Liebe Lisa,
ich habe damals, als ich unsere Lucy einschläfern mußte, sehr gelitten. Es war die erste gemeinsame Katze von meinem Mann und mir und ich habe sie geliebt. Sie war immer wie ein Baby. Wir holten sie 1999 im Alter von fast 3 Jahren aus der Tierhilfe. Sie war soweit eigentlich immer gesund. 2002 bekamen wir dann noch Geronimo dazu.
Nur im März 2008 änderte es sich schlagartig. Wir waren gerade 4 Monate vorher aus dem Ruhrgebiet nach Hessen gezogen. Hatten dadurch natürlich auch noch keinen neuen Tierarzt gesucht. Warum auch. Impfen war ja noch nicht angesagt.
Sonntag morgens nach dem Aufstehen sah sie mich an und hatte ein ganz rotes blutunterlaufenes rechtes Auge. Erst haben wir uns dabei gar nicht gedacht, da sie sich immer mal wieder mit Geronimo in die Haare kriegte. Sie liebten und sie schlugen sich. Als es dann montags immer noch nicht besser wurde, sind wir in eine Tierklinik gefahren. Nachdem wir schon 1 1/2 Stunden warten mußten und Lucy solange ja auch im Korb bleiben mußte (was sie immer gehaßt hat), kamen wir endlich dran und wurden von einer Ärztin behandelt, von der ich direkt das Gefühl hatte, sie weiß nicht, was sie macht. Lucy war halt immer sehr nervös und es ist ein Tier, das man nicht sagen kann, sie soll jetzt mal still sitzen. Sie wollte immer nur auf meinen Arm und hätte sich am liebsten dort versteckt.
Die Ärztin guckte sich das Auge an, wußte aber wohl nicht so recht, was sie machen soll. Irgendwann kam sie dann auf die Idee, das Auge genauer zu untersuchen (wohlgemerkt sind die auf Augenverletzungen spezialisiert), hat ihr dann eine Flüssigkeit ins Auge getropft und sagte dann immer nur zu mir, ich solle doch jetzt endlich mal schauen und das ich doch auch eine Verletzung an der Netzhaut sehe. Hallo, ich bin Laie, wie soll ich das erkennen. :???:.
Dann sollte sie noch zur Blutdruckmessung und zum Herzultraschall. Und das war das schlimmste für Lucy. Sie hat sich so gewehrt, weil sie eine Angst hatte. Ich hatte die Tränen in den Augen. Die Ärztin wurde immer ungeduldiger und motzte die kleine nachher schon an, daß ich was sagen mußte. Also hatte sich die Ärztin am Ende entschieden, ihr Augentropfen und ein blutdruckfördernes Mittel zu geben. Das würde den Kreislauf anregen und das Auge würde besser durchblutet werden.
Ich wollte der kleinen ja nur helfen. Dienstags und mittwochs wurde es auch etwas besser. Aber Donnerstag morgen sah das Auge noch schlimmer aus. Also wir wieder in die Tierklinik und endlich hatten wir einen sehr netten Arzt. Der guckte sie an und sagte sofort, daß sie wahrscheinlich einen viel zu hohen Blutdruck hätte und ihr dadurch schon die Adern im Auge geplatzt wären. Ich bin bald hinten rübergefallen. Das war der am Montag einfach nicht aufgefallen und gibt ihr noch ein Mittel, damit der Blutdruck angeregt wird. Es wurde keine Verletzung am Auge festgestellt. Und als ich dann sagte, wie seine Kollegin denn dann auf eine Verletzung kommen würde, kriegte ich nur ein Achselzucken (na ja, die eine Krähe hackt der anderen halt kein Auge aus).Ich hatte nur noch die Tränen in den Augen. Wir haben sie dann über Nacht in der Klinik gelassen. Ihr Blick, als wir das Behandlungszimmer an dem Tag verliessen, brach mir das Herz. Freitag morgens rief ich gleich in der Klinik an und da sagte man mir, das meine Maus einen Blutdruck von über 200 hätte und sie den auch nicht runter bekommen. Da die Klinik im gleichen Ort wie meine Arbeitsstelle ist, wollte ich dann mittags um 1 nach Feierabend gleich hin. Ne, kriegte ich zu hören, sie würden um 1 zumachen und ich könne ja gegen 4 wiederkommen. Ich bin eigentlich ein sehr gedultiger Mensch, aber da wurde ich echt zum kleinen Giftzwerg. Ich würde um 1 kommen und liesse es mir auch nicht verbieten. War dann auch in Ordnung. Mein Mann und ich sind dann um 1 hin und als sie Lucy von der Station ins Behandlungszimmer holten, habe ich nur gedacht, daß ist nicht mehr meine kleine Kuschelmaus. Der traurige Blick, das stumpfe und zerzauste Fell. Es brach mir das Herz. Was sollten wir nun tun? Die Klinik konnte bis dahin auch nicht sagen, was ihr fehlte. Sie würden jetzt anfangen, Lunge, Schilddrüse, Leber, Nieren usw. zu untersuchen. Ob sie was finden, könnte man uns nicht sagen. Wir könnten sie natürlich auch so wieder mit nach Hause nehmen. Aber dann hätte es passieren können, daß sie irgendwann einen Schlaganfall bekommt, sie hätte nicht raus dürfen, nur noch Diätfutter, keine Leckerchen mehr. Und das, wo wir gerade aufs Land gezogen waren, wo Lucy und Geronimo jetzt endlich raus durften. Mein Mann und ich haben lange überlegt, dann aber letztendlich die Entscheidung getroffen, sie zu erlösen. Der traurige Blick sprach Bände. Als wir uns dazu entschieden hatte, hatte ich das Gefühl, daß sie ruhiger wurde und kam kuscheln. Als ob sie sich bedanken möchte, daß wir sie von ihrem Leiden erlösen. Wir wollten ihr diese Qualen einfach nicht antun. Wir wußten, wie sehr sie schon immer beim Impfen litt. Sie ist dann auch ganz ruhig und friedlich eingeschlafen und wir konnten und lange von ihr verabschieden. Das ganze war am 25.03.2008, genau 3 Monate und 1 Woche nachdem mein Vater starb. Das neue Jahr in der neuen Umgebung hatte sehr traurig angefangen.
Na ja, viel Zeit ist vergangen und ich sehe sie trotzdem heute noch auf dem silbernen Tisch liegen. Inzwischen haben wir neben Geronimo einen fast 8-monate alten Kater. Beide lieben wir sehr.
Wir haben damals auch zu hören bekommen, es wäre doch nur ein Tier. Aber wir haben keine Kinder und deshalb sind die beiden dann unsere. Also lasse dir nichts einreden. Tiere gehören zum Leben und sind ein Teil von uns.
Die Tierklinik habe ich nie wieder betreten und eine neue ganz in unserer Nähe gefunden. Die haben mein Vertrauen verloren.
Liebe Grüße
Bianka