Vergangenen Sonntag, 5.5.13, wurde ich gerufen weil in einer Scheune eine Katze seit Stunden läge und nicht aufsteht, ich würde doch welche füttern. Als ich kam sah ich das es einer meiner Streunis war, die ich hier füttere. Ein ca. 3 Jahre alter schwarz weißer Kater, der im Normalfall ängstlich ist und sich nicht anfassen lässt. Nähern darf man sich, aber mehr auch nicht.
Ich sah das er sehr schwer Luft bekam, er hatte das Maul offen und er rang nach Luft, sein Brustkorb hob und senkte sich ganz heftig. Er hockte da und bewegte sich nicht, seine Augen sahen so traurig aus. Äußerlich sah man nichts. Ich tippte eigentlich auf das Herz und beschloss zur Notdienstvertretung meines Haustierarztes zu fahren. Der Kater ließ sich problemlos in die Box heben, da wusste ich das es ihm wirklich schlecht gehen musste, denn sonst wäre das unmöglich gewesen.
Beim Notdienst wurde erst keine klare Diagnose gestellt, Herz hörte sich nicht auffällig an. Tollerweise wurde mir für ihn Magen und Darmdiät angeraten und Enterogelan!!! Den Notdienst konnte man vergessen. Ich drängte auf ein Röntgenbild. In der Zeit in der wir auf das Röntgenbild warten mussten, lag der Kater in meinem Arm wie ein Baby, er krallte sich an mir fest, streckte den Hals ganz lang um besser atmen zu können und hechelte stark, sein ganzer Bauch hob und senkte sich ganz langsam und so heftig (wie wenn man beim
Arzt ganz tief ein-und ausatmen muss). Dann kam das Ausmaß seines Zustandes ans Licht.
Verdacht auf Zwerchfellriss!
Der Doc sagte das könne bei ihm keinesfalls behandelt werden und ich solle mich entscheiden ob ich sofort in die Leipziger Uniklinik fahre oder ob er ihn jetzt einschläfern sollte, denn der Kater würde elend ersticken wenn man das so lässt. Er erklärte mir, das sämtliche Organe in den oberen Torax vorfallen wenn das Zwerchfell gerissen ist und er dadurch erstickt.
Für mich stand fest ich fahre in die Klinik! Ich hatte ja keine Ahnung was da noch kommt. Von eventuellen Kosten hat der Doc kein Wort erwähnt und ich selbst stand so neben mir, mit dem sterbenden Kater auf meinem Arm, das ich auch nicht fragte. Ich fuhr los und telefonierte noch unterwegs mit einer Bekannten (auch Katzenfreundin), die mir sagte das ihr so ein Fall selbst schon passiert ist und das die reine OP alleine schon um die 800 Euro kosten wird. Ich habe in dem Moment gefühlt als würde die Welt zusammenbrechen! Ich hatte schon mit einer hohen Summe gerechnet (kenne ich ja schon), aber mit solch einem Betrag doch nicht! Die Bekannte bot sich noch an mitzukommen und wir verabredeten einen Treffpunkt. Ich rief noch Peter an, damit er Doc Schäuble fragt ob der das operieren würde und wenn ja, was das kostet. Doc Schäuble sagte das kann er nicht und das müsse man in einer Klinik machen. Alles lief neben mir ab wie ein Film, ich stand total neben mir und zitterte am ganzen Leib. Ich rief noch eine
liebe Forine an um einfach einen Rat zu bekommen was ich nun machen sollte, einschläfern oder operieren. Sie sagte sie könne mir da nichts raten, sie möchte aber nicht in meiner Haut stecken, so eine Entscheidung zu treffen aus rein finanziellen Gründen und sie findet es käme auf die Heilungschancen an. Ich fuhr und fuhr und fuhr......, abzubrechen kam mir nicht in den Sinn.
In Leipzig angekommen, ging es dem Kater sehr sehr schlecht. Er wehrte sich überhaupt nicht mehr und lag nur noch da, offenes Maul und Schnappatmung. Die erste Diagnose bestätigte sich, es war ein Zwerchfellriss, wahrscheinlich durch einen Unfall. Sie sagten mir ich solle mich entscheiden ob sie ihn nun behandeln sollten oder ob man ihn erlösen sollte. Ich sah den Kater an und seinen Hilfesuchenden traurigen Blick, mir schossen tausend Gedanken gleichzeitig durch den Kopf und ich brachte es nicht fertig ihn töten zu lassen, ohne versucht zu haben ihm zu helfen. Ich unterschrieb das er operiert werden sollte!
Sie sagten mir noch das die Chancen sehr schlecht stehen würden, denn in seinem Zustand ist eine Narkose ein sehr hohes Risiko. Sollte er die OP überleben, würde er wieder ganz gesund. Ich wollte es nun dem Schicksal überlassen, ob er leben sollte oder nicht. Ich weiß das ich mir schlimme Vorwürfe gemacht hätte, wenn ich ihn aus finanziellen und nicht aus medizinischen Gründen einschläfern lassen hätte........
Wir verabschiedeten uns heulend von dem Katerchen und die TÄ hat gesagt sie ruft mich auf jeden Fall Nachts noch an, wie die OP verlaufen sei. Um Mitternacht war ich wieder zu Hause und halb 2 rief die TÄ an (eine Chirurgin die sie eigens für den Kater aus dem Bett geholt hatten) und sagte das sie ihn doch erst mal in eine Sauerstoffbox verbracht hätten und versuchen ihn zu stabilisieren, weil sein Zustand so schlecht sei das man eine OP nicht wagen konnte. Am nächsten morgen wollte man es dann versuchen. Am Montag rief sie mich dann mittags an und mein Herz zersprang mir fast in der Brust weil ich dachte das ich nun seine Todesnachricht erhalten werde. Es war aber eine gute Nachricht, der Kater hatte tatsächlich die schwere OP überstanden und atmete schon wieder selbstständig, entgegen aller Prognosen!
Sie sagte das er zwar immer noch nicht über den Berg sei, es aber ganz gut aussieht. Seine inneren Organe waren teilweise schon in den Brustkorb gerutscht. Er lag in der Sauerstoffbox und wurde mit Schmerzmitteln versorgt. Die OP war erfolgreich. Er ist ein großer Kämpfer der noch nicht sterben wollte, obwohl sein Leben am seidenen Faden hing. Die TÄ sagte das die Kosten sich aber auf ca. 1000 Euro belaufen würden mit allem drum und dran. Erst da wurde mir schlagartig bewusst was ich nun für einen Berg an Schulden gemacht hatte und bin in ein tiefes Loch gefallen. Ratenzahlung machen sie nicht, das einzige was sie mir anboten war, das ich 400 Euro bei Abholung zahle und den Rest in 3 Monaten. So ist es nun und ich muss für meine Entscheidung gerade stehen, was ich auch tue, egal wie. Ich habe es nicht über mein Herz gebracht der Richter über Leben und Tod zu sein, obwohl das in meiner Situation der absolute Wahnsinn ist, ich weiß das alles. Aber als der Kater so in meinem Arm lag und um sein Leben kämpfte, konnte ich nicht sagen das er jetzt sterben soll......
Das ist mein Streunerchen: