Lieber Rainer,
zunächst möchte ich mich bedanken, dass Sie trotz des großen Verlustes und der schweren Zeit, die Sie durchmachen müssen, die Kraft fanden, sich hier im Forum zu melden. Es gibt nichts Schlimmeres als Ungewissheit.
Tanja hat auch den Mitgliedern im Forum hier viel bedeutet. Viele - mich eingeschlossen - haben immer als erstes den "Shorty-Strang" aufgerufen. Im Frühsommer, als der kleine Maulwurf da war und Tanja ihn retten konnte. So klein und winzig wie er war, hatte er ja eigentlich kaum eine Chance. Aber Tanja hat es geschafft, ihn zu retten und aufzupäppeln. Jeden Tag warteten wir auf Neuigkeiten von klein Shorty..und es war jeden Tag ein bisschen Sonnenschein, wenn man Tanjas mit viel Optimismus, Liebe und Herz geschriebene Berichte lesen durfte.
Als wir im Juli dann plötzlich nichts mehr hörten, war die Sorge schon groß, dass etwas nicht in Ordnung war. Tanja hatte aber ihre schwere Krankheit bis dahin mit keinem Wort erwähnt. Umso erleichterter waren wir dann, als sie sich einige Wochen später wieder meldete. Sie erzählte dann von ihrem Schicksal, aber erst im Nachhinein versteht man jetzt eigentlich richtig, an welch seidenem Faden ihr Leben hing. Sie erzählte, dass sie auf eine Transplantation wartet und verströmte dabei soviel Kraft, Optimismus und Hoffnung, dass niemand damit gerechnet hätte, dass es anders als gut ausgehen könne. Und dann ging es natürlich immer in erster Linie um Shorty, den kleinen Racker. Ihre Berichte liessen alles andere vergessen und man freute sich jeden Tag auf neue Geschichten von ihm. Sie hatte es geschafft, aus einem Händchen voll Katzenbaby einen süssen, gesunden, wunderschönen kleinen Kater zu päppeln. Und voller Stolz und Freude erzählte sie uns von seiner Entwicklung und zeigte uns die schönen Bilder. Ich glaube, auch Shorty hat es immer gespürt, dass er bei ihr in Sicherheit ist. Und diese Sicherheit hat ihm die Kraft zum Kämpfen gegeben, die er vielleicht als kleiner Wurm selbst gar nicht hatte.
Dann kam der schlimme Unfall und jeder hat vermutlich gedacht, warum trifft es gerade Shorty??? Die ersten Berichte waren so traurig. Eigentlich konnte man auch da keinen Hoffnung mehr haben. Und viele hätten auch aufgegeben und ihn da gehen lassen. Aber Tanja schaffte es wieder. Und Shorty spürte ihre Kraft und Unterstützung, kämpfte wieder und gewann. Wie sagte sie: "Der Tierarzt sagte, wichtig ist, dass er keine Depression bekommt und sich aufgibt". Und bereits auf den ersten Bildern aus der Tierklinik sah man den Lebenswillen und Kampfgeist in seinen kleinen süssen Augen. Da wußte man schon - er packt es! Trotz der schweren Verletzung und auch, wenn es lange dauert, bis er auf die Beine kommt. Mit Tanjas Unterstützung und Liebe wird er es schaffen. Sie ließ nicht locker und tat alles für ihn. Weil sie spürte, dass er sie brauchte. Ich weiß noch, wie sie der Tierklinik die Hölle heiß machte, damit sie ihn am Wochenende auch besuchen konnte.
Und ich habe dann jeden Tag mitgelesen, mitgefiebert und mich mitgefreut, wenn es ein bisschen aufwärts ging. Er durfte nach Hause und da dachte man eigentlich, jetzt ist das Schlimmste überstanden. Dann haben die beiden jeden Tag hart trainiert und der Kleine machte alles klaglos mit. Für ein Tier und besonders eine Katze sicher ungewöhnlich. Jedes Training und selbst das für ihn sicher unangenehme Tens-Gerät ertrug er, weil er Tanja einfach vertraute. Seine Mama wußte sicher, was das Beste für ihn ist und das machte er mit. Jeden Tag gab es kleine Fortschritte und dann kam das Filmchen, wo er die Beinchen ein bisschen bewegt. Es war schon fast ein kleines Wunder. Jeden Abend wartete man gespannt auf den neuen "Tagesbericht" von Shortys Genesung....und vergaß bei den schönen und herzlichen Worten von Tanja dann, wie krank sie selbst war.
Als sie sich dann plötzlich nicht mehr meldete, war irgendwas geschehen. Nur hatte man von ganzem Herzen gehofft, dass es einen "guten" Grund hat. Dass sie vielleicht ein neues Organ bekam. Man hat sich quasi geweigert an etwas Schlimmeres zu denken und ich habe jeden Tag gehofft, dass dort ein neuer Beitrag steht und alles wieder gut ist.
Als dann die schlimme Nachricht kam, wollte ich es nicht glauben und wahrhaben. Wie konnte es denn sein, dass Tanja, deren Beiträge vor Lebensmut und Kampfgeist und Hoffnung sprühten, nicht mehr da war? Und ihr kleiner Engel Shorty, der doch eigentlich bis auf seine noch lahmen Beinchen wieder gesund war, auch nicht?
Wir kannten sie ja hier nur aus dem Forum, aber selbst in dieser kurzen Zeit hat uns Tanja hier mit ihrer wundervoll warmherzigen Art beeindruckt und mit ihren Shorty-Geschichten verzaubert.
Die innige Beziehung der beiden war etwas ganz Besonderes. Auch das spürte man. Sicher haben hier alle eine enge Beziehung zu ihren Katzen, aber Shorty und Tanja waren in einem ganz besonderen Sinne miteinander verbunden. Es gab bisher keine Erklärung dafür, diese wird erst jetzt klar. Ich bin auch überzeugt, dass Shorty Tanjas Engelchen war, der ihr geschickt wurde, um sie zu begleiten. Wer sagt denn, dass Engel nur in "Menschengestalt" auftreten können?
Daher wollte klein Shorty, der ein so großes Kämpferherz hatte, auch nicht allein hier bleiben und Tanja folgen, als sie gegangen war. Seine Aufgabe war erfüllt und er wollte zu seiner Mama. Wie Sie schon sagten....es konnte ihm nichts mehr helfen. So war es sicher.
Und genauso sicher sind die beiden jetzt zusammen und warten gemeinsam auf das Wiedersehen. Tanja durfte ihren kleinen Schatz mit sich nehmen, was bei aller Trauer ein schöner Gedanke ist. Sie ist nicht allein.
Sie wird sicher ihre Familie von dort, wo sie jetzt ist, beschützen und behüten und immer bei Ihnen und den Kindern sein. Nur weil man sie nicht mehr sehen kann, ist sie nicht weg. Sie ist da, ganz bestimmt. Und wenn man mit ihr spricht oder an sie denkt, wird sie es hören und antworten.
Ich bin dankbar, dass ich Tanja und ihren Shorty hier "kennenlernen" durfte. Man sagt es sicher oft leicht daher...aber die beiden werde ich sicher nicht vergessen. Tanja wird für mich immer ein Beispiel an Mut, Optimismus, Kampfgeist und Hingabe sein. Und Shorty ein Beispiel, wieviel der Glaube an einen Menschen und völliges Vertrauen bewirken kann.
Ich wünsche Ihnen und den Kindern weiter viel Kraft, um diesen schrecklichen Verlust ertragen zu können. Aber zumindest für mich gesprochen bin ich mir ganz sicher, dass es ein Wiedersehen gibt.
Karin