Ich kann gut verstehen, wie schwierig die Situation für dich gerade ist. Fühl dich erst einmal lieb gedrückt!
Den Zeitpunkt zu erkennen, an dem man sein Tier gehen lassen sollte, ist wirklich nicht leicht. Man kann diesen Schritt einfach nicht rückgängig machen. Ich denke für mich dann immer an ein Kaninchen aus meiner Kindheit zurück. Max. Er hatte leider relativ früh Hautkrebs bekommen, der zunächst operativ entfernt wurde. Natürlich kam er wieder und wieder hab ich so lange geweint, bis meine Eltern einer erneuten OP zugestimmt haben. Geheilt war er allerdings nicht und kurze Zeit später war er wieder da und Max hat sich die Haut aufgebissen. Mein Vater hat dann damals den Schlussstrich gezogen, weil ich es (noch) nicht konnte. Damals war ich so unendlich traurig und auch wütend auf meinen Vater, weil er einfach das Leben von Max beendet hat. Heute hingegen bin ich ihm dankbar. Ich war einfach so von meiner Liebe zu diesem Tier geblendet, dass ich nicht in außreichendem Maße gesehen habe, wie belastend die Situation für Max bereits war. Dieses Bild halte ich mir seither vor Augen und nie wieder will ich den Zeitpunkt verpassen, an dem ich ein geliebtes Tier gehen lassen muss. Für mich gilt daher heute: lieber einen Tag zu früh, als ein Tag mit Qualen. Natürlich würde ich niemals ein gesundes Tier einschläfern lassen oder eine aussichtsreiche Behandlung ausschlagen. Versteh mich da bitte nicht falsch. Ich würde für meine Tiere alles geben! Aber Qual haben sie einfach nicht verdient. Nicht aus falsch verstandener Liebe meinerseits.
Was du jetzt schnell tun solltest, ist die Tierärztin auf ein wirksames Schmerzmittel ansprechen. Er mag zwar für dich nicht den Eindruck machen, dass er Schmerzen hätte, aber du kannst es nicht wissen. Ich würde da lieber auf Nummer sicher gehen. Falls er keine Schmerzen haben sollte, dann richtet es ja auch keinen Schaden an (ich spreche hier von einer akuten Schmerzmittelbehandlung, nicht von einer über Monate hinweg. Da kommt es selbstverändlich zu Nebenwirkungen).
In dem Moment, in dem das Zurückziehen deines Katers überwiegt, solltest du allerspätestens die Notbremse ziehen. Wir können uns hier unsere Meinung auch nur anhand deiner Beschreibungen bilden und ich muss mich Patentante anschließen. Von dem, was ich hier lese, würde ich ihn wohl auch gehen lassen.
Versuche, seine guten Momente nicht unverhältnismäßig stark zu gewichten. Auch, wenn man dazu neigt, diesen Momenten mehr Bedeutung und einen größeren Raum zukommen zu lassen, als ihnen eigentlich zusteht. Und wenn du das gemacht hast, setze sie denen gegenüber, in denen er trüb wirkt, sich zurückzieht und teilnahmslos ist. Wenn du das gemacht hast, kannst du dich noch einmal fragen, welchen Weg ihr gehen solltet.
Ich wünsch dir in dieser schweren Zeit alles Gute!