Überall gibt es in den letzten Tage die Jahresrückblicke....
Ich habe lange überlegt, ob ich auch einen machen soll. Dieses Jahr hat mich an die Grenze von allem gebracht und am liebsten würde ich einfach die Decke über mich ziehen und nicht an das denken, was geschehen ist. Doch ignorieren hilft nicht. Es ist wie es ist, nichts kann das Geschehene wieder ungeschehen machen.... Aber es gab auch schöne Momente in diesem Jahr und die sollen es wert sein genannt zu werden und somit habe ich mich entschieden doch einen Rückblick zu machen....
Zum Jahresswechsel 2013/2014 hatte ich 2 Pflege-Katzen im Kinderzimer meines Sohnes und noch 3 Pflegis im Katzenraum. Im Kinderzimmer waren Knubbel und Piri - zurückgelassene Campingplatzkatzen, ein unzertrennliches Pärchen was sehr schwierig zu vermitteln war, da Knubbel
Fiv hat und Piri sehr sehr ängstlich ist. Im Katzenraum war nach einer großen Vermittlungswelle vor den Feiertagen nun nur noch Lani - ein Wildchen von einer Autobahnraststätte - und Arcana mit ihrem Sohn Suko - die beiden waren auf einem Hof ausgesetzte Wohnungskatzen.
Am 31.12.2013 übernahm ich eine neue Mietz . Sira war eine wunderschöne rot-weiße Jungkatze, die ebenfalls draußen gelebt hatte und niemandem gehörte. Sie war zahm und hätte nach Kastra wieder auf die Straße gesetzt werden müßen. Eigentlich sollte ich in einer Woche 2 andere ehemalige Wildche übernehmen, aber eine zahme Mietz zurück auf die Straße zu setzen hätte mir leid getan und so schob ich Sira schnell zwischen. Bei der Übergabe fiel mir auf, daß es aus der Box mit der sie kam seltsam roch - wie Verwesung. Ich konnte den Geruch nicht zuordnen, maß ihm aber keine Bedeutung bei.
Sira war wunderschön, seidiges glänzendes Fell, schmuste nach kurzer Auftauzeit sofort mit mir, begann zu spielen, fraß gut, der Kot war perfekt - nichts deutete auf irgendetwas hin - doch die Maus brachte den Tod mit im Gepäck. Der Schnelltest auf
Fiv und
Felv war negativ und so setzte sich sie nach nur 3 Tagen Quarantäne in den Katzenraum um.
Nur 4 Tage später - am 7.1.2014 verstarb Sira in meinen Armen...
Die sofort angeordnete Obduktion brachte die furchtbare Gewißheit: Parvo - Katzenseuche...
Ich versuchte alle Maßnahmen so schnell und so gut wie es mir möglich war umzusetzen, doch es war für die anderen 3 im Katzenraum bereits zu spät, sie hatten sich bereits angesteckt. Suko verstarb trotz aller Maßnahmen am 13.1.2014. Die kleine freche Neugiernase hatte keine Chance gegen das Virus.
Arcana kämpfte hart um ihr Leben, sie fraß überhaupt nichts, schlief nur. Doch dank Zwangsernährung und Feliserin kam sie durch. Sie überlebte, fing langsam an wieder selbstständig zu fressen, erholte sich Stück für Stück.
Lani hatte trotz ihres
Fiv dem Ganzen gut getrotzt. Zwar hatte sie sich ebenfalls angesteckt, doch ihre Ansteckung scheint erst nach dem Aufbau des Feliserinschutzes gelegen zu haben und somit nahm es nur einen leichten Verlauf und sie überstand das Ganze ohne Probleme.
Damit war für mich als Pflegestelle an dieser Stelle eigentlich Schluß. Ich bangte um die Ansteckung meiner Katzen und ebenso war die Frage, ob sich Knubbel und Piri im Kinderzimmer mit angesteckt hatten durch einschleppen des Virus im normalen Alltag. Doch wir hatten Glück im Unglück: der Virus war nicht aus Katzenraum herausgewandert und alle Schutzmaßnahmen die ich nun vollzog verhinderten weiteres.
Nachdem sich abzeichnete, daß das schlimmste überstanden ist, haderte ich viel mit mir und zweifelte alles an, was ich hier tat. Lange kämpfte ich auch psychisch mit den Schatten - und tu es auch heute noch - die Geschichte wird mich psychisch noch lange begleiten. Verzeihen kann ich mir den Fehler den ich gemacht habe nicht. Doch ich versuche zu lernen mir zu vergeben.
Für Lani und Arcana wirft das Ganze leider auch noch immer seinen Schatten - sie sind immer noch hier, da sie noch immer Viren ausscheiden. Im Sommer nutzte ich die Chance einer familiären Änderung und baute im Obergeschoß ein ehemaliges Kinderzimmer um in einen richtigen Quarantäneraum mit Schleuse zum umziehen und desinfizieren, so daß die Gefahr eines rausschleppens damit gen 0 reduziert ist und in Zukunft eine vernünftige Quarantäne für Neuzugänge dann möglich sein wird und nicht nur ein provisorischer Kompromiß, wie er es vorher im Gäste-WC war.
Mit dem neuen Zimmer boten sich mir wieder neue Möglichkeiten und so entschied ich doch weiter zu machen mit der Pflegestelle. Ich entseuchte und renovierte den Katzenraum - und entseuchte auch meine Seele dabei ein Stück mit. Getränkt in Desinfektionsmittel, Farbe und Tränen versuchte ich meinen Frieden mit dem Raum zu machen und wieder das Schöne im Leben zu zu lassen. Dieser Raum hatte sovielen Tieren das Sprungebrett für eine Chance auf ein neues Leben gegeben, dorthin wollte ich wieder zurück.
Und es gab auch Gutes in diesem Jahr. So fanden im April nach fast einem Jahr Suche Knubbel und Piri endlich IHR Zuhause, in dem Knubbel knuddeln kann wann und wie er möchte und Piri Piri sein darf - das war ein ganz großer Lichtblick in all dem dunklen.
Im April half ich dann in Sachsen-Anhalt beim fangen und fing 2 Jungspunde und 2 Hochträchtige Mamas ein, die dann auf ihre jeweilige PS gingen. Eine der hochträchtigen fuhr ich selbst auf ihre PS und der Umfang des Bauches verriet, daß es 5 vor 12 war sie einzufangen. Die Fahrt war für mich unvergesslich, da die Maus unglaublich cool drauf war und aber so schnaufte, daß ich ständig Angst hatte, sie würde noch im Auto ihre Kleinen zur Welt bringen. Doch sie wartete artig bis zum nächsten Tag und brachte dann dort 7 Kleine zur Welt. Auch die 2. Mama wartete nicht lang und brachte ebenfalls wenige Tage später ihre Kleinen zur Welt.
Ebenfalls im April bekam ich dann die unschöne Nachricht, daß die Kleine Tamika die ich Anfang 2013 vermittelt hatte, zusammen mit ihrem neuen Kumpel Robbi ihr Zuhause verlassen muß. Da die beiden ein Herz und eine Seele waren, wollte ich sie nicht trennen und fand eine tolle Pflegestelle, die die beiden aufnahm. Ich fuhr die beiden aus ihrem alten Zuhause in ihre neue Pflegestelle und fand dann auch ein neues Zuhause für beide, wo sie jetzt wieder glücklich sind.
Im Mai überlegte ich mir dann eine Kastra-Aktion an meiner eigenen Futterstelle im Garten zu machen. Dort gab es immer noch einen seit Jahren unkastrierten schwarz-weißen Kater, der mal Besitzer gehabt hatte und nun aber scheinbar nur noch wild lebte und noch 2 weitere Kater-Neuzugänge - ein ebenfalls ganz wilder Tiger und ein nur halbscheuer Tiger.
In die Falle ging mir dann der Schwarz-weiße. Doch statt kastriert wieder raus mußte er als Zwangsinhaftierter nach der Kastra mein Gartengehege beziehen: er war
Fiv positiv, im schlechten Allgemeinzustand, hatte vergrößerte Nieren und blutig aufgeplatzte Pfotenballen. Sein Streunerleben war damit zu Ende. Man riet mir zur Einschläferung um ihm die Qual eines Lebens in Gefangenschaft zu ersparen. Doch ich wollte ihm eine Chance geben. Ich nannte ihn Jonny. Er berappelte sich gesundheitlich wieder gut und im Juli holte ich ihm dann die scheue Mama Kaya aus der April-Einfangaktion als Gesellschaft her und setzte sie zu ihm ins Gehege. Im Herbst holte ich die beiden in den Katzenraum, wo Kaya jetzt noch ist und weiterhin Menschengewöhnung lernt.
Den halbwilden Tiger fing ich dann im Juli ein. Marley bezog dann erstmal ein Gehege bei Streunerhilfenachbarn als Quarantäne und bis zum Aufbau des Impfschutzes und kam dann im September nach Mourinas Auszug in den Katzenraum, wo er noch immer ist und sich immer besser macht was die Zähmung betrifft.
Im August fand dann der Erstbezug des Katzenraums statt. Mir war wichtig, daß es sich um eine gesunde erwachsene und durchgeimpfte Katze handelte. Und so zog diesmal kein Wildchen ein sondern eine zahme Katze, die ihrer Besitzerin Probleme bereitete, da sie gern mal Angriffe startete. Moustache wurde von mir in Mourina umbenannt, durfte hier lernen, daß auch Menschen kätzisch können und zog dann zu einer Nachbarn von mir, wo sie jetzt glückliche Freigängerin ist.
Am 16.8. fand der Tod erneut mich und mein Leben - diesmal in anderer Gestalt. Die Sachsen-Anhalterin, bei der ich im April die Fangaktion gemacht hatte, fand eine Katze die über Wochen eingesperrt gewesen sein mußte. Sie war mehr Tod als Lebendig, nur noch ein Haufen Haut mit Knochen, war bereits teilweise apathisch. Es war Samstag Abend, bei ihr gibt es keine Tierklinik, sie hat kein Auto und der Dorftierarzt war gerade bei einem Viehnotfall.... ich überlegte nicht lang und fuhr zu ihr, packte die Maus ein und fuhr sie nach Berlin in eine Tierklinik. Wenn sie eine Chance haben sollte, dann würde das nur mit Intensivmedizin gehen. Die Fahrt mit der sterbenden Mietz auf der Beifahrersitz war hart. Ich wollte nicht, daß sie namenlos geht und nannte sie Thalia. Sie war mal eine wunderschöne Schildtpattkatze gewesen und ich versprach ihr, daß sie bei mir ein Zuhause haben würde, wenn sie es schaffen würde. Sie überlebte die Fahrt, doch starb dann in der Nacht in der Tierklinik. Ich holte sie wieder ab und begrub sie in meinem Garten.
Zeitgleich kämpfte ich um das Leben einer meiner eigenen Katzen.
Tabby hatte Nierenversagen und nach vielen auf und abs mußte ich sie leider am 19.8. gehen lassen. Erneut hob ich ein Grab für eine Schildtpattkatze aus... Mein
Tabby Tippeldi
Im Oktober meldete sich die Frau die damals Lani auf der Autobahnraststätte eingefangen hatte: es sind wieder Katzen dort. 2 Jungkatzen lagen bereits Tod auf der Straße, ein drittes rannte kopflos herum. Sie fing es ein und brachte es mir. Ich hatte im Sommer mein großes Gartenholzhaus beräumt und mit einer kleinen Wand zweigeteilt und in dieses Holzhauszimmerchen setzte ich das kleine Katerchen. Nouno war nach wenigen Tagen zahm und durfte nach 6 Wochen Holzhausaufenthalt in sein neues Zuhause mit Katerkumpelchen und Freigang ziehen.
Ebenfalls im Oktober fing ich ein neues Katermietz an meiner Futterstelle ein - Wasja wie ich ihn nannte heißt im richtigen Leben Goliath und war nur ein verfressener Nachbarskater, der nun wieder in seinem Zuhause ist.
Im November ging es dann mit vielen neuen Katzen weiter:
Kiro kam zu mir - ein Kater der lange Jahre als Terrassenkater gelebt hatte und nun massiv ins Haus drängte. Er fand kurzfristig ein Zuhause bei einer alten Dame, die aber mit seiner Größe und Gewicht nicht zurecht kam und so kam er nach einer Woche wieder zurück und wartet jetzt im Holzhaus darauf, daß seine neuen neuen Besitzer aus dem Feiertagsurlaub zurückkommen und er in sein neues Glück als geliebter Freigänger-Familienkater ziehen kann.
Nadir kam nach 2 Jahren aus der Vermittlung zurück. Ursprünglich war er ein wild geborenes Mietz aus Portugal. Nach ein paar Wochen im Holzhaus durfte er in sein neues neues Zuhause mit Katerkumpel ziehen, wo er nun Sonne in das Leben seiner neuen Dosine bringt
Auch im November neu kam dann Kimberly zu mir, eine ehemalige Futterstellenkatze, die wie Kaya hochträchtig eingefangen wurde und nach großziehen ihrer Kleinen nicht mehr zurück an die Futterstelle sollte, da dort eine Versorgung nicht gewährleistet wäre.
Mit Jeliah fand nun die erste Schildtpattmietz seit Thalia und Tabbys Tod wieder zu mir. Sie ist eine der hoffnungslosen Dorfkatzen aus dem Jenaer Raum ohne Futter und Unterschlupfmöglichkeiten.
Mikesch scheint ein Glückskind zu sein. Er war abgewanderter Hofkater, der fast zum Abschuß freigegeben worden wäre. Seine Fängerin hatte ihn gut angezähmt und so war er fast sofort zahm und konnte kurz vor Jahresschluß noch in sein neues Glück mit späterem Freigang ziehen.
Doch mein Wunder - das Weihnachtswunder für dieses Jahr - war Jonny. Nachdem ich ihn aus dem Gehege ins Haus holte, erinnerte er sich wieder an sein Leben als Menschenkater und aus dem scheuen grummligen Streuner wurde schlagartig ein Kuschelkater, der sich nichts sehnlicher wünschte als bei den Menschen zu sein. Und wie ich feststellen durfte mag er sogar Kinder und durfte kurz vor Weihnachten in sein neues Zuhause als geliebter Familienkater ziehen.
Dieses Jahr hatte mir den Tod in meine kleine Insel gebracht und ich mußte lernen das zu akzeptieren und trotzdem nicht aufzugeben. Ein harter Weg, die ständigen Testereien bei Lani und Arcana und immer wieder die Rückschläge, daß sie noch immer nicht aus ihrer Quarantäne befreit werden dürfen. Der Tod meiner
Tabby und der kleinen Thalia....
Dieses Jahr stellte mich auf eine harte Probe in jeder Hinsicht - Tod und Leben, Trauer und Freude sind so dicht beieinander ... einmal habe ich die werdende Mutterkatze neben mir im Auto, beim nächsten mal eine sterbende Mietz... 2 Jungspunde sterben einen sinnlosen Tod und ein alter Kater, den die meisten wohl hätten einschläfern lassen, wird zum Weihnachtswunder und neuem Lebensglück einer Familie...
Das Jahr 2014 geht - und ich bin mir bewußt, daß 2015 sicher nicht weniger aufregend wird. Ich weiß, ich kann dem Schicksal nicht entgehen und mit Sicherheit wird es auch in Zukunft Tod und Krankheit geben, es wird um mich keinen Bogen machen. Doch wenn ich mir eins wünschen darf für 2015, dann das es milde damit umgeht und daß es Gnade mit Lani und Arcana hat und sie bald frei von dem Virus sind, ihre Quarantäne verlassen dürfen und in ein schönes Zuhause ziehen dürfen. Wenn ihr noch ein paar Wünsche frei habt, dann denkt an die beiden...
Danke an alle die mitgebangt und mitgeholfen haben, die mir in dieser schweren Zeit zur Seite gestanden haben.
Hoffen wir, daß 2015 ein gutes Jahr wird - für alle...
Auf ein Neues....