Hallo ... ich bin neu hier, vielleicht auf der Suche nach Leuten zum Reden. Eigentlich weiß ich es selbst nicht so genau. Ich weiß nur, dass mein geliebter Kater vor fast 4 Wochen am 12.01.2013 gestorben ist - sein Name war Gaston, wir nannten ihn "Gassi". Und ich halte diesen Schmerz und auch die Schuldgefühle einfach kaum aus, alles ist so leer, ich bin täglich stundenlang nur am Heulen. Fast 19 Jahre wurde er alt, er war seit seiner 12. Lebenswoche bei uns - ich weiß auch, dass dies ungefähr 92 Katzenjahre bedeutet und somit ein stolzes Alter ist ... Er hatte eine Niereninsuffizienz und eine Kardiomyopathie - eigentlich ging es ihm gut, erst im September 2012 wurde es schlechter - 3x täglich Medikamente, er erblindete, tägliche Infusionen daheim - aber er kämpfte tapfer, er fraß, er wanderte umher, ging sogar in den Garten, er schnurrte ... Bis zu dieser schrecklichen Nacht, als uns ein Thrombus einholte ... Vielleicht muss ich ein wenig über uns erzählen, damit man die gesamte Situation besser versteht. Ich bin alleinerziehend mit einem schwerstmehrfach behindertem Sohn, der absolut hilflos ist, unser Freundeskreis extrem klein dadurch. Wir wohnen in einer sehr kleinen Stadt - die nächste Tierklinik war 30 km Serpentinenstraße von uns entfernt. Keiner der Tierärzte hier macht Hausbesuche, auch die Klinik nicht ...
Und so nahm das Schrecken seinen Lauf in dieser Nacht. Am Freitagabend brachte ich meinen Sohn zu bett, er schlief recht schnell ein. Draußen schneite es wie verrückt. Ich merkte schon, dass es Gassi nicht gut ging - er wanderte dauernd umher, allerdings sah es eher schleppen aus, er miaute auch, wenn man ihn anfasste. Mir war klar, wir brauchen die Tierklinik - nur war die Frage wie ... Wie gesagt, es schneite, die Klinik 30 km entfernt und ein schlafendes schwerstbehindertes Kind im Bett, was man nicht unbeaufsichtigt lassen kann. Welch ein Horror ... Ich beschloss erstmal nicht in Bett zu gehen, sondern bei Gassi im Wohnzimmer zu bleiben - zusammen ausharren bis zum Morgen, um dann irgendwie bei Tageslicht in die Klinik zu fahren. Ich schlief irgendwann auf dem Sofa ein, merkte zwischendurch nur, dass Gassi noch immer am Wandern war und keine Ruhe fand. Gegen 5 Uhr in der Früh stand ich auf, Gassi schleppte sich nun nur noch, machte unter sich, konnte mit den Hinterbeinen kaum aufstehen. Ich rief die Tierklinik an, um vielleicht doch Zuhause Hilfe zu bekommen, aber Irrtum - wir sollten hinfahren ... Einziger Rat - Aspirin geben - ich hatte keine im Haus ... Ich rief meine einzige Freundin hier an - die hatte Frühdienst, musste um 6 arbeiten und Aspirin hatte sie auch nicht ... Gegen 6 Uhr legte ich Gassi in sein Körbchen - er konnte nicht mehr laufen, ich machte ihm eine Wärmflasche und deckte ihn mit einer Decke zu. Ich überlegte krampfhaft, wie ich Hilfe bekommen könnte. Dann rief ich eine Betreuerin von den Maltesern an, die meinen schwerstbehinderten Sohn schon betreut hat - natürlich klingelte ich sie an einem Samstagmorgen aus dem Schlaf. Ich erklärte ihr die Lage und sie war bereit, zum Babysitten zu kommen. Also fing ich an, meinen Sohn fertig zu machen, damit er wenigstens angezogen war, gefrühstückt und seine Medikamente hatte - Gassi mauzent in seinem Körbchen immer neben uns. Ich sagte dauernd "Gassi, halt durch, wir fahren gleich" ... Wieder und wieder ... Und versorgte nebenher meinen Sohn. Erst kurz nach 9 Uhr kam dann endlich der Babysitter, nach ewigem Warten. Ich war so froh - endlich konnten wir los ... Als ich Gassi dann aus seinem Körbchen nehmen wollte, stellte ich mit Entsetzen fest, dass er nicht mehr warten konnte, dass die Zeit für ihn nicht gereicht hatte und er bereits aufgegeben hatte - wir hatten den Kampf verloren, er starb in seinem Körbchen bevor wir überhaupt los konnten ... Nun ist der Schmerz unendlich groß ... Aber ich werde auch mit meinen Schuldgefühlen nicht fertig - warum hab ich ihn in sein Körbchen gelegt, anstatt ihn bei seinem letzten Atemzug im Arm zu halten ... Warum hatte ich nicht mal blödes Aspirin im Haus ... Warum habe ich meinen schwerstbehinderten Sohn nicht einfach allein gelassen und bin in die Klinik gefahren ... Es bringt mich fast um den Verstand, zu wissen, dass ich nach fast 19 treuen Jahren mit Gassi nicht in der Lage war, ihm in seiner größten Not zu helfen ... Und ich bin völlig allein mit meinem Kummer - keiner versteht es, warum ich so ein Theater mache - und das auch noch nach fast 4 Wochen ... Gassi wurde einzeln eingeäschert, ich habe mich für eine mit seinem Bild handbemalte Urne entschieden und er ist inzwischen wieder bei uns - eine andere Entscheidung kam für mich nicht in Frage, da wir nur zur Miete wohnen und ich durch meinen Sohn sehr eingeschränkt bin und kaum auf einen Tierfriedhof hätte gehen können. Natürlich kam eine Masseneinäscherung auf keinen Fall in Frage - das hat Gassi sicher nicht verdient ... Nun ist er also wieder bei uns, wo er hingehört und fast 19 Jahre verbrachte ... Aber wie wird man mit dem Schmerz fertig, den Schuldgefühlen? Für mich ist es einfach nur die Hölle ...