Hallo zusammen,
ich bin schon länger angemeldet, habe aber bislang nichts geschrieben, weil ich mich durch stilles Lesen vor und nach der Anmeldung ausreichend informiert fühl(t)e. Jetzt möchte ich aber unsere Geschichte erzählen, auch weil bald "Jahrestag" ist. Wenn der Thread hier falsch ist, bitte verlegen! Zu lang ist er sowieso....
Vor gut einem Jahr habe ich mich mal wieder ernsthaft mit der Frage nach Haustieren auseinandergesetzt. Ich wurde 50, und wenn nicht jetzt, dann wann, dachte ich. Wohne alleine auf ca. 80 qm, bin voll berufstätig und wollte schon immer…
Tja, einen Hund eigentlich. Oder eine Katze. Oder zwei Katzen. Hund geht nicht, der wäre zu lange allein. Katze geht nicht, die wäre zu allein. Zwei Katzen, ja das ginge gut. Aber wenn Hund eigentlich Plan A wäre, wären die Katzis dann nicht "nur" Plan B, also Notlösung quasi?
Hin und her überlegt. Mich ins Thema "Katzen" eingelesen. Auf der Tierheimseite geschaut. Aber dort immer wieder erfahren: Freigang! Nee, den wollte und will ich aus verschiedensten Gründen nicht (Straße u.a.). Aber ist Wohnungshaltung "artgerecht"? Wieder und mehr gelesen. Tja, und irgendwie bin ich dann zufällig auf Züchter/innen-Seiten gelandet, habe erstmals im Leben (bewusst) "Bärchen" gesehen, und überall stand: KEIN ungesicherter Freigang. Super. Menno, "damals" (also vor einem Jahr) dachte ich noch, es gäbe nur Perser, die gezüchtet werden, und habe dann ganz viel über BKH/BLH gelesen, weil die mir spontan gefielen, auch wenn ich ursprünglich nie an Rassekatzen für mich gedacht hatte. Aber der runde "Plumptyp" sprach mich an. Auch "charakterlich", so denn allgemeine Aussagen auf einzelne Individuen überhaupt zutreffen. Ich wollte allerdings keine Kitten, sondern zwei ältere Katzis, die sich gut verstehen und mit mir als Ultra-Anfängerin kompatibel sind.
Aber wie da jetzt drankommen? Erstmal Wohnung gecheckt und alle Orga-Fragen für mich beantwortet: Alle Räume bleiben offen, Kratzbaum kommt vor das Terrassenfenster (mit "Aussicht" quasi), Terrasse selbst wird halb vernetzt, so dass ein kleiner „Draußenknast“ entstehen kann. Mir die ganze Wohnung "katzengerecht" vorgestellt. Mich in die Themen Futter, Klo, Spielzeug, Krankheiten, Pflege, Kosten, Vermehrer, Urlaub (Sitter?), Kippfenster und hassenichgesehn eingearbeitet. Ganz viel "trocken" gelernt. Auch "BARF" trocken eingeübt. Und mir dabei immer mehr "meine" Mäuse vorgestellt. Mich schon einmal prophylaktisch in sie verliebt.
Nächster Schritt also. Seriöse (ich kannte ja die Kriterien durch das Forum) BKH-Züchterin in Wohnortnähe per Mail angeschrieben, mich und mein Anliegen ausführlich vorgestellt und mutig gefragt, ob es eine Chance gäbe, zwei Kastraten zu adoptieren. Und damit begann mein wunderbares Leben mit meinen zwei heißgeliebten Zwucks:
Die Züchterin meines Vertrauens schrieb postwendend zurück. Sie würde momentan keine älteren Katzen abgeben, aber ich könne doch mal zu einem Infogespräch vorbeischauen. Gesagt, getan. Ich fand es nicht nur toll, einige junge und ältere Bärchen live zu erleben, sondern auch gut, dass ich mich selbst mal aus fachkundiger Sicht als katzentauglich oder -untauglich "checken" lassen konnte. Daraus wurde ein langes und fröhliches Kaffeetrinken. Diagnose: katzentauglich, jawollll!
Am Ende kam dann aber der Hammer: Die Besitzer von zwei Mäusen aus ihrer Cattery wollten diese aufgrund von menschlichem Nachwuchs und Zeitmangel dringend rückverkaufen (Rückkaufsrecht war vertraglich vereinbart). Die Mail war am selben Tag meines Besuchs gekommen. Ein BLH-Prinzchen (heute 3 Jahre) und ein BKH-Prinzesschen (heute 6 Jahre). Menno, da geht einem das Wort "Schicksal" durch Kopf, Herz, Mark und Bein. Die Züchterin zeigte mir Baby-Fotos von der cremefarbenen Plüschbombe Lucky und der Maus Daisy in black-silver-tabby mc (ja, Farbbezeichnungen kenne ich nun auch!).
Kurze Zeit später fuhren wir gemeinsam zu den Noch-Eltern. Selten war ich so aufgeregt. Uih, und da sah ich den großen kleinen Mann (heute über 6 kg; für seine Größe optimal) mit diesen wahnsinnig schönen Augen und einem überaus puscheligen Fell, und ja, ich gestehe, mein erster Gedanke war: Wie um Himmels willen sollst du bloß jemals mit diesem Fell klarkommen? Mein Mupfelkätzchen – halb so groß – hockte mit geschlossenen Augen wie ein Eierwärmer auf einer Tonne und blieb da auch. Sie sei schüchtern und ängstlich.
So, jetzt hätte die Sache mit dem Blinzeln und dem "Katze sucht Mensch aus" stattfinden können, aber nichts da. Der große kleine Mann ließ sich von der Züchterin ein wenig streicheln, Mupfelchen ignorierte uns komplett. Trotzdem war bei mir die Entscheidung sofort gefallen: Ihr gehört jetzt zu mir, und ich werde euch nie im Stich lassen. Ohne dass ich was gesagt hätte, nickte "meine" Züchterin.
Im Dezember zogen beide Zwucks (natürlich schon seit anno tuck kastriert; mit Gesundheitspässen und natürlich mit "Papieren") bei mir ein. Es soll jetzt nicht großkotzig klingen, aber die finanzielle Seite hatte mich bei meiner "Lebensentscheidung" (denn das genau ist es ja!) nicht wirklich interessiert. Ich ging davon aus, dass ein Kitten 600 Euro kostet und eine "fertige" Katze eben mehr. Aber das ist ja in der Realwelt ganz anders. Ich habe meine Süßen von der Züchterin exakt für deren vereinbarten Rückkaufspreis bekommen, und der war vergleichsweise sehr niedrig. Ein "halbes Kitten" = meine beiden Traumkatzen. In der Menschenwelt ist es ja auch nicht anders…. jung = fein; älter = naja… Ach menno…
Mein Daisy-Mäuslein sah und hörte ich drei Tage nicht. Habe da echt gelitten und zum Schluss geglaubt, ich hätte sie unter dem Sofa "plattgesessen" (ehrlich, so war das!). Mein Lucky-Prinzchen kam schon am Einzugsabend unter der Couch hervor. Zu Beginn war ich sehr, sehr unsicher. Alle Katzengeräusche waren neu für mich (das Plümpergeräusch eines kotzenden Katerchens, sein Schnattern, wenn er draußen Vögel sieht), und ich hatte große Angst, Fehler zu machen.
Mein scheues Mähmäuschen (sie sagt MÄHH, nicht MIAU) Daisylein entpuppte sich schnell als Schönheit, Schmusekönigin und Meister-Springerin, aber auch als Trockenfutter Junkie (ich habe ALLES dagegen versucht). Ihr Vertrauen zu mir rührt mich total. Mit ihren Pfoten könnte ich häkeln. Mag sie von Herzen. Mein Marzipanchen (seine properen Beine sehen einfach zum Reinbeißen aus!) Lucky hat seinen ganz eigenen Kopf, grunzt wie ein Schweinchen statt zu schnurren, spielt wie verrückt Da-Bird mit mir und will im Bett kuscheln. Was er nicht will, signalisiert er klar mit seinem Schwanz. Dann ist für mich sofort Schluss. Einen Kratzer habe ich bislang noch nicht abbekommen. Mag ihn von Herzen.
Ich habe mich bemüht, die Wohnung extrem katzengerecht zu gestalten, die Terrasse ist vernetzt, und wir haben hier einen tollen Sommer verbracht! Meine Mäuschen haben im Gegenzug nichts gemacht, was hätte stören können. Menschenessen mögen sie nicht, Fisch verabscheuen interessanterweise beide, sie kratzen am Kratzbaum oder an den vielen Kratzpappen, aber nirgends sonst, sie schmeißen nicht einmal die (spärliche) Deko runter. Ich musste überhaupt noch nie "nein" sagen, obwohl beide absolut keine "Schlaftabletten" sind. Die Klos habe ich so arrangiert, dass sich mein großer Lucky darin drehen kann, sind jetzt einfach zwei offene und große Wäschewannen geworden: unschön, aber praktisch.
Gut, mein Prinzchen hat die Angewohnheit, zuverlässig 2 X pro Tag einen wahren Urinsee abzusetzen. Danach springt er – ohne zu verscharren (macht er auch nicht mit dem großen Geschäft: lecker!) – wie angestochen aus der Wanne, rennt durch die Wohnung und setzt sich dann irgendwo hin. Tja. Dabei gehen einige Tropfen auf den Boden, andere verharren in seinen Hosen. Putzen kommt erst später. Auch ein Hosenschnitt half nicht wirklich. Also leben wir damit, dass ich den Boden regelmäßig mit einem Wodkatüchlein nachbehandle, denn er scharrt sonst verständlicherweise immer dort, wo es für ihn müffelt. Bürsten? Das ist meine einzige Groß-Baustelle. GEHT GAR NICHT. Habe mittlerweile sicherlich mehr als 10 Kämme/Bürsten durchprobiert, aber wenn ich mich nur mit einer nähere, mutiert er zur Furie, und der Junge HAT Kraft! Auch Hosenstutzen mit abgerundeter Schere wird harsch und deutlich abgelehnt. Kein Leckerlie dieser Welt hilft da weiter. Bin schließlich mit ihm zum Tierfriseur marschiert. Zwei behandschuhte Menschen mussten den liebsten Kater dieser Welt halten, damit eine Friseurin auch mal bauchseits (schmerzfrei) kämmen konnte. Gottlob neigt er nur wenig zur Verfilzung. Habe mir aber vorgenommen, einfach dranzubleiben. Irgendwann bekommen wir auch das noch hin!!
Mit dem Mähmäuschen musste ich im Sommer zum Tierarzt. Sie gab plötzlich schreckliche Hust-Röchelgeräusche von sich. Grashalm? Nur eine Endoskopie unter Narkose konnte schließlich Aufschluss ergeben. Kein Grashalm, aber Atemwegskeime, die dann mit dem passenden Antibiotikum bekämpft werden konnten. Daisy nimmt allerdings keine Tabletten. Auch nicht in Aldi-Stangen (oder sonstwie) eingematschte Tabletten. Auch nicht ins Nassfutter (max. 1 Teelöffel pro Tag Porta 21 Hühnchen, mehr geht nicht) eingestreuselte Tabletten. Nix. Auch nicht ins Mäulchen geworfene Tabletten, sie presst das Mäulchen so fest zu, dass selbst der Tierarzt es nicht aufbekam. Also mussten wir alle drei Tage zum Spritzen zum Tierarzt. Stress pur, aber sie war super kooperativ und ließ sich immer wieder ohne Widerstand in den Kennel heben. In dieser Zeit habe ich besonders erlebt, wie stark mir meine Beiden ans Herz gewachsen sind. Sie sind – ohne wenn und aber – Familie!
Ich habe mein Leben deutlich auf meine Mäuschen eingestellt. Wir fummeln mit Fummelbrettern, machen Such- und Bewegungsspiele, "sprechen" viel miteinander, kuscheln, öffnen neugierig Pakete mit "Katzensachen", schauen hochkonzentriert dem tropfenden Wasserhahn in der Küche zu, lassen uns vom "zarten" Baldriangeruch betören oder sitzen einträchtig draußen im "Knast".
Das alles ist auch wichtig, weil beide im besten Falle ein Parallelleben führen. Sie mögen sich nicht sonderlich, jedenfalls zeigen sie es nicht. Katze und Kater mit einem vergleichsweise großen Altersunterschied eben (und in diesem Forum mit den Konsequenzen ja auch nachzulesen). Lucky möchte rasen, raufen und toben, Daisy möchte filigranes Spiel mit Alukügelchen. Lucky möchte zudem alles haben, was Daisy gerade hat. Ein Junge eben. Selbst wenn es ein wenig schöner Schlafplatz ist… Ich versuche das auszugleichen, bin aber nur ein Mensch. Toll wäre sicherlich noch ein drittes oder viertes Katzi, aber das will ich momentan nicht wagen, vor allem kann das ja auch nach hinten losgehen.
Menno, was schreibe ich hier lang!!! Einerseits möchte ich ausdrücken, wie dankbar ich für meine zwei Zwucks bin. Nix mit Plan B. Die sind für mich A mit Supersternchen. Andererseits möchte ich aber auch anderen Anfänger/innen sagen, wie hilfreich es war und ist, die Foreninfos nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern auch umzusetzen. Ich hatte zudem dazu noch das sehr große Glück, dass "meine Züchterin" mir immer mit Rat und vor allem mit Tat zur Seite stand und steht, und das wäre sicherlich auch so gewesen, wenn wir uns nicht angefreundet hätten. Dafür bin ich ebenso dankbar!
Herzlich grüßen die schönsten, liebsten, tollsten,…, ach… DIE zwei Zwucks dieser Welt
und ich
P.S. Daisy tretelt in ihrem "Karton", Lucky ist draußen im "Knast". Ich sitze am Computer.