Ich hab jetzt hier schon ne Weile still mitgelesen. Folgendes: vorausgesetzt es ist keine körperliche Sache, denke ich hier an Übersprungshandlung aufgrund Unsicherheit - Angstaggression halt.
Er scheint nicht gut sozialisiert worden zu sein bzw. mußte sich vielleicht im wahrsten Sinne des Wortes "durchbeißen" im bisherigen Leben. Diese Übersprungshandlung kann man bei vielen Katzen beobachten - die einen fangen an sich schlagartig zu putzen z.B., wieder andere markieren dann und Angstaggressive Katzen haben gelernt: Angriff ist die beste Verteidigung und haben als Übersprungshandlung somit den Angriff. Ablauf ist so, daß irgendetwas passiert, was das Tier verunsichert, wodurch sich eine innere Spannung aufbaut, ein innerer Konflikt - z.B. "ich will mich beim kuscheln fallen laßen, aber ich trau mich nicht - ich will, aber ich hab Angst... ich will aber ich hab angst - es ist so schön - aber ich hab Angst!!" - und dann folgt der Angriff. Für uns scheinbar aus dem Nichts heraus - aber wer das Tier mit seiner Körpersprache ganz genau beobachtet, kann diese Anzeichen vorher sehen. Es sind ganz feine Anspannungsmerkmale - der Körper ist nicht mehr weich, sondern die Muskeln spannen sich, die Augen sind nicht mehr selig geschlossen, sondern ab und an folgen kleine Blicke, die versuchen einen zu beobachten, zu fixieren. Es sind ganz feine Signale, aber sie sind da. Dann gilt: aufhören mit streicheln, Katze ignorieren.
Grundsätzlich denke ich, daß hier das Grundproblem ist, daß er aufgeregt und angespannt ist und innerlich nicht zur Ruhe kommt. An sich müßte ihr alles wieder auf "null" gestellt werden - und zwar sowohl die Zusammenführung, als auch die "Zusammenführung" mit dem Mensch, aber ich fürchte dafür seit ihr insgesamt schon zu weit Fortgeschritten im Ganzen.
Wichtig wäre aus meiner Sicht, daß der Kleine von den Menschen erstmal komplett ignoriert wird. Das hört sich hart an aus menschlicher Sicht, aber es nimmt den Focus von ihm raus. Dadurch kann er anfangen zu entspannen. Wenn er zu dir hinguckt, dann blinzel ganz langsam und dann guck weg. Sprich ihn nicht an, schau ihn nicht an. Blinzeln - weggucken - mehr Aufmerksamkeit würde ich ihm derzeit nicht geben. Er darf sich zu dir legen, darf alles machen usw., aber du sprichst ihn nicht an, schaust ihn nicht an, streichelst ihn nicht. Wenn er die anderen angreift ebenso wortlos reagieren, am besten mit Sachen schmeißen (nicht ihn treffen, aber daneben), so daß er erschreckt und wegläuft, aber nicht selber mit Wort oder Körper dazwischengehen.
Dies als Ersthilfe. Und sucht euch wie schon gesagt wurde eine Tierpsychologin. Man kann diese Tiere wieder "geradebiegen", aber es braucht viel Arbeit, viel Geduld und professionelle Hilfe.