AW: Kätzchen oder Katerchen?
Hallo

Ich bekomme am 3. September meine Katze, sie ist da 8 Wochen alt.
Erstmals meinen viele, das ist viel zu jung.
Und jetzt wurde ich auch noch angesprochen, ein 2. Kätzchen dazuzunehmne,
weil es viel besser für die Sozialisierung des Kätzchens wär.
Die Person, von der ich das Kätzchen bekomm, hat aber nur noch ein Katerchen.
Meine Mama meint nur, dass Kater immer alles markieren wollen und öfters ins Haus pinkeln als Katzen.
Stimmt das? und was meint ihr dazu?
Erstens: JA, das ist VIEL zu früh!!!! Die Katzen sollten mindestens (!) 12-14 Wochen (wobei die meisten Züchter, die sich intensiv mit ihren Tieren beschäftigen, sogar dazu übergegangen sind, die Katzen noch länger zu behalten, damit sie wirklich physich und psychisch (also körperlich und seelisch) bereit für den Auszug sind) bei der Mama und den Geschwistertieren verbringen, denn alleine zu fressen oder aufs Klo zu gehen, sollte auf keinen Fall das Hauptkriterium sein, eine Katze von ihrer Familie wegzureißen.
Schau mal, eine kleine Katze ist erst einmal durch die Abwehrstoffe, die sie mit der Muttermilch aufnimmt, geschützt. Wenn es älter und neugieriger wird, also auch mehr kennenlernt, ist die Gefahr, sich Krankeiten einzufangen, sehr groß, deshalb sollte es geimpft werden. Früher sagte man, man solle Katzenkinder mit 8 Wochen das erste Mal, mit 12 Wochen das zweie Mal impfen. Nach neueren Erkenntnissen sind viele Züchter und TÄ dazu übergegangen, sogar erst mit der 9. Woche zu impfen und dann 4 Wochen später die Auffrischung zu machen.
Bevor die zweite Impfung nicht stattgefunden hat, ist das Kitten EXTREM anfällig für Krankheiten, weil erst diese zweite gewährleistet, dass sie einigermaßen geschützt ist. Wenn das Kitten im gewohnten Umfeld bleibt, ist das nicht schlimm, da die Keime/Bakterien etc., mit denen es dort i.d.R. in Kontakt kommt, ja schon seit der Geburt auf den Körper wirken.
Wenn das Kitten jetzt aber umzieht, bevor es die zweie Impfung hatte, ist die Chance, dass er erkrankt, um VIELES höher, weil es - ohne völlig intaktes Immunsystem - neuen Viren/Bakterien/Keimen usw. ausgesetzt wird - für viele kleine Katzenkörper einfach zu viel. Nicht umsonst steht die
Mutation des Corona-Virus (->
FIP) in Verdacht, gerade bei solchen Tieren vermehrt aufzutreten, auch wenn das bislang noch nicht nachgewiesen ist.
Das ist aber nur der eine Aspekt. Der zweite ist der soziale. Es ist einfach für die zarte Katzenseele nicht förderlich, wenn man sie sooo früh von der Mutter und den Geschwistern wegreißt. Gerade in der Phase ab der 8./9. Woche lernen die Kitten soooo viel von den Eltern und den Geschwistern (in Verbindung mit der restlichen Katzenfamile, falls vorhanden): Sie lernen, wie man mit anderen umgeht. Sie werden - man nennt das - sozialisiert, erlernen also die 'Katzensprache' vor allem von den Älteren, so dass sie in der Lage sind, mit Artgenossen zu kommunizieren. Eine Katze, die das nie gelernt hat, wird immer Probleme haben, wenn sie mit anderen Katzen zusammenleben soll (Wohnung) oder sich auseinandersetzen muss (Freigänger).
So, jetzt zurück zu deiner Frage: Wenn du zwei ZU JUNGE Kitten zu dir nimmst - was meinst du, was passiert? Sind diese dadurch automatisch gesünder? Nein, denn sie haben beide dasselbe Problem! Können sie sich gegenseitig gut sozialisieren? Nein, weil sie es ja beide nicht kennen/können...
Was das Markieren angeht (was übrigens nicht nur Kater machen können, sondern auch Katzen!): Bei einem Tier, das rechtzeitig kastriert wurde, kann man ein Markieren meist verhindern. Gerade, wenn man Katze UND Kater hat, sollte man das RECHTZEITIG GENUG(!) tun, um eine weitere unsachgemäße Vermehrung zu vermeiden.
Tipps gibt es hier:
https://www.katzen-forum.de/kastration-sterilisation/29769-kastration-sterilisation-definition.html
EDIT: Sorry, eben erst gesehen, dass mein Schreiben so lange gedauert hat, dass jetzt schon einiges geschrieben wurde - sollte sich etwas wiederholen, tut es mir Leid.