Und plötzlich waren sie da...

Diskutiere Und plötzlich waren sie da... im Kittenaufzucht Forum im Bereich Katzenzucht und Nachwuchs; Huhu Foris, hier möchte ich Euch gerne die Geschichte erzählen, wie mir eine Streunerkatze zulief und was danach geschah. Es begann damit, daß...
  • Und plötzlich waren sie da... Beitrag #1
IndianasParadise

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Huhu Foris,

hier möchte ich Euch gerne die Geschichte erzählen, wie mir eine Streunerkatze zulief und was danach geschah.

Es begann damit, daß ich einen neuen "Mitesser" an einer Futterstelle hatte, das war Anfang Herbst 2012. Zunächst unsichtbar, aber auf jeden Fall täglich an den Futterschüsseln ;-) merkt man ja an den Mengen...

Als ich das kleine, völlig heruntergekommene Fellchen das erste mal sah, kamen mir die Tränen. Struppig, mager, blutige Ohren, außen wie innen, sowie noch weitere Blutspuren an Kopf, Hals, Beinen. Das weiße Fell vergilbt, das ganze kleine Kätzchen in einem äußerst bedenklichen Zustand. Sie versteckte sich in einer der für die Wildchen aufgestellten Thermoboxen. Dort lag sie Tag & Nacht, zitterte, aber sie futterte weiterhin tapfer.
Nach einiger Zeit ließ sie sich sogar kraulen - im Thermohäuschen liegend, schnurrte sie dann sogar!

Eines Tages kam sie aus dem Häuschen gewackelt und ich sah von der direkten Nähe ihren erbärmlichen Zustand. Sie krabbelte auf das Futterbrett und fraß, schaute aber immer wieder kläglich miauend zu mir zurück.
Kurz entschlossen, obwohl ich sowas nach meiner Katzenbißerfahrung, welche im KH endete, nie wieder machen wollte, entschloß ich mich, sie mit den Händen zu fangen. Zog also meinen Rock aus, legte ihn über sie, schnappte zu u wickelte sie so gut wie möglich ein, damit meine Verletzungen sich in Grenzen halten würden.

Trug sie zum Freigehege - unter heftigster Gegenwehr - und wußte genau, daß mir nur diese eine Chance bleibt, sonst würde ich sie nie wieder kriegen. Mußte also zum Leidwesen der Katze auch ziemlich zupacken, bugsierte sie jedoch tatsächlich sicher in das Freigehege. Türe zu und erstmal gut. Ließ sie in Ruhe ihren Streß verarbeiten und schaute nur versteckt hinter der Gardine durch die Terrassentüre hinaus.

Ihr Thermohüttchen, welches schon mit Heu und Fell ausgestattet war und ihren Geruch hatte, trug ich ebenfalls dort hinein; sie nahm es auch sehr schnell an und lag dann zusammengekringelt warm verpackt.

Der Tierarzt kam am Abend hierher, diagnostizierte eine schwere Mittelohrentzündung u spritzte AB, alle 2 Tage, 3mal hintereinander, u gab Surolan in die Ohren. Es wurde dadurch besser - viel besser. Der brachiale Gestank aus den Ohren verflüchtigte sich langsam, der Eiter ging zurück, das Blut verkrustete - sie hatte sich beim dauernden Kratzen unter Schmerzgeschrei die Ohren schon fast zerfetzt :shock:
Das Miezelchen lag total erschöpft und regungslos in ihrem Häuschen, ließ alles ohne Gegenwehr über sich ergehen - lange hätte sie nicht mehr durchgehalten.

Das Futter mußte ich ihr in einem kleinen Tellerchen vor die Nase halten, dann aß sie aber auch wirklich zufriedenstellend. Oder auch gerne aus der Hand ;-) und sogar vom Löffel :-D
Langsam wurde sie kräftiger und mobiler, erkundete das Freigehege, setzte sich auf den Holzstapel als Ausguck und betrachtete ihre kleine Welt. Damit war sie zufrieden, wollte gar nicht raus.
Wegen der täglich nötigen Behandlung wurde sie scheuer - dieses Festhalten gefiel ihr nicht.

Noch immer wußte niemand, welches Geschlecht sie hat, es war auch in den folgenden Tagen nicht feststellbar. Der Doc u ich wollten sie sowenig wie nur irgendmöglich ärgern, also war das erstmal völlig nebensächlich.

Dies ist bereits die 2. Foto"session" vom Kätzele, da sah sie schon wesentlich besser aus; sie putzte sich bereits wieder, was ja vorher gar nicht der Fall war, und schaute schon wieder "klarer" in die Welt. Die Einrisse der Krallen in den Ohrenrändern verheilten.
(Die ganz elendigen Bilder der ersten Tage möchte ich ungern zeigen, sie sind nicht gut zu verkraften und das Miezelchen in seinem Elend.... ich fände das etwas unwürdig.)

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So, das war der erste Teil - der nächste folgt etwas später, aber heute noch :-D
 
  • Und plötzlich waren sie da... Beitrag #2
so eine hübsche!
bin gespannt wie es weitergeht :p
*abonniert*
 
  • Und plötzlich waren sie da... Beitrag #3
Ein bildhübsches Kuh-Kätzchen! Danke, dass Du sich um sie kümmerst und sie eingefangen hast!
 
  • Und plötzlich waren sie da... Beitrag #4
Sorry, hatte meinen eigenen Thread nicht mehr gefunden .... :oops::oops::oops: .... Jetzt gehts weiter!

Nachdem das Kätzchen also sein Geschlecht nicht verraten wollte und auch nichts zu erkennen war, bekam es erstmal einen geschlechtsneutralen Namen: Romeo, mein geliebter Kater, sieht ihr extrem ähnlich, ebenso Juliet, seine Schwester. Also war es naheliegend, diesen Namen auszuwählen: Shaky, abgeleitet von Shakespeare. ;-)

Die notwendige Behandlung ihrer Ohren fand sie gar nicht gut, dementsprechende Abneigung gegenüber Menschen und vor allem Menschenhänden entwickelte sie. Kraulen ging nur noch, wenn sie in ihrem Häuschen lag. Hinterhergehen führte zur Flucht. Ihre Angst und Panik wuchs und wuchs...
Das war natürlich eine ziemliche Zwickmühle: einerseits wollte ich ihr Vertrauen gewinnen, andererseits mußte ich sie mind. 2 x tägl. behandeln.

Nachdem die sechs Tage mit den AB-Spritzen erstmal vorbei waren, meinte der Doc beim letzten Besuch: eine noch (also eine Injektion), dann Pause mit AB. OK, das machte er - da wehrte sie sich aber schon lautstark, weil sie natürlich kräftiger als noch eine Woche vorher war.
Ich ahnte unslösbare Probleme und kam mir ganz schön sch*** dabei vor, als ich an eine Abgabe an das Tierheim dachte. Jedoch hielt mich das Gefühl, sie sei dort wohl eher ein Euthanasie-Patient als gut aufgehoben, davon ab. Also mußte ich mich der übernommenen Verantwortung stellen, egal wie.

Die Nächte wurden kühler und dauerhaft kann so ein krankes Tier nicht im Freigehege bleiben, zumal sie dort im Einzelknast war. Und meine Katzen das Gehege, in dem sie nachts gerne sitzen, nicht mehr nutzen konnten. Wie sollte ich reagieren? Erstmal Ratlosigkeit und der Gedanke, sie ins Bad zu verfrachten. Bloß wie?

Das kluge Kätzchen nahm mir die Entscheidung einfach ab!!! :mrgreen:
Als ich durch die Terrassentüre ihre Futterschüsselchen hineintragen wollte, flutschte mir was kleines, weiches durch die Beine - schwupps, war sie im Haus.
Erstmal großer Schock, Türe offengelassen, in der Hoffnung, sie ginge freiwillig wieder raus.
Nee!!! Sie stromerte vorsichtig durchs EG, fand das alles sehr interessant - und ich schaute hilflos zu, denn sie lief ja vor mir weg - an Einfangen war nicht zu denken.
Nachdem sie dann freundlich ein, zwei Katzen begrüßte und diese nur doof aus der Wäsche schauten, war mir klar: die kennen sich schon von draußen!
Bei Katze drei und vier lief's genauso. Ich war schwer verblüfft. Da kamen nur erstaunte Blicke nach dem Motto: "Mama, was macht DIE jetzt hier drin??" und alle, inklusive Shaky, setzten sich nur immer wieder verblüfft auf den Hosenboden und schauten.
Dann kam Paule, der Cheffe über alle, hinein. Ich ahnte Streit. :shock:
Nö.
Er ging an ihr vorbei, begrüßte mich freundlich so wie immer, und hockte sich dann an den Futternapf. Erst als Shaky sich daneben setzte, fauchte er einmal. Shaky blieb sitzen, Paule fraß weiter.
Fertig.

Irgendwann am Abend wurde es zu kalt, um die Türe dauerhaft aufzulassen. Sie ging nichtmal in die Nähe dieser Tür. Also schwand die Hoffnung, sie wieder ins Freigehege bugsieren zu können. Ich richtete mich auf eine unruhige Nacht ein.

Wo überall sich Shaky aufhielt, ist mir bis heute unklar, denn als alles dunkel war und auch die Nachzügler heimkamen, gab es trotzdem keinen Zoff. Shaky neutralisierte sich förmlich in der Katzengruppe. Die unruhige Nacht fand also einfach nicht statt.

Am Morgen füllte ich wie immer zig Futterschälchen - Shaky setzte sich zögerlich an eines der abseits stehenden Tellerchen und futterte.
Die Katzenklappen wurden geöffnet, die Türen auch (hab Gittertüren davor) um alles schön zu lüften. Fast alle gingen raus - nur Shaky nicht. Ich band die Katzenklappe für das Freigehege hoch --- keine Chance. Sie meinte drinbleiben zu müssen und zog das dann die folgenden Monate voll durch! :shock::mrgreen:

Ich hatte also eine "wilde" sprich nicht berührbare Katze im Haus. :mrgreen::mrgreen::mrgreen:
 
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  • Und plötzlich waren sie da... Beitrag #5
Ich bin sooo gespannt auf die Geschichte! *abonnier*
 
  • Und plötzlich waren sie da... Beitrag #6
*abonniert*
 
  • Und plötzlich waren sie da... Beitrag #7
wie sieht denn Dein Rock aus? Konntest Du ihn je wieder anziehen? :mrgreen:
 
  • Und plötzlich waren sie da... Beitrag #8
Nee, der is hinne :oops:
War so ein luftiger, leichter "Hippierock", der bis zu den Knöcheln ging.
Hat's net überlebt. Aber wenigstens mußte ich nicht wieder ins KH. ;-)
 
  • Und plötzlich waren sie da... Beitrag #9
So, nachdem ja dann geklärt war, wo das Kätzle zu wohnen gedachte, sowie die Aufregung in der Gruppe sich kaum zeigte - wenn überhaupt welche da war - lebten hier also den Winter über: 1 Mensch, 1,5 Hunde, 13 zahme Katzen und ein Wildchen.
Allemann/fraun in einem Haus, alles offen, außer den beiden Badezimmern, wo es Türen gibt.
Verständlicherweise waren die Versteckmöglichkeiten für Shaky immens: 1 offenes EG mit Küche auf Beinen, Schränke teils mit so hohen Füßen, daß sie drunterkrabbeln/robben konnte, 1 offenes OG plus offenem Spitzboden und offenem Gebälk im DG.
Nicht nur all die Schlafplätze, sondern auch der Catwalk, die Bretter an den Wänden - 1001 Versteckmöglichkeiten, die Miezen für sich nutzen können, aber mensch nicht drankommt :shock:

Wir verbrachten also die folgenden Monate mit einigen immer wiederkehrenden Tätigkeiten: Mensch muß Mieze behandeln, Mieze läuft weg. Also wird stundenlang mit Katzenminze, Baldriankisschen, Spielzeug gelockt und beruhigt, bis Mieze irgendwann im Kennel ist und mensch das glibberige, schmierige Ohrenzeugs reinmachen kann.
Noch schlimmer gestalteten sich - nachdem die Ohren wieder schlimmer wurden - die Fahrten zum Doc. Hatte ich das Glück, sie bereits abends im Bad separieren zu können, fand der Termin am nächsten Morgen statt. Ansonsten mußte kurzfristig abgesagt werden, was das Verhältnis Tierarzt - Katzenhalter nicht wirklich positiv förderte.

Aber: bei einem erfolgreichen Einfangversuch (ohne Verletzungen beiderseits) brachte ich sie doch irgendwie in die TK. Wieder AB - diesmal ein Langzeit-AB, welches auch überraschend gut anschlug. Behandlungsbeginn mit Aurizon.
Nach der zweiten Flasche Aurizon stellte ich beim Lesen des Beipackzettels entsetzt fest, daß dieses Mittel bei nicht mehr stehendem Trommelfell kontraindiziert ist :shock::shock::shock:
Ich las ihn, weil dem Miezi die Haare am Köpfchen en masse ausfielen.
Telefonische Beratung mit dem TK-Doc: sagt er ja, ist richtig - aber wir müssen eine praktikable Lösung haben und dieses Risiko eingehen. Das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis.
Ok, ich war ein wenig, aber nicht ganz beruhigt.

Achso, bei dem TK-Besuch konnte dann auch endlich festgestellt werden, daß es sich um ein Mädel handelte :d078::d078::d078: - kein Chip, kein Tattoo, nirgends vermißt (hab alles abgeklappert, was nur ging), hatte schonmal nen Wurf, also älter als ursprünglich geschätzt.
Katastrophale Zähne, F. O. R. L., dann diese Ohren - die permanente Entzündung kam von Polypen :cry: die unbedingt operiert werden mußten - bloß war sie noch lange nicht narkosefähig.

Wie ein Shaky benahm sie sich nicht, das paßte irgendwie so gar nicht zu diesem scheuen Wesen. Ich mußte immer an Shakin Stevens denken - nee das ging gar nicht. Shakespeare selbst war ein Kerl: also mußte ein neuer Name her.
Was paßte zu einer so zierlichen, süßen, liebenswerten kleinen Maus? Richtiiiiig: TIFFANY
Nach dem Film und dem Lied.... alle meine Tiernamen haben einen intensiven Bezug zur Musik, Kunst u./o. USA. So paßte dieser wunderschöne Name also voll ins Progamm.

So gingen also der Winter und Weihnachten sowie der Januar ins Land. Wir kämpften noch immer. Um Vertrauen, um das zeitgerechte Verfrachten in den Kennel für die notwendigen TK-Besuche. Das AB injizierte ich mittlerweile selbst, damit sie nicht dauernd gefahren werden mußte.

Ihr Gesamtzustand besserte sich zusehends, wenn auch langsam. Aber es ging stetig aufwärts, sie nahm gut zu, futterte brav alles, was ich ihr vorsetzte, und dann -- ja dann kam DER Tag. Dieser eine Tag, den ich nie vergessen werde:

Spät am Abend, alles schlief, ich hing schon mehr mit halbgeschlossenen Augen im Sessel als daß ich mich noch auf meinen Spätfilm konzentrieren konnte. Das Feuer prasselte gemütlich im Ofen, draußen lag ne Menge Schnee und es war sooo kalt.... da schlich ganz leise und langsam und vorsichtig ein weiches kleines Fellchen auf meinen Schoß und kuschelte sich in meinen Arm.

Das Eis war gebrochen!!!

Ich heulte vor Freude und kriegte mich gar nicht mehr ein.
Seit diesem Tag gings permanent aufwärts.
Jeden Abend kam sie in meinen Arm zum kuscheln. Lag dort begeistert schnurrend und wir schwitzten uns gegenseitig voll - sch**egal, wir genossen es einfach.
Sie schlief ein, sie tretelte, sie wälzte sich nach hier und nach dort, mein Arm schlief ein, alles taub, die Hand nicht mehr beweglich. Wurscht, Hauptsache sie kam zur Ruhe und fand Vertrauen.

In diesen Momenten war klar: wir gehören zusammen, wir werden uns nicht mehr trennen. Sie darf hierbleiben und soll ein schönes, glückliches Katzenleben führen dürfen, genau so, wie sie es will.
 
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  • Und plötzlich waren sie da... Beitrag #10
Applaus für diese wunderschöne Geschichte!
 
  • Und plötzlich waren sie da... Beitrag #11
*schnief* schluck*...hach wie schön!!! Danke für Deine Geduld. Ich freu mich sehr für euch beide!!!
 
  • Und plötzlich waren sie da... Beitrag #12
Ach ich hab auch grad Tränchen in den Augen vor Rührung an diese Erinnerungen. Dieses arme Miezelchen war sowas von verstört, ängstlich, panisch, hatte dauerhafte schlimmste Schmerzen - und war doch immer nur scheu, zurückhaltend, niemals aggressiv. Sie ergab sich -wenn Behandlungen anstanden- hilflos in ihr Schicksal, weil sie doch nicht verstand, daß wir bösen Menschen es nur gut mit ihr meinen/meinten.

Aber sie war so schlau, daß sie auch merkte, daß man ihr helfen wollte; daß die Schmerzen gelindert wurden, ihr Gesundheitszustand besser wurde.

Die viele Ruhe, die hier herrscht, war ihrer Seelenlage zuträglich. Sie konnte sich von den schlimmen Erfahrungen ihres Vorlebens ein wenig erholen. Und sie blühte regelrecht auf.... aber das kommt später.

Die Geschichte fängt ja gerade erst an ;-)

Da passiert(e) noch viel viel mehr..... :mrgreen:
 
  • Und plötzlich waren sie da... Beitrag #13
....ohh...schnüff...schmacht...*gerührt ist*
 
  • Und plötzlich waren sie da... Beitrag #14
Och, jetzt möchte ich es aber auch wissen! :shock: Wie ging es weiter?
Erzähl, erzähl!
 
  • Und plötzlich waren sie da... Beitrag #15
Also gut, :-D dann heute noch ein Teil:

Natürlich war die junge Dame dann auch äußerst geneigt, immer öfter in meinem Bett zu schlafen. Was zu anfänglichen Diskussionen mit den anderen Bettschläfern führte, sich jedoch mit der Zeit regulierte. Da ich allabendlich deutlich machte, dass ICH Cheffin im Bette bin, arrangierte miezbande sich neu und konnte - nachdem sie ja eh schon die ganze Zeit da war - das Ganze auch relativ konfliktfrei regeln.

Es ging eine Weile gut, richtig gut.

Aber dann kam der Tag, wieder so ein besonders bemerkenswerter Tag, an dem ich vor Freude fast ohnmächtig wurde: mein Doc rief an und fragte, ob ich nen Tiger vermisse, vielleicht den Woody? Ich sage: "nee, der Woody is daheim". Aber warte mal .... die Whitney ist doch schon seit 28. Juni 2012 verschwunden, sie wurde mit Woody gemeinsam kastriert. Also sind die Tattoo-Nr. fortlaufend... große Hoffnung keimte in mir auf, schliesslich war bereits der Valentinstag vorbei und ich trauerte noch immer ganz schrecklich um meine kleine hübsche Whitney, die schon soooo lange verschwunden war.
Ein paar Telefonate hin und her, hin und her, dann bekam ich eine Nr. aus dem übernächsten Nachbarort. Dort rief ich an und konnte sofort hinfahren: im Dunklen bog ich in die Straße ein, Winter, kalt, Schnee überall. Steht eine Frau am Straßenrand, ein Kätzchen neben sich.
Ich bremste mitten auf der Straße, stieg aus und fiel mitten drauf vor Freude, Erleichterung und was-weiß-ich-noch-allem einfach schluchzend auf die Knie: meine WHITNEY lief auf mich zu!!! Nach acht(!!!) langen Monaten hatte ich meine geliebte Mieze wieder, mein wunderbares Mädchen. Am 16. Februar war das.

Die Kleine war nicht mehr gewachsen, seit sie verschwunden war, noch immer so winzig und zierlich. Aber normal ernährt, seidiges Fell... ergo war sie irgendwo drinnen eingesperrt die ganze Zeit. Naja, das ist eine andere Geschichte, die kann ich separat erzählen.
Hauptsache war, ich hatte sie wieder.

Doch beim Heimkommen ergaben sich Probleme: für Tiffany war Whitney eine Fremde. Für Whitney war bis auf Tiffany die Welt wieder in Ordnung, da sie ja nun endlich wieder daheim war und alle ihre Kumpelinen und Kumpels wieder hatte; welche sie übrigens übereinstimmend alle sofort wieder erkannten und begrüßten!
Soviel zum Thema "Katzen vergessen ihre Freunde nicht!!"

Nun gut, Tiffany gab das Bett frei, auf dem sie so oft auch tagsüber gerne lag und trat es an Whitney ab, die durch ihre lange Abwesenheit schwerst gestört war, verängstigt, panisch, und die nächsten Wochen erstmal im OG verbrachte, damit sie an keiner Türe mehr vorbei mußte. Die Angst, wieder raus zu müssen, war ihr im Gesichtchen ablesbar.

Nach zwei Tagen war es Tiffany aber zu blöd. Sie meinte, das Bett sei groß genug für zwei. Was auch Whitney einsah. So residierten die beiden Damen also gemeinsam oben auf der dunkel-pinkenen Samtüberdecke. Wobei ihnen das unabgedeckte Bett wegen des Kuschelfaktors der Bettwäsche, -decken und -kissen eigentlich lieber war. Schliesslich hatte Mama das Bettchen auf 33°Grad stehen (Wasserbett) und da konnte miez soooo schön drauf ruhen *schwabbel-schwabbel* :mrgreen:

Beide kurierten gemeinsam ihre Ängste langsam aus - unter Zuhilfenahme reichlicher Schmuseeinheiten seitens Dosi - freundeten sich an und fanden das Leben immer lebenswerter.

Als dann Tiffany endlich so weit hergestellt war, daß sie operiert werden konnte, kam die nächste schlimme Phase.

Später mehr, hab noch was zu tun. Aber nächster Teil folgt auf jeden Fall heute noch, ok!? ;-):-D
 
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  • Und plötzlich waren sie da... Beitrag #16
Seufz okay.
Geduld du haben musst, junger Jedi :mrgreen:
 
  • Und plötzlich waren sie da... Beitrag #17
Heute noch? Das ist ja toll :D
Es ist so super schön zu lesen, so viele positive Zufälle und Entwicklungen!!
 
  • Und plötzlich waren sie da... Beitrag #18
  • Und plötzlich waren sie da... Beitrag #19
Es ist mir ausgesprochen peinlich :oops: gestern abend binsch im Sessel mit Mieze auf mir drauf doch wirklich einfach eingeschlafen :oops: und dann war mein Text weg.
Hier kommt der versprochene Teil, heute schreibe ich im Verlauf noch so viele Teile wie ich schaffe - damit Ihr zufrieden seid ;-)

Aaalso, nachdem meine beiden Angstkätzchen sich seelisch-moralisch erholten und ich sie weiterhin gut päppelte, wurde Tiffany -trotz ihres schrecklichen Aussehens, weil der Kopf, die Ohren und die Seiten darunter mittlerweile großflächig kahl waren- gesundheitlich stabil. Sie kratzte nichts mehr blutig, sie war op-fähig - also wurde Termin gemacht.
Gleich drei große OP's standen an: Ohrenpolypen entfernen, sehr aufwändig und schwierig, komplette Zahnsanierung, Kastration.
Die o. g. Reihenfolge war vom Doc in ihren Dringlichkeitsstufen so festgelegt. Da Tiffany das Haus sowieso nicht freiwillig verließ, sah niemand ein Problem darin, als nach den ersten beiden OP's die Kastra nicht möglich war. Ich mußte zwar damit rechnen, daß sie rollig würde, aber das ließ sich ja handeln.
Sie bekam eine dreimonatige Narkose-Pause auferlegt, erholte sich von den Eingriffen und wurde weiterhin hingebungsvoll von mir gepflegt.

Das Vertrauensverhältnis wurde trotz der zu Hause täglich anstehenden Behandlungen langsam immer besser. Tiffany blühte förmlich auf in ihrem neuen Leben, mit einer kleinen Freundin, all den anderen netten Miezen und schloß eine Freundschaft nach der anderen.
Sehr gerne lag sie dann auch Po-an-Po mit jemand Kätzischem auf dem Sofa, abends natürlich stundenlang in meinem Arm, was mir langsam gesundheitliche Problem mit genau diesem bescherte ;-)

Der Winter war ja leider extrem lang und hart, unglaublich kalt, bei uns lag den ganzen März noch dicke, geschlossene Schneedecke und es schneite immer wieder. In diesem Winter ließ sich feststellen, wieviele Miezen tatsächlich auf so ein Sofa passen :mrgreen: die halbe Mannschaft lag drauf versammelt, die Katzenbettchen wurden zu zweit genutzt, oder auch mal zu dritt, alle Hocker und Sessel waren nicht nur mit künstlichem Schaffell, sondern auch echtem Katzenfell drapiert. :d078:
Jeden Abend mußte ich den Kampf um meinen Sessel neu führen, um dann sofort nach dem Platz nehmen von drei Fellchen "belegt" zu sein.

Tiffany hatte sich hervorragend in diese doch wirklich große Gruppe integriert. Whitney taute zusehends auf. Das Leben war wieder schön :-D
Dann kam der 8. April. Dieser Tag sollte so einiges verändern. :shock:
Ich war von früh bis spät bei Gericht. Die Hunde draußen, die Miezen machten, was sie wollten.
Offensichtlich war meiner kleinen Hündin irgendwann langweilig, jedenfalls zerstörte sie die hintere Katzenklappe (sie quetscht sich da gerne durch, um ins Haus zu kommen). In diesem Fall war sie wohl schon drin gewesen, denn die abgebrochene Klappe lag draußen vor der Türe, als ich heim kam.

Tiffany, die die Katzenklappe nur nutzte, wenn sie hochgebunden war (sie konnte es nicht ertragen, mit ihren geschädigten Ohren durch die Klappe zu schlüpfen), war bis dato reine Hauskatze gewesen und nutzte nur hin und wieder mal das Freigehege.
Alle kamen heim und wurden gefüttert, doch Tiffany konnte ich nirgendwo finden :-( Hab das ganze Haus abgesucht, bin mit der Leiter auf den Spitzboden - meine Tiffany blieb verschwunden :-(
Am nächsten Morgen war klar: sie ist nicht im Haus versteckt, sie ist irgendwo draußen. Bloß wo???

Also ging die Suche los. Tag wie Nacht, überall herumgefahren. Die Nachbarn alle abgeklappert. Zettel im Dorf aufgehängt. Vermißtenmeldung bei TASSO & Co.
Die Sorge wurde immer größer, ich konnte nachts nicht schlafen, war dann also draußen mit Scheinwerfer unterwegs - doch ich fand sie nicht.
Ich fühlte ganz sicher, daß sie noch lebte. Und war mir auch sicher, daß sie heim wollte und nur nicht konnte. Was mein Nervenkostüm natürlich noch löchriger werden ließ.

Nach fünf Tagen, am Freitagabend gegen 21.30 Uhr, spazierte sie um die Hausecke, schlüpfte durch die Katzenklappe hinein und begrüßte mich gründlich. Sie sah komisch aus, verfleckt, so gelb und grünlich, roch wie ein alter Keller, so richtig nach modrigem Gewölbe und Schimmel - igitt.
Aber sie war unversehrt wieder daheim! DAS war alles was zählte! Keine Verletzungen, bissel mager, aber das holte sie schnell wieder auf.
1. Weg war an die Wasserschüssel, 2. Weg an die Futterschüssel. Dritter Weg auf meinen Schoß. Da blieb sie, stinkend wie sie war, erstmal liegen. Am nächsten Tag begann sie sich ausführlich zu putzen und wurde wieder sauber.

Es war ein Rückschritt, was ihre Ängste betraf. Sie verweigerte sogar das Freigehege. Folgte mir wie ein Schatten oder verbrachte Stunden auf der Couch oder auch auf dem Bett. Ich war einfach nur glücklich, sie wiederzuhaben. Dann kam die Schönwetterperiode im April: sie ging mit mir raus auf die Veranda, in den Garten, sogar bis zu den Pferden (diese leben auf dem hinteren Teil des Grundstückes), aber niemals blieb sie draußen, wenn ich Richtung Haus ging. Wie ein Hündchen war sie immer dabei, mein kleiner Schatten.

Wir gehen jeden Morgen spazieren, da ging sie nie mit. Doch auf einmal traute sie sich. Die Freude war groß, die ganze Katzenbande, die Hunde, alle gingen sie jeden Morgen mit mir mit, die Pferde auf der Koppel besuchen. Es wurde gespielt, gerannt, getobt. Die Bäume wurden erklommen, sie eiferten sich gegenseitig nach, wer am schnellsten und am höchsten usw. kam - na, wie richtige Katzen halt. Und Tiffany machte mit! In ihr Gesichtchen kam ein lebhafter Zug, man erkannte Lebensfreude, sie wurde zusehends lockerer - es war wirklich traumhaft, mit anschauen zu dürfen, wie dieses einstmals völlig fertige und gequälte Kätzchen auflebte. Oft weinte ich vor Freude, daß es ihr so gut ging.

Die Ohren wurden erstaunlich schnell besser. Das Fell begann, dicht und seidig nachzuwachsen. Der gesamte Fellzustand überhaupt hatte sich von Oktober bis April ganz unglaublich verbessert.

Dann kam die Regenzeit. Mensch und Katz mummelten sich wieder ein, waren viel im Haus. Mir erschien noch immer alles normal, mit Freude stellte ich fest, daß Tiffany ordentlich zugelegt hatte. Sie wurde immer anhänglicher, immer schmusiger, erzählte mir sehr viel. Quatschte mir förmlich die Ohren voll, den lieben langen Tag :mrgreen:

püüühhh..... nachher gehts weiter ....
 
  • Und plötzlich waren sie da... Beitrag #20
Toll, danke :oops:

ich versuche mich mal im Raten und denke mir dass klein Tiffany so schön zulegt, weil sie etwas in sich trägt:?::?::?:

*gespannt auf fortsetzung wartet*
 
Thema:

Und plötzlich waren sie da...

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