Hm, schwere Frage.
Ich glaube, dass es eigentlich überhaupt kein "natürliches" Sterben mehr gibt, denn wir Menschen haben bereits, egal ob bei Mensch oder Tier, bereits vorher in den Prozess des Lebens eingegriffen und damit den eigentlich Zeitpunkt des Todes verändert.
So ist z. B. das berühmte "Organversagen" häufig die Folge der vorangehenden Schmerztherapie.
So wäre es wohl so, dass sich ein Tier mit starken Schmerzen in der Natur zum Sterben wesentlich früher zurückziehen würde, in unserer Realität jedoch mit Schmerzmitteln am Sterben gehindert wird. Demnach ist bereits hier die Natürlichkeit genommen.
Dass ich mich dann für die
Euthanasie entscheide, ist eigentlich nur der folgerichtige Schritt der "Schmerztherapie", da ich dem Tier die eigene Entscheidung des Todeszeitpunktes schon im Vorfeld entrissen habe. Es wird also nur meiner Verantwortung gerecht, wenn ich bis zum Ende weiter behandle.
Auch finde ich hier eine Vermischung von Mensch und Tier schwierig. Ich spreche einem Tier sicher nicht das Denkvermögen ab, aber ich glaube nicht, dass eine Reflexion bzgl. eschatologischen Hoffnungsschüben stattfindet - konkret, ich glaube nicht, dass ein Tier Angst vor dem Tod hat. Es empfindet Schmerz und jener Schmerz soll beendet sein. Der Tod ist dabei, aus meiner Sicht, eine Folge, die das Tier als eben solche Beendigung wahrnimmt.
Es sind wir Menschen, die hier Begriffe wie "Würde" einbringen. Weil wir entscheiden, was würdig ist, also was uns angemessen im Rahmen des Sterbens erscheint.
Ich persönlich habe noch keinen Menschen "in Würde" sterben sehen. Der Tod ist verbunden mit Peinlichkeit, Schmerz, körperlichen Reaktionen, die nicht beherrscht werden können. Und vorallem mit Wissen um das Sterben.
Der Tod ist ein Kampf zwischen Körper und - im Falle des Menschen - Geist. Was nicht heißt, dass ein Tier diesen Lebenswillen nicht besitzt, aber ich glaube, dass das Beenden der Schmerzen ohne Wissen um den Tod eine andere Dimension besitzt.
Jeder Mensch hat Vorstellungen darüber, wie das Sterben sein wird und über das, was danach kommt - auch wenn das ein Nichts ist.
Diese Vorstellungen übertragen wir auf unsere Tiere. Wir sind der Meinung, dass ein Sterben ohne Schmerzen erstrebenswert ist. Dabei sind es die Todesschmerzen, die dem Menschen helfen zu sterben, nämlich den instinktiven Wunsch nachzukommen jene Schmerzen zu beenden. Nicht umsonst flehen Sterbende darum, "dass es aufhört". Dieses "ES" ist der Schmerz.
Genau wie beim Tier auch.
Im Tod sind wir dann eben doch nur haarlose Affen.
Und diese haarlose Affen ertragen den Schmerz des Todes beim geliebten Menschen oder Tier nur schwer. Deshalb definieren sie die Umstände des Todes für andere.
Um es sich leichter zu machen.
Es ist tröstlich, wenn man sich sagen kann, dass jemand "ohne Schmerzen" gestorben ist, dass es "schnell gegangen ist", dass "keine Angst" da war.
Ich will das nicht kleinreden. Es dient und hat damit seine Berechtigung.
Es ist aber nicht die Grundlage darüber zu diskutieren, was würdevoll ist oder was die "richtige" Art zu sterben ist.
Denn vor dieser Diskussion steht dann die Frage danach, was die richtige und würdevolle Art zu leben ist. Wegdämmernd durch Schmerzmittel ist sicher auch nicht das, was man unter einer einzigartigen Seinsbestimmung - und DAS und nur DAS ist Würde - verstehen kann.
Folglich muss ich eigentlich wesentlich früher damit anfangen mich aus dem "Gott spielen" zu verabschieden, wenn ich der Meinung bin, dass der Tod die Natürlichkeit behalten soll, nämlich schon im Moment der Krankheit.
Denn was ist der Tod anderes als eine extreme Form von Krankheit?
Nur leider fehlt dem Tier die Möglichkeit uns das mitzuteilen. Es wird also immer so sein, dass wir zwangsläufig Entscheidungen treffen müssen für das Tier.
Denn auch die Entscheidung das Tier nicht behandeln zu lassen, es nicht einschläfern zu lassen, ist eine Entscheidung. Durch die Übernahme von Verantwortung sind wir zu jeglicher Entscheidung gezwungen.
Diese Entscheidung zu treffen, ist nicht leicht und durch die fehlende Kommunikation wird es nicht einfacher.
Aber im Endeffekt spielt hier auch das eigene Gewissen eine große Rolle.
Der Satz "Ich konnte sie nicht weiter leiden lassen", ist Ausdruck unseres Gewissens und dient uns die eigene Entscheidung zu rechtfertigen.
Damit sage ich nicht, dass die Entscheidung falsch war.
Ich würde sagen, sie war schlichtweg konsequent.
in hospizen und auf palliativ stationen wird würdevoll begleitet. und auch eine grandiose schmerztherapie eingeleitet.
Würdevoll?
Was ist das für dich?
Dass der Mensch im Sterben das Sein, also den Wert nicht verliert, ist klar. Doch was daran macht den Tod würdevoll?
Und WEN begleitet man denn? In den Tod gehen die Menschen allein. Doch der Moment, wo die Angehörigen Trost empfinden lässt, macht es den Sterbenden möglich zu gehen.
Sterbebegleitung heißt eigentlich die Hinterbleibenden (Nö, kein Tippfehler) dazu zu bringen, den geliebten Menschen gehen zu lassen.
Zu verzeihen, zu sprechen um dann miteinander zu schweigen.
Unter anderem. Ich will das hier jetzt nicht ausbreiten, ist ja nicht das Thema.