Okay. Erster Schritt: Gepfefferte Beschwerde beim aktuellen Tierarzt (und ich kann gar nicht sagen, WIE gepfeffert diese Beschwerde sein muss, so geschockt bin ich über die Vorgehensweise des Arztes), dann die Praxen der Umgebung mit den bisherigen Untersuchungsergebnissen abklappern und fragen, was sie in dieser Situation vorschlagen würden. Wenn du die Vorschläge der anderen Tierärzte (erster Reaktion MUSS sein, "Neues Blutbild!!!", normalerweise wird bei SDÜ-Katzen die erste Kontrolle zur Medikamenteneinstellung nach ca. 4 Wochen durchgeführt, und danach auch engmaschig, bis die Katze wieder einen normalen SD-Wert hat. Danach kann man ein wenig weiter auseinander machen. Nicht nach zwei Jahren!). Was dein Tierarzt da macht, ist KEINE vernünftige Behandlung für eine Schilddrüsenerkrankung. Im Gegenteil. Das ist nur wenig besser als gar keine Behandlung.
Zur Erklärung: Felimazole (und das Generikum dazu, Felidale, beide mit dem Wirkstoff Carbimazol) ist nur eine von mehreren Behandlungsmöglichkeiten für eine Schilddrüsenüberfunktion für Katzen. Und leider eine der schlechteren Behandlungsmöglichkeiten - viele Katzen haben extrem fiese Nebenwirkungen bei der Einstellung auf Felimazole (hier hat Sirius drei Tage lang nicht gefressen), und auch nach der Ersteinstellung können Nebenwirkungen wie ständiges Kötzeln, kein Appetit, etc. auftreten. Und es kann passieren - wie zum Beispiel bei meinem Sirius - dass die Katze auf das Zeug gar nicht anschlägt. Wir haben ihm über ca. 6 Monate hinweg 10 mg Felimazole am Tag gegeben (das ist die Maximaldosis) und sein Wert stieg und stieg und stieg, bis auf einen T4 von 10 (10 ist aber immer noch niedriger als das, was deine Katze am Anfang hatte, die hatte ja 12 :evil

. Danach sind wir im Herbst direkt auf die Thiamazol-Salbe zum In-die-Öhrchen-schmieren umgestiegen, und damit ist nicht nur ein großer Stressfaktor für mich und Sirius weggefallen (Tablette-in-die-Katz war immer ein ziemlicher Krampf für uns, jetzt muss er nur noch stillhalten, bis ich die fiese Pampe in seinen Öhrchen verteilt habe :mrgreen

, sondern der T4 auch von 10 auf 7,9 gesunken, zum ersten Mal. Jetzt machen wir einen Versuch mit 15 mg Thiamazol am Tag (das ist das 1,5-fache der eigentlich zulässigen Tagesdosis) unter engmaschiger Blutkontrolle und hoffen, damit den Wert endlich in einen normalen Bereich drücken zu können.
Es gibt allerdings außer der Salbe noch andere Möglichkeiten zur Behandlung. In Felimazole ist ja der Wirkstoff Carbimazol enthalten, der vom Körper zu Thiamazol verstoffwechselt wird. Wenn da irgendwo im Stoffwechselprozess etwas schief geht oder das nicht so gut klappt, könnte man versuchsweise auf ein Thiamazol-Präparat in Tablettenform wechseln, um zu sehen, ob das besser wirkt. Eine andere Möglichkeit ist die Gabe von Carbimazol-Tabletten aus der Humanmedizin (der Tierarzt kann ein grünes Rezept dafür ausstellen, das ist zwar ein sogenannter Off-Label-Use, aber hier im Forum haben viele Halter damit gute Erfahrungen gemacht), die sind oft nebenwirkungsärmer als Felimazole-Tabletten.
Wenn ihr es dann schafft, den Schilddrüsenwert deiner Maus in den normalen Bereich zu drücken (4,irgendwas müsste das sein, wenn ich mich nicht täusche?), dann kann sie bei normaler Nahrungsaufnahme auch wieder zunehmen. Außerdem werden durch den normalen Schilddrüsenwert auch weitere Schäden an Herz, Nieren und anderen wichtigen Organen verhindert - wenn die Schilddrüse nicht funktioniert, wie sie soll, dann arbeitet der gesamte Stoffwechsel auf Hochtouren, und Schäden an Herz, Nieren, Leber sind leider keine Seltenheit dadurch.
Genau deswegen finde ich es auch so unglaublich unverantwortlich, was dein Tierarzt gemacht hat. Vor allem bekommt sie ja nur 2,5 mg Felimazole (hab ich das richtig verstanden?), da ist ja noch so viel Luft nach oben für eine Dosissteigerung, um ihren SD-Wert in einen normalen Bereich zu drücken (Nicht, dass dein Tierarzt wüsste, wie weit sie vom normalen Bereich entfernt ist, weil er ja ihre SD-Werte nie kontrolliert hat :evil

. Die Tablettendosis hängt nämlich nicht davon ab, wie groß die Katze ist, sondern davon, wie stark ihre Schilddrüsenüberfunktion ist. Zum Vergleich: Ich war selbst 1,5 Jahre lang Patientin mit Schilddrüsenüberfunktion. Abgesehen davon, dass sich das NICHT schön anfühlt, besonders, wenn es nicht behandelt wird, mit der ständigen Schwäche, der Übelkeit, den Schweißausbrüchen und den Kreislaufproblemen, hab ich dieselbe Dosis an Carbimazol bekommen wie Sirius. Alleine das sollte ja sagen, dass die Dosierung nicht von der Größe abhängt :mrgreen:
Hochwertiges Nassfutter... grundsätzlich gibt es da sehr viel gute Auswahl. Bozita würde ich eher in der unteren Mittelklasse einordnen (besonders das Futter in Stückchen), aber Bozita hat zwei entscheidende Vorteile: Erstens wird bei nicht ganz so hochwertigem Futter meistens weniger Jod zugesetzt (was bei gesunden Katzen eine Schilddrüsenüberfunktion auslösen kann, weil die Schilddrüse Jod zum Arbeiten braucht und sie den geringen Jodanteil so kompensieren muss. Bei Katzen, die schon eine Schilddrüsenüberfunktion haben, allerdings ein Vorteil, weil so die Schilddrüse durch mehr Jod nicht zu noch mehr Arbeit angeregt wird), und zweitens wird das Bozita Häppchen in Gelee/Sauce hier mit einer fast schon religiösen Begeisterung gefressen. Für Bozita würde ich hier in die Sklaverei verkauft werden, glaube ich :mrgreen: Also: Probier es, und wenn sie es gerne mag und reinhaut wie ein Scheunendrescher, kann es gerne in den Futtermix aufgenommen werden.
Ansonsten gäbe es noch Sachen wie Catz Fine Food, Grau, Macs, GranataPet, Om Nom Nom und ganz viele andere Sorten. Wenn du dich mal auf Seiten wie
Floyds Pfotenshop oder
Sandras Tieroase umsiehst, da kannst du eigentlich alles füttern. Dabei mit einem Auge auf den Jodgehalt schauen und mit dem anderen Auge auf den Fleischgehalt, und es läuft. Je mehr frisches Fleisch in der Dose landet (und je besser dieses Fleisch deklariert ist), desto besser das Futter, dazu sollte es noch ohne Getreide sein, ohne Zucker, und mit maximal 5% Ballaststoffen. Und deine Maus muss es natürlich fressen auch :mrgreen: Versuch es vielleicht mal mit einem von den Probierpaketen, da sind mehrere kleine Dosen von mehreren Sorten, und das, worauf sie steht, kannst du dann in größerer Menge bestellen.
Ein Versuch wäre auch Herrmanns, das ist hochkalorisches Päppel-Nassfutter in kleinen Beutelchen. Wenn sie das mag (mögen nicht alle, ist halt weiches Futter für zahnlose alte Katzenomas und Opas :mrgreen: ), könnte sie damit sehr viele Kalorien aufnehmen. Es kommt beim Futter nämlich leider nicht nur darauf an, was drin ist, sondern auch darauf, wie es dargereicht wird. Und durch die industrielle Verarbeitung und Trocknung ist Trockenfutter eben wesentlich weniger leicht verdaulich und verwertbar als Nassfutter.
Was das mit der Flüssigkeit angeht, eine hohe Trinkmenge (und dadurch auch eine hohe Pieselmenge) kann auch auf Nierenprobleme hindeuten (die sich in den zwei Jahren durchaus entwickelt haben können), ich würd also zur Sicherheit erst einmal ein großes Blutbild zusätzlich zum T4 vorschlagen, wenn sie demnächst zum Tierarzt muss.
Wegen BARF. Ich kann dich absolut verstehen, wenn du dir das nicht zutraust, das ist alles sehr verwirrend und kompliziert auf den ersten Blick, und dazu kommt die Angst, etwas falsch zu machen und damit der eigenen Katze zu schaden. Ich kenne das, ich hab das auch alles durch. Sirius lässt mir allerdings langsam keine Wahl mehr (ich schiebe es nur ein wenig vor mir her, weil ich Angst habe :???

, er braucht Nierendiät, und er braucht Schilddrüsendiät, und auf dem Markt gibt es nichts, das ich ihm in diesem Bereich mit gutem Gewissen langfristig füttern könnte, und schon gar kein Kombifutter.
Abgesehen von den grundsätzlichen Vorteilen der Rohfleischfütterung (der wichtigste Vorteil: die Katze bekommt SEHR viel SEHR hochwertiges Protein, das auch gut verdaut und verwertet werden kann), hat BARF bei kranken Katzen den folgenden Vorteil: Du kannst bestimmen, was im Futternapf landet. Ich habe mich ausgiebig mit dem Thema Nierendiät und Schilddrüsendiät beschäftigt, und ich habe keine einzige Sorte gefunden, bei der die Deklaration angibt, WELCHES Fleisch in der Dose landet. Meistens steht da nur "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse". Und leider sehen die meisten Nierendiäten aus, wie wenn das Fleisch eben NICHT in der Dose gelandet wäre, sondern fröhlich pfeifend daran vorbeigelaufen... bei der y/d von Hills ist es leider nicht anders. Andere Schilddrüsendiäten gibt es nicht.
Ich möchte Sirius demnächst auf BARF umstellen. Es gibt leider kein hochwertiges Katzenfutter mit einem sehr niedrigen Jodgehalt, und bei ihm ist die Zuführung von Thiamazol leider offensichtlich nicht ausreichend, um seine Schilddrüsenwert in einen gesunden Bereich zu drücken. Nierenprobleme hat er auch noch, und die käuflichen Nierendiäten haben alle einen erhöhten Jodgehalt, um die Schilddrüse und dadurch auch die Nieren anzuregen, genau das, was für Sirius absolut schädlich ist. Mit BARF kann ich dann für ihn ein Futter mit sehr niedrigem Jodgehalt zusammenstellen, das noch dazu die Erfordernisse seiner Nieren abdeckt.
Und wenn du dich in das Thema einliest, dann merkst du, dass du keine Ernährungswissenschaftlerin sein musst, um BARF zusammenzustellen. Es gibt verschiedene BARF-Kalkulatoren und verschiedene Bedarfswerttabellen für Katzen. Diese verschiedenen Bedarfswerttabellen werden auch bei der Herstellung von industriellem Katzenfutter verwendet, und sie weichen sehr stark voneinander ab, was der Grund ist, warum man immer mehrere Sorten Katzenfutter abwechselnd füttern soll, um einen gesunden Ausgleich zu schaffen und Mangelernährungen zu vermeiden.
In diesen Kalkulatoren (gibt es für 2-3 Euro) gibst du ein, was für Fleisch (ev. auch was für Knochen) du für das Rezept verwenden möchtest, und der Kalkulator hilft dir dann dabei, die richtigen Supplemente hinzuzufügen, damit du eine ausgeglichene Katzenmahlzeit bekommst, mit allen Vitaminen und Nährstoffen im richtigen Verhältnis. Dann achtest du noch auf einen niedrigen Jodgehalt, und das wars eigentlich schon bei einer Schilddrüsenkatze. Und damit langfristig keine Mangelernährungen entstehen, arbeitest du eben bei der Rezepterstellung mit verschiedenen Supplementen, verschiedenen Fleischsorten, verschiedenen Fleischarten und verschiedenen Bedarfswerttabellen. Und für Anfänger gibt es gerade hier im Forum auch sehr viel Hilfe und du kannst die Leute, die das schon länger machen, über deine Rezepte drübergucken lassen, falls du etwas falsch gemacht hast. Ist alles keine Hexerei, und wenn deine Maus Rohes so gerne mag, dann ist es sicherlich eine Überlegung wert.
Jetzt würd ich mich allerdings erst einmal darauf konzentrieren, sie zu einem vernünftigen Tierarzt zu bekommen und dort einen anständigen Behandlungsplan abzusprechen, mit engmaschigen Blutwertkontrollen, um zu sehen, ob ihr T4-Wert mit der von dir und dem gewählten Tierarzt ausgewählten Behandlungsmethode sinkt oder nicht. Ein guter Tierarzt kann dir nämlich immer erklären, warum er etwas macht, und er sieht dich als Partner in der Behandlung seiner Patienten. Aber selbst mit einem guten Tierarzt (oder auch Humanarzt) würde ich mich IMMER bei anderen Betroffenen und im Internet über alternative Behandlungsmethoden informieren, alleine schon, um zu sehen, ob das, was der Tierarzt macht, der Standardbehandlung entspricht oder nicht.
Viel Glück für dich und deine Maus, ich hoffe, ihr geht es bald besser und sie wird zu einem properen kleinen Kätzchen!