauber umgekrempelt und seitdem ists wieder gut.
Kerngmaus, ich werd ab September auch wieder eine Kerngmaus. Schon seltsam. Ich hab mich da so gegen gestemmt, aber tja...alles lassen, weil er mich nicht lässt, ne?
Deshalb bin ich ab September wieder im kirchlichen Dienst.
Und genau das ist auch der Grund, warum ich so lange nicht mehr geschrieben habe. Ich hab einfach sehr mit mir und meinen Entscheidungen gehadert. Und ausbaden durfte das natürlich Jolli. Viele Gespräche später - Nein, meine Katze hatte dazu keine Meinung... - steht die Entscheidung und uns gehts wieder fein.
Und Jolli freut es umso mehr. Denn was meine Katze absolut nicht schätzt, sind Veränderungen. Jolli ist eine ausgesprochene Gewohnheitskatze. Tage sollen gefälligst alle gleich ablaufen. Damit meine ich nicht, dass es keine Abwechslung z. B. bei der Auswahl der zu betrachtenden Vögel geben darf. Aber grundsätzlich haben da Vögel zu sein. Täglich.
Umso mehr freut es Jolli auch, dass sich die zwei Eichhörnchen nun dauerhaft am Baum gegenüber angesiedelt haben und die Feinde klar definiert sind. Jolli gegen den Rest der Natur. Jollis Stärke liegt dabei ja vorallem im ausgiebigen Lauern. Verbunden mit kleinen Nickerchen. Dann wieder lauern.
Jollis Tag gestaltet sich dann normalerweise so, dass sie morgens (natürlich in eine Decke gewickelt, es ist kalt! :shock

den Tag durch intensives Taubenlauern einläutet. Tauben sind eigentlich der Staatsfeind Nummer 1. Diese Tiere haben keinen Respekt vor meinem wilden Tiger. Ein bisschen schnattern und dann schnell ab zum angewärmten Frühstück.
Anschließend wieder in die (selbstverständlich durch Heizung wieder aufgewärmte) Decke und den Spatzen mal klar machen, wer hier das Fell an hat.
Dabei gern ein paar Dreamies knabbern.
In dieser Zeit verkrümel ich mich dann auch schon in Richtung Arbeit und es beginnt der tägliche Kampf um die Frage, warum Jolli NICHT auf dem Balkon bleibt, während ich nicht zu Hause bin. Ich schildere in den schillerndsten Farben die Risiken durchgenagter Netze und Absturzgefahren. Sie hingegen versteckt sich hinter der Rattanbox und starrt mich vernichtend an. Todesmutig verwickle ich meinen Körper zwischen Katzensofa und Box und versuche nach Jolli zu angeln. Diese nutzt die Gelegenheit strategisch die Position zu wechseln. Ich düse hinterher, sie wirft mit dem Besen nach mir.
Kaum eine Viertelstunde später, normalerweise lässt sie mich aus Mitleid gewinnen und geht freiwillig rein...:roll:, ist die Katz in der Wohnung.
Ich schalte ihr noch die Heizdecke ein, befülle das Fummelbrett - und flüchte.
Wenn ich wieder heimkomme, ist das Brett leer, die Katz voll und die Decke verhaart. Selbstverständlich hat Jolli nun keinerlei Zeit für Streicheleinheiten, sondern muss wieder auf die...naja...Jagd. Also Katz auf den Balkon, Eichhörnchen in Position und es wird geschnattert, was das Zeug hält. Die Eichhörner gucken. Jolli starrt. Kratzt sich. Schläft. Starrt.
ICH würde ja nicht sagen, dass es Tierchen sonderlich beeindruckt, aber Jollis Selbstbewusstsein ist nicht das größte. Also lobe ich was das Zeug hält. Erzähle etwas von wilden Tigern, denen sie locker Konkurrenz macht und davon, dass Eichhörnchen, wenn sie Angst haben, auf Bäumen rumklettern. Wie man sieht, haben also diese Eichhörnchen ganz besonders viel Angst.
Irgendwann hat Jolli die Eichhörnchen lang genug angestarrt und schläft ein. Dann pack ich die Katz, leg sie aufs Sofa und mach ihr Abendessen. Gestern habe ich ihr erzählt, dass sie die Eichhörnchen zu Tode gestarrt hat und sie freiwillig in die Dose gehüpft wären um sich essen zu lassen.
Ich glaub, sie glaubt mir kein Wort. :shock:
Danach darf ich endlich der Heldin das Fell kraulen und mir ihre heldenhaften Taten nacherzählen lassen. Wie ihr wisst, arbeite ich ja auch noch nachts. Deshalb sollte ich eigentlich schlafen, wenn ich heimkomm, weil ich ja so gegen 21 Uhr wieder los muss. Nun, sieht meine Katze anders. Ich werde betrampelt, als Maus missbraucht (Liebesbisse, ha! Ich bitte euch! Sie frisst mich!) und ins Delirium geschnurrt.
Natürlich erwähne ich mehrmals, dass ich wirklich ein paar Stunden schlafen muss, aber leider ist ihre Gnade selten. Meist beschränkt es sich auf ne halbe Stunde Entspannung. Dann ist die Katz müde, pennt - und ich muss los.
Und ich glaube, sie ist Gott dankbar, wenn ich endlich weg bin. Bei meinem Geräuschpegel kann ja keiner schlafen...:mrgreen:
SO und genau SO haben die Tage hier zu laufen. Verändere was und du wirst es bereuen. Ich habe es z. B. gewagt mal wieder auf den Feind "Futterautomat" zurückzugreifen. Ich komm wieder, das Ding zerlegt und Jolli straft mich mit vernichtenden Blicken.
Auch mein Argument von "Dann bist du aber unabhängig und erwachsen" hat nen Scheiß geholfen. Die Situation war nur durch eine, doch recht üppige, Gabe von Leckerchen zu retten.
Aber hey, so läuft nun mal Diplomatie. Obama wäre stolz auf mich. :mrgreen: