So, die letzte Wohnungsbastion wurde gestern von Dr. Quincy eingenommen: der Küchentresen, Luckyleins letztes Refugium und Fressplatz.
Meine (offene) Küche hat, das muss ich dazu sagen, einen „Handlauf“ – zum Aufhängen von Handtüchern etc.; also im Prinzip: Küchenmöbel bzw. Arbeitsplatte, Abstand, Handlauf. Für Lucky und Daisy war das nie ein Problem, die wussten genau, dass dort eben eine Lücke ist. Nach Quincys Gitterregalunfall allerdings habe ich letzte Woche noch einmal einen Kontrollcheck gemacht und eben dabei das Handlaufproblem erneut in Augenschein genommen. Vor meinem geistigen Auge rutschte Quincy mit einer Pfote in die Lücke und hing quasi fest.
Aber wie diesen Spalt abdecken? Holzlatte gesucht. Unmöglich. Dann fiel mir die Rolle Knickwinkel ein. Probiert. Größe passte. Also Knickwinkelband mit Panzerklebeband über der Lücke befestigt. Bombensicher! Sieht mega-unschön aus (Ästhetik: 6 setzen!), erfüllt aber seinen Zweck.
Quincy hatte – bis gestern – die Technik des Standsprunges noch nicht raus: mit etwas Abstand in einem „Hopp“ auf den Tresen. Das mit dem Abstand (Erdmännchenhaltung führt ja bekanntlich zu nichts) und dass in der Ruhe die Kraft liegt, das hatte er bislang noch nicht kapiert.
Gestern abend kam ich spät nach Hause und suchte nach der „Pfauenfeder“, um mit den beiden Zwucks zu spielen. Ich hatte sie vor Tagen in einer Notaktion (Quincy war da so drauf fixiert, dass ich sie schnell „aus den Augen“ wegräumen wollte) einfach in den Geschirrschrank gesteckt. Da klemmte sie nun hinter den Tellern. Ich also voll konzentriert rumgewerkelt, damit die davor stehenden Tassen nicht rausfliegen, da sehe ich aus den Augenwinkeln neben mir auf dem Tresen graues Fell. Nee. Nicht beige bzw. „cream“, sondern grau bzw. „lilac“. Er hatte es geschafft…
Das wurde ein langer Abend, denn nichts schien von größerem Interesse als das Abschnüffeln und Explorieren der Küche von „oben“. Lucky schaute mich die ganze Zeit mit großen Augen an, als wolle er sagen: Nee, das nicht auch noch! Das gehört doch mir!
Aber es war ja absehbar, und ich war froh, dass die Knickwinkelpanzerklebeband-Lösung 1A installiert war.
Das echte Problem, das sich jetzt ergibt, ist die Fütterung: Lucky ist ein Häppchenfutterer. Also ganz und gar nicht gierig. Sein Futter stand immer zur freien Verfügung „oben“ auf dem Tresen. Nicht super gesund, einschließlich Trockenfutter; nicht den Zeigefinger heben bitte, ich weiß, aber das ist eine andere Geschichte, die ich im Lucky & Daisy Thread beschrieben habe.
„Unten“ seit Quincys Einzug: hochwertigstes Nassfutter, das Lucky aber seit dem 13.9. nicht einmal mit dem Hintern angeschaut hat. Quincy allerdings war immer hochinteressiert an Luckys „Knuspergeräuschen“ von oben. Nahezu fixiert. Ein paar Bröckchen gab es für sein Fummelbrett. Tja, keine gute Situation. Ich hätte nach Quincys Einzug Lucky radikal umstellen müssen. Der aber tat mir leid: erst stirbt Daisy, dann kommt ein Neuzugang, und dann auch noch anderes Futter? War ein Fehler. Mitleid ist meistens kein guter Ratgeber.
Und jetzt haben wir den Salat: Auf den Tresen kann ich Trockenfutter unmöglich länger hinstellen, Quincy würde auch ein Kilo davon fressen. Und lässt sein Premiumfutter links liegen. So schnell geht das. Also: unten jetzt Nassfutter für beide, als Kompromiss für Lucky dann eben auch Miamor in Sauce (naja…) und Porta Hühnchen (letzteres ist sicher gut, aber nur ein Ergänzungsfuttermittel, das Lucky aber sehr mag), und Trockenfutter schleiche ich übers Fummelbrett langsam aus. So der Plan. Wahrscheinlich wäre es noch besser, das Trockenfutter komplett und radikal zu streichen, um Quincys „Fixierung“ nicht häppchenweise zu nähren und zu verstärken. Intermittierende Verstärkung wirkt ja bekannterweise extrem gut.
Und sonst? Als Kitten mit 15 Wochen war der kleine Zwuck Quincy absolut nicht anstrengend. Mit 7 ½ Monaten ist er es mitunter. Sein Bewegungsdrang ist kolossal ausgeprägt, und das ist ja auch wunderbar. Ein gesunder Jungspund eben. Aber manchmal mache ich mir schon Sorgen, wenn er Kratzbäume und Cat-Walks im Highspeed-Modus durchflitzt oder im gestreckten Galopp um die Ecken fegt, von Wänden und Möbeln abrupt ausgebremst wird, weil der Boden (vor allem auf Stein und Parkett) „rutschig“ ist. Manchmal ist mein Luckel etwas überfordert, wenn der „Kurze“ angeschossen kommt und wieder raufen will. Andererseits ist Lucky seit Quincys Einzug viel „wacher“ und aktiver geworden, was mich sehr freut. Und: Wir beiden Oldies haben zum Ausgleich auch unsere gemeinsamen Rituale, da darf sich das Quincelchen dann nicht einmischen. Oder nur ein bisschen…