Darf ich ganz ehrlich sein? Mir fiel es manchmal auch ein bisschen schwer, halbwegs sachlich zu antworten (und mein erster Entwurf, den ich dann gelöscht habe, war auch bedeutend unsachlicher

), weil du in einigen Posts doch den Eindruck gemacht hast, dass du einfach nicht verstehen willst - wenn das nicht so ist, umso besser! Wir hatten hier leider schon einige Trolle, die wirklich auch nach dutzenden und aberdutzenden Erklärungen und Aufklärungslinks und fünf Millionen Beteuerungen "Ich hab es ja verstanden" noch immer durch jeden Thread zum Thema gehoppelt sind und mit einem "Ich füttere Trockenfutter und es ist voooooll suppi!" jegliche Aufklärungsarbeit, die die anderen User geleistet haben, wieder vollkommen zunichte gemacht haben. Das nur zur Erklärung, wieso ich ein bisschen gereizt reagiert habe und zwischendrin den innigen Wunsch verspürt habe, meinen Kopf ein bisschen gegen die Tischplatte zu schlagen.
Texte hinterfragen ist richtig und wichtig, da sind wir uns schon einmal einig. Ich denke aber, zuerst einmal über die inhaltliche Ebene zu gehen und zu sehen, ob mir der Text in sich schlüssig und sachlich erscheint, ist der einfachere und logischere Weg. Wenn da schon gravierende Mängel auftauchen (wie beispielsweise in einer lustigen kleinen Studie, die ich im Zuge meiner kurzen Recherche gefunden habe, und die im Kurzen besagt, dass Trockenfutter kein Diabetes auslöst, aber die Katzen dick macht, und DAS dann Diabetes auslöst :roll

, dann kann man sich die Recherche zum Autor und den Umständen der Publikation getrost sparen, weil: I call bullshit!
Das mit dem Kater, der kein Nassfutter fressen möchte, hat nea doch angesprochen - da müsste man dann zumindest versuchen, das Futter umzustellen. Futterumstellungen sind leider bei Katzen eine ziemlich schwierige und langwierige Sache, da Katzen neophob sind (also kleine Bauern... und "Was der Bauer nicht kennt, das frisst er net!"). Da gibt es hier ganz viele eigene Themen dazu (gefühlt fünf Millionen), und man braucht viel Entschlossenheit, Durchhaltevermögen, Tricks und Fingerspitzengefühl, um Katzen vom Trockenfutter wegzubringen. Ein kleiner Guide ist
der hier von Stulle der hier im Nassfutterforum auch gepinnt ist - man muss aber ganz ehrlich sagen, dass es auch (sehr wenige) Katzen gibt, die man tatsächlich nicht umstellen
kann, weil Katze ganz sture Katze ist und lieber vor dem gefüllten Napf verhungern möchte, als Nassfutter (oder gutes Nassfutter, oder nur gutes Nassfutter) zu fressen. Das sollte man dann aber vorher versucht haben, gerne auch zwei oder drei Mal, bevor man wirklich aufgibt. Und natürlich gibt es auch Katzen, die tatsächlich aus Krankheitsgründen Trockenfutter fressen müssen (ich denke da zum Beispiel an viele Katzen mit
IBD, das ist eine chronische Darmenzündung... da führt oft jede Umstellung der Fütterung zu großen Problemen mit Durchfall, die gerne auch mal lebensbedrohlich werden können für die Katz... wenn du dich ein bisschen umsiehst, findest du da sehr viele Beispiele für Katzen, die man tatsächlich nicht mehr umstellen kann, wo aber Dosi alles versucht hat, was beim aktuellen Gesundheitszustand der Katze möglich war. Und da wird dann auch kein Stück auf der Trockenfutter-Fütterung herumgehackt).
Aber: Grundsätzlich spricht eigentlich gar nichts dafür, Trockenfutter zu füttern, außer in bestimmten, sehr seltenen Ausnahmefällen. Eine junge Katze würde ich gar nicht erst an Trockenfutter gewöhnen - genau damit so eine Situation nicht entstehen kann, in der die Katze das Trockenfutter (das oft mit Zusatzstoffen und Geschmacksverstärkern erst "attraktiv" gemacht werden muss) lieber frisst als das Nassfutter. Es entspricht einfach nicht der natürlichen Ernährung der Katze und enthält so wenig Wasser, dass auch das zusätzliche Trinken der durstigen Katze diesen Wassermangel nicht ausgleichen kann (in dem ersten Link war eine nette Studie verlinkt, die besagt, dass Nassfutter-Katzen, die sehr wenig trinken, insgesamt gesehen tatsächlich doppelt so viel Wasser aufnehmen, wie Trockenfutter-Katzen, die sehr viel trinken). Und ständige, leichte Dehydrierung macht die Nieren kaputt - leider sind die Nieren ohnehin schon eine der "eingebauten Schwachstellen" der Katze.
Dir ist da auch ein kleiner Fehler unterlaufen - die Gründe für Nierenversagen, die du aufführst, sind Gründe für Akute Niereninsuffizient (oder auch ANI - also ein plötzliches, aktuelles Versagen der Nieren). Das, woran die allermeisten Katzen sehr lange leiden, ist aber die Chronische Niereninsuffizient (oder
CNI, neuer auch CNE - Chronische Nierenerkrankung. Neues Label, selber Inhalt), die natürlich zu einer ANI führen kann, wenn eine akute Krise dazukommt.
CNI bedeutet, dass die Nieren der Katze nur noch zu einem sehr geringen Prozentsatz arbeiten, und wenn sie diagnostiziert werden kann, sind schon 60-70 Prozent der Nieren der Katze geschädigt. Symptome sind verstärktes Trinken, verstärkter Stuhlgang, schlechter Geruch aus dem Mäulchen, stumpfes Fell und einige andere, wobei das Trinken und das Pinkeln die Symptome sind, durch die die Nierenprobleme am ehesten auffallen (die aber oft erst eintreten, wenn die Nieren schon zu mehr als der Hälfte kaputt sind). Ich habe selbst einen Kater hier, der nach jahrelanger ausschließlicher Trockenfutterfütterung und Streunerdasein jetzt eine
CNI und eine Schilddrüsenüberfunktion hat, deswegen kenne ich mich ein bisschen mit dem Thema aus, wenn auch nicht so gut wie viele andere im Forum hier.
CNI kann man nicht heilen, die kaputten Nieren regenerieren sich nicht, was kaputt ist, ist kaputt, und man kann nur weitere Schäden vermeiden und - hart gesagt - der Katze ihren Lebensabend so schön wie möglich gestalten.
Nach dieser kleinen Einleitung erst einmal dazu, wie Trockenfutter und "kaputte Nieren" zusammenhängen. Katzen neigen von Natur aus (wie schon oben gesagt) zu Nierenproblemen, sie sind vielleicht sogar die häufigste Todesursache von Katzen. Und Katzen sind von Natur aus Wüstenbewohner, die, da es in der Wüste jetzt nicht alle zwei Meter eine Oase oder einen Katzenwassernapf mit niedlichen, herumspringenden Kätzchen darauf gibt, kaum Durstgefühl haben, sondern ihren Bedarf an Wasser über ihre Nahrung decken (Nahrung sind bei Katzen kleine Säugetiere, kleine Reptilien, kleine Vögel und das eine oder andere Insekt, das ihnen unvorsichtigerweise vor die Nase fliegt, läuft, oder hüpft). Die vielgepriesene und beispielhafte Maus hat einen Wassergehalt so zwischen 65 und 75 % (ungefähr in diesem Bereich liegt er). Das ist es, worauf die Katze ausgelegt ist, und aus dieser Maus zieht sie normalerweise ihren Wasserbedarf. Trinken muss sie dann nicht mehr, und in ihrer natürlichen Umgebung ist das sehr gut, weil, Wassernäpfe sind rar in der Wüste. Trockenfutter hat einen Wasseranteil von 5-10% - heißt ja nicht umsonst
Trockenfutter, das ist in diesem Fall sehr wörtlich zu nehmen. Soweit zu den Grundlagen im Bereich Ernährung.
Jetzt zu den Nieren. Die Nieren brauchen Wasser zum Arbeiten. So weit, so einfach (das ist auch beim Menschen so, deswegen wird auch regelmäßig und gebetsmühlenartig davon gesprochen, dass man viel trinken muss, um die Nieren zu schonen). Leider kann man einer Katze schwer erklären, dass sie bitte viel und ausgiebig trinken muss (das heißt, erklären kann man es ihr schon, aber sie wird es nicht machen...). Sie ist ja evolutionsbiologisch darauf ausgelegt, ihr Wasser aus ihrer Beute zu ziehen, und hat daher nur ein sehr gering ausgeprägtes Durstgefühl (und wenn ihre Beute so viel Wasser enthält wie eine Maus, kann sie auch prima ohne zusätzliches Trinken auskommen, ohne zu dehydrieren). Eine Katze, die nur Trockenfutter frisst, trinkt natürlich mehr - dieses zusätzliche Trinken reicht aber nicht aus (wie die Studie, von der ich oben gesprochen habe, zeigt), um die geringere Aufnahme an Wasser durch das Fressen auszugleichen. Zudem muss der Körper der Katze auch noch Wasser aufwenden, um das Trockenfutter im Magen noch einmal aufzuweichen - nicht aufgeweichtes Trockenfutter (also die trockenen Brekkies) ist für die Katze nicht verdaulich. Die Konsequenz ist also, dass die Katze zu wenig Wasser bekommt, und ihre Nieren zu wenig Wasser bekommen. Wenn die Nieren der Katze zu wenig Wasser bekommen, müssen mehr Schadstoffe (denn nichts anderes machen die Nieren ja - Schadstoffe ausscheiden!) in weniger Flüssigkeit gepackt werden. Der Urin ist also konzentrierter, was zu so schönen Sachen wie Kristallen im Urin und Nierensteinen führen kann, und die Nieren müssen härter arbeiten - davon gehen sie langfristig dann kaputt.
Ich hoffe, so weit habe ich logisch und verständlich erklärt (wenn nicht, musst du bitte schreien und Fragen stellen und auch einen erneuten Blick auf die beiden Links werfen, dort ist es nämlich auch ausgeführt). Nachdem wir jetzt über den Zusammenhang zwischen
CNI und Trockenfutter gesprochen haben, weiter zu diesen ekeligen Nieren-Trockenfutter-Dingern, bei denen mir ehrlich gesagt das kalte Grausen kommt.
Von der grundsätzlichen Sinnigkeit, einer Katze, die viel, viel, viel, viel, viel Wasser benötigt, damit ihre Nieren überhaupt funktionieren können (weil die kaputten Nieren irgendwann den Urin nicht mehr richtig konzentrieren können) und die kaputten Nieren nicht noch weiter kaputtgehen, etwas zu füttern, das dafür sorgt, dass sie weniger Flüssigkeit aufnimmt und diese Flüssigkeit noch zur Verwertung ihres Futters benötigt, möchte ich gar nicht sprechen (alleine das ist so unlogisch, dass man gerne den Kopf gegen die Wand schlagen möchte. Am liebsten den Kopf dessen, der sich diesen Mist ausgedacht hat. Und dann den der Person, die dann auf die grenzgeniale Idee gekommen ist, dieses Futter an künstlich krank gemachten Katzen in Tierversuchen zu testen, noch gleich hinterher).
Aber es kommt noch besser. Diese Nierenfutter enthalten, um die Ausscheidung von Protein über die Nieren (sogenannte Proteinurie) zu verringern, sehr wenig Protein. Wenn du allerdings im Grundkurs "Was fressen eigentlich Katzen?", den es hier gerade gratis für dich gibt, jetzt aufgepasst hast, weißt du, dass die Haupt-Energiequelle von Katzen tierisches (und NUR tierisches - pflanzliches Protein können Katzen nicht richtig verarbeiten, ihnen fehlen die Enzyme dazu) Protein ist. Was ist? Die Katze wird matt, träge, matschig, weil sie nicht genug Energie bekommt. Das alleine wäre ja schon tragisch genug - aber wo im Körper ist richtig viel Protein enthalten? Richtig. In den Muskeln. Und genau die sind es, die der Katzenorganismus dann angreift, weil sie sonst kein Protein bekommen können. Die Katze baut ihre gesamte Muskulatur ab, weil das die einzige Proteinquelle ist, die sie bekommen kann. Genau das ist es, was mit unserem Sirius passiert ist - als wir ihn gefunden haben, konnte man an seinen Vorder- und Hinterläufen keinen einzigen Muskel spüren. Sie waren einfach nicht da. Weg. Wie wenn da nie etwas gewesen wäre.
Und zur Krönung dieser ganzen Sache, noch eine Kleinigkeit. Ich könnte meinem Kater diese Nierendiät nie füttern - weil er eine Schilddrüsenüberfunktion hat. Und so gut wie alle Nierendiätfutter enthalten nicht nur mehr Fett, sondern auch mehr Jod, das die Funktion der Schilddrüse anregt und so für bessere Nierenwerte und erhöhte Nierenfunktion sorgt, weil eine künstlich erzeugte Schilddrüsenüberfunktion den gesamten Kreislauf schneller laufen lassen (was bedeutet, dass die Katze noch mehr Nährstoffe und noch mehr Protein braucht, und was dann passiert, kannst du dir ja hoffentlich vorstellen). Oh, und was löst laut deiner Liste akutes Nierenversagen aus? Ach ja, eine Schilddrüsenüberfunktion.
Das Cachet High Premium Trockenfutter von Aldi kenne ich nicht (ich bin da höchst selten und sehe im Supermarkt eigentlich nie ins Tierfutter-Regal), aber wenn du einen Link zu einer vernünftigen Inhaltsstoffe-Tabelle posten, die Inhaltstoffe abtippen oder ein lesbares Foto machen könntest, hätten wir eine gute Diskussionsgrundlage. Ansonsten solltest du bei der Bewertung auch bedenken, dass Katzen nur tierische Proteine gut verarbeiten können (es kommt also nicht auf den Gesamt-Proteinanteil an, sondern auf den Teil, der aus Tier stammt) und dass auch so schöne Dinge wie Möhrchen, Kartoffeln, Erbsen, Rübenschnitzel und andere pflanzliche Bestandteile nichts sind, mit dem die Katze irgendetwas anfangen kann. Getreide ist nur deswegen so problematisch, weil es ein Allergieauslöser ist, nicht, weil die Katze damit auch nur ein Quentchen mehr anfangen könnte als mit - zum Beispiel - Kartoffeln. Und das Problem mit dem niedrigen Wasseranteil bleibt auch bei hochwertigem Trockenfutter (z.B. Orijen - das auch tatsächlich Fleisch enthält, und nicht nur tierische Nebenerzeugnisse, die auch beispielsweise lecker Hufe, Borsten und Zähne enthalten können) bestehen.