Ich bin hier unter Katzenliebhabern und fuehle mich daher gut aufgehoben - brauche dringend Hilfe, habe totales Drama zuhause und zaehle darauf, dass irgend eine Seele da draussen mir Rat weiss.
Bevor ich meine Geschichte los werde, moechte ich anmerken, dass mir die Nerven fuer 2- Satz- Antworten und schnell dahin gesprochene Kommentare wirklich fehlen - bitte habt Verstaendnis dafuer, dass ein flapsiger Kommentar weder mich noch meine arme Katze weiterbringt. Vielen Dank.
Ich habe eine Tiger- Katze, die seit ihrer Kindheit - 2004 - als Wohnungskatze bei mir lebt. Als ich sie damals aufgenommen habe, war ich allein lebend und Studentin, mittlerweile lebe ich seit vier Jahren mit meinem Mann in Leonberg zusammen (wir haben letztes Jahr geheiratet).
Ja, sie ist erstens als "Einzeltier" sehr auf mich gepraegt, wahrscheinlich arg verhaetschelt und vor allem kaum "Umtrieb" gewohnt - da ich voll berufstatig bin, ist sie - meiner Meinung nach - mittlerweile als alleinige Wohnungskatze der Langeweile ausgesetzt, so als Vermutung. Leider bekomme ich sie kaum noch zum Spielen.....
Meine Katze ist mein Herzstueck und mein ein und alles. Leider hat sie frueh einen Hang zur Unsauberkeit entwickelt, es duerfte los gegangen sein, als sie ungefaehr ein Jahr alt war, Ecken und vor allem Vorhaenge wurden vollgepinkelt.( Sie hat wenig spaeter auch einen Tick fuer Reisetaschen und Koffer entwickelt.)
Da ich damals alleine gelebt habe, habe ich das Problem zwar als laestig empfunden, konnte aber damit leben.
Im Nachhinein mache ich mir den Vorwurf, nicht schnell genug alle Register gezogen zu haben, um ihr das ab zu gewoehnen. Auch war ich damals der banalen Meinung, Katzen seien Einzelgaenger - zu dumm, dass ich mir nicht gleich eine zweite angeschafft habe...
Wir leben mittlerweile in einer Wohnung auf 155 qm, (staedlich, daher will ich sie nach wie vor nicht raus lassen) und mein Mann hat ganz schlicht gesagt dermassen die Nase voll, dass wir die groessten Dramen zuhause haben. Fuer ihn muss die Katze weg, er zeigt weder Geduld noch Einsicht mehr.
Das Verhaeltnis der beiden ist zudem mittlerweile ein kleiner Kleinkrieg, er kann sie aufgrund des Pinkelns nicht ab und meine Katze zeigt sich ihm gegenueber teilweise aengstlich und mittlerweile faucht sie nur noch, wenn sie ihn sichtet! Zwei Dickkoepfe.
Nach Lektuere von Internetforen und Buechern und intensiver Beobachtung ist mir bisher folgendes bekannt:
- sie hat das Problem fast seit Anfang und in drei Wohnungen gezeigt.
- sie hatte in der Wohnung mehrere Stellen, an die sie gemacht hat, von diesen Stellen macht sie nach wie vor besonders an zwei noch hin: beide im Flur, einmal vor der Toillette, einmal vor der Kueche.
- ihr "Wildpinkeln" ist mal staerker, mal weniger stark ausgepraegt. es gab Wochen, da war komplett Ruhe. Grund total unbekannt, nichts hat sich augenscheinlich geaendert.
- trotz Spezialreiniger (Urin-frei meherer Hersteller, Essigbehandlung, Myrte-oel etc., KEINE scharfen Putzmittel mehr irgendwo) sind einmal benutzte Plaetze immer wieder "rueckfallgefaehrdet"
- in der Wohnung herrscht weitgehend Strassenschuh- Verbot, um keine Gerueche einzuschleppen
-aktuell ist die Katze durch die Spannung relativ unausgeglichen, sie hat sich weitgehend zurueck gezogen. Jedoch hatte sie das Pinkelproblem auch schon VOR meinem Mann, auch wenn er ein paar Wochen nicht da war, hat sie wild gepinkelt!
- ich habe mittlerweile 4 Katzentoiletten, zwei mit zwei ohne Haube, an zwei verschiedenen Plaetzen und mit mittlerweile dreimal unterschiedlichem Einstreu. Alle diese Toiletten werden von ihr benutzt. Ich behaupte, dass sie durch akribisches Reinigen und die vielen Toiletten verhaeltnismaessig sauber ist - dennoch sind selbst "Ausrutscher" von meinem Mann absolut nicht ertragbar
- Katze scheint eine Art Rundgang zu machen, erst wird jede Toilette genau einmal benutzt, dann kommt der Boden dran. Wenn ich die Toiletten akribisch sauber halte (3 mal am Tag reinigen), funktioniert es meherere Tage ohne Vorfall und aus heiterem Himmel pinkelt sie dann doch nochmal auf den Flur. Was mir absolut nicht in den Kopf will: sie pinkelt teilweise in UND neben die Toilette!
- grundsaetzlich hat sie ein eher schuechternes Wesen. Auffaellig ist, dass sie seit je her vor allem bei manchen Maennern Reissaus nimmt, bei Frauen\ Kindern und ein paar eher sanftmuetigen Maennern ist sie zutraulicher.
- Krankeitshistorie:
Laut Roentgenbild und Ultraschall scheint nichts an ihrer Blase zu sein. Verdacht von zwei Tieraerzten ist, dass sie seit am unteren Ruecken einen kleinen Wirbelschaden ha und unter Umstaenden teilweise Rueckenschmerzen zu haben scheint - Verdacht kann ich damit bestaetigen, dass sie sie sich an dieser Stelle ungeern anfassen laesst, das Fell leicht gestellt ist, sie teilweise ganz leise Gerausche (eine art Aechzen) von sich gibt, wenn sie irgendwo hoch- und vor allem runterspringt.
Seit sie ungefaehr ein bis zwei Jahre alt ist, habe ich ausserdem beobachtet, dass sie Verdauungsprobleme zu haben schient, manchal scheint sie Bauchschmerzen zu haben (seltsame "Zuckungen" beziehungsweise ein Zittern, als wolle ihr Koerper etwas aufloesen oder gewaltsam durchschleusen, schwer zu beschreiben). Der Tierarzt hatte vor Jahren, als ich das Problem das erste Mal beobachtet habe, diagnostiziert, dass ein Nerv, der fuer den Darm zustaendig ist, nicht richtig durchblutet wird und sie daher einen traegen Darm hat. Das letzste Roentgenbild letzten November hat ueberhaupt nichts ungewoehnliches gezeigt.
Im November hatte sie eine Bauchspeicheldruesenentzuendung, die aber wieder ausgeheilt ist.
Laut letzter Blutuntersuchung im Dezember sind ihre Werte fuer Bauchspeicheldruese noch leicht zu niedrig und ganz neu ist ihr Zuckerwert leicht erhoeht, sie trinkt ausserdem seit Dezember ungewoehnlich mehr.
Ich bezweifle stark, dass es einen Zusammenhang zwischen Pinkeln und den (wahrscheinlichen) Rueckenschmerzen gibt! Passt irgendwie nicht als Erklaerung.
Sie frisst ausschliesslich Trockenfutter, Nassfutter ruehrt sie nicht an. Sie frisst nach wie vor regelmessig, ueber die letzten Jahre ist sie etwas zu dick geworden, ihr Gewicht haben wir aber wieder auf Normalniveau.
Insgesamt bewegt sie sich weniger und weniger, mag an Unzufriedenheit liegen (?) oder sie hat tatsaechlich mittlerweile Schwierigkeiten wegen des Rueckens, jedenfalls ist sie laengst nicht so aktiv, wie ich sie aus Anfangszeiten kenne.
Lange Rede, kurzer Sinn:
Montag abend hat sie eine Riesenlache vor der Kueche hinterlassen, in die mein Mann promt reingelaufen ist. Ergebnis war ein Wutausbruch seinerseits. Ich habe in meiner Not die Katze erst einmal kurzerhand "aus der Gefahrenzone" bringen wollen und hab sie in eine Katzenpension gefahren. Am naechsten Morgen erfahre ich, dass die Katze mit gestreubtem Fell in der Ecke sitzt und nur noch faucht. Am naechsten Abend bin ich also schnurstracks hingefahren, um sie wieder zu holen und muss sagen, dass ich meine eigene Katze nicht wiedererkannt habe: sie war voellig ausser sich, hat sich zwar erst von mir auf den Arm nehmen lassen, wurde dann aber von der Pensionsbesitzerin oder irgendeinem Gerausch derart erschreckt, dass sie in Sekundenschnelle erst geknurrt, dann gefaucht hat und fluechten wollte, leider ist sie mir bei der Aktion regelrecht ins Gesicht gesprungen. ...ich habe zweieinhalb Stunden gebraucht, um eine fauchende, voellig panische Katze in den Katzenkorb zu "zwingen".
Sie ist mittlerweile hier bei mir, lebt in Wintergarten und Schlafzimmer (bisher der einzige Kompromiss, den ich meinem Mann abringen konnte), sie ist wieder die alte, anhaenglich und schnurrend, sehr ruhig. Sie versteht halt die Welt nimmer, warum sie nicht mehr ueberall in ihr Revier darf und mein Mann aetzt rum.
Ich bin dermassen verzweifelt, ich kann kaum noch klar denken. Ich weiss, eigentlich verdient sie ein schoenes, stressfreihes Zuhause, aber durch ihr Pinkelproblem ist sie eigentlich nicht vermittelbar, oder?
Im Freundeskreis gibt es keine Auffangstelle, an Fremde will ich sie nicht einfach geben, denn ich weiss nicht, auf welche hirnrissigen ideen ein fremder Mensch kommt, um sie zu "erziehen" oder ob sie nicht einfach im Wald ausgesetzt wird oder Schlimmeres.......
Tierheim ist KEINE ALternative! Diesen "Rat" habe ich bereits mehrfach gehoert und halte ihn fuer absolut inakzeptabel. Ich habe die Verantwortung fuer dieses Tier uebernommen und kann dies mit meinem Gewissen unter keinen Umstaenden vereinbaren. Die Schreckensepisode in der Katzenpension zeigt mir, dass das arme Ding schlicht eingehen wuerde. Sie ist keine anderen Tiere gewohnt, und will eigentlich nur ihr Revier und ihre Ruhe.
Ich stecke tief im Dilemma und weiss nicht mehr ein noch aus - mir zerreisst schier das Herz.
Auch habe ich mir ueberlegt, ob ich alternativ die Kosequenz ziehe, mit Katze in eine eigene Wohnung zu ziehen - finanziell schwierig und vor allem ist absehbar, dass ich damit meine Ehe an den Nagel haenge. Mein Mann ist Amerikaner und geplant ist eigentlich, dass wir im November in die USA umziehen. Dies wird so nicht moeglich werden, schon deshalb, weil ich dort bei etwaiger Eskalation ueberhaupt keine Notloesung mehr fuer die Katze haette.Mein alter Freundeskreis waere nicht greifbar, Amerikaner sehen die Haustierwelt sehr unterschiedlich von Deutschen, Tierheime schlaefern Tiere nach einer Woche ein etc.....
Haltet Ihr eine Beratung vom Tierpsychologen noch fuer sinnvoll? Laesst sich aus Eurer Erfahrung hier noch etwas veraendern?
Wer wuerde so ein Problemkindchen aufnehmen?
Liegt vielleicht die Wurzel des Uebels daran, dass sie nicht raus darf?
Habe ich vielleicht doch einfach irgendwas uebersehen?
Kann es aus ihrer Erfahrung heraus tatsaechlich sein, dass die Unsauberkeit irgendwie mit etwaigen Rueckenschmerzen zusammenhaengt? (Sie benutzt ja faktisch auch alle ihre Toilletten)
Wuerde sich eine Katze nach so langer Zeit ueberhaupt an Freigang gewoehnen? (Eines Morgens war die Wohnungstuer nicht richtig zu, sieist mir aus der Wohnung ins Treppenhaus ausgebuechst ist, ich habe sie abends im Keller in der Ecke kauernd und leicht verstoert wiedergefunden - kein gutes Zeichen, oder?)
Ich brauche wirklich dringend Hilfe, ich halte diese Situation nicht mehr aus, mir bricht das Herz. Wer weiss mir Rat?