Guten Morgen ihr Lieben,
diese Nacht war schrecklich. Gestern Abend habe ich schon gemerkt, dass Kelly weniger Kraft besitzt. Sie hat die ganze Nacht auf einer Decke vor unserer Schlafzimmertüre verbracht. Geschlafen hat sie nur teilweise. Heute früh habe ich dann erkannt, dass sie noch kraftloser ist. Sie hat nicht einmal mehr die Kraft Wasser zu trinken. Wir sind dann um halb fünf aufgestanden und haben uns etwas um sie gekümmert. Sie hat ein paar mal miaut und ich verstand, dass sie Schmerzen hat. Nun haben mein Mann und ich die Entscheidung getroffen, sie heute zu erlösen. Leider musste mein Mann in die Arbeit. Doch er will Mittags heimkommen. Ich werde später den Arzt anrufen und fragen ob er dann kommen kann.
Es ist so eine schreckliche Entscheidung. Und ich weiß einfach nicht, ob ich das richtige tue.
Aber wenn ich sie so liegen sehe, mit ihren geschwollenen Pfoten, dann bricht es mir das Herz. Jetzt hat Kelly etwas getan, was mich voll fertig macht. Ich öffnete meine Balkontüre zum lüften. Da kroch sie sich mit letzter Kraft hoch und lief auf den Balkon und legte sich dort hin. Früher hat sie Nächte dort verbracht und die Wiese beobachtet. Nun liegt sie dort auf einer Decke und blickt immer wieder in die Wohnung mit ihren kleinen süßen Augen.
Dann frag ich mich wieder, ob es heute doch der falsche Zeitpunkt ist. Doch meine Kräfte sind nun auch am Ende. Jedes Leid von ihr macht mich fix und fertig. Ich habe seit Tagen nicht geschlafen und fast nichts gegessen. Jetzt habe ich unheimliche Angst vor heute Nachmittag und den nächsten Tagen. Ich weiß, dass ich nicht mehr mit ihr Leiden werde, sondern um sie. Aber ich bin mir sicher, dass dieser Schmerz nicht anders sein wird. Warum nur tut die Liebe so weh? Ich bin so kraftlos, dass ich meine mich haut es mit ihr um.
Ich muss noch etwas loswerden. Kelly sitzt jetzt immer noch auf dem BAlkon und ich habe den Eindruck, als würde ihr die frische Luft gut tun. Sie versucht immer wieder ihre Augen zu schließen und etwas zu schlafen, aber immer wieder zuckt sie hoch. Es ist als würde sie alle Stellen die sie geliebt hat noch einmal besuchen, um sich davon zu verabschieden. Ich habe ihr heute früh gesagt, dass sie gehen kann und ich ihr dabei helfen werde. Doch sie blickte mich nur an. Kann es denn passieren, wenn der Tierarzt da ist und ihr die Spritze gibt, dass ich merke, es war zu früh, sie wollte noch nicht gehen. Was wenn sie mich mit vorwurfsvollen Augen ansieht? Ich glaube ich schaffe das nicht. Mein Mann meinte, ich sollte dann aus dem Zimmer gehen, aber dann würde ich sie in der wichtigsten MInute ihres Lebens allein lassen. Ich habe solche Angst, solche Angst. Gott steh mir bei, aber der hat uns auch verlassen, sonst würde er so ein Leid nicht zu lassen.