Meine wunderschöne Zoe,
ich suche seit gestern nach Worten und Bildern, die Dir gerecht werden können. Doch ich finde sie nicht, Du warst so besonders.
Deine Mama hat Dich mit Deinen Brüdern in meinem Garten auf dem Boden geboren. Beinahe hätte ich Dich im Dunkeln nicht gefunden. Du warst so ein winziges, leblos wirkendes Bündel. Das in meiner Hand sofort lebendig wurde.
Keine 24 h später bin ich verzweifelt mit Dir in der riesigen Box zum Notdienst gerast. Dein Herzchen war so schwach, Du solltest nicht leben. Aber Du wolltest es so sehr, hast Dich gegen Zwangsfüttern gewehrt, wochenlang einen Ringkampf mit den Zitzen veranstaltet. Du wolltest nur eine Zitze, die schon besetzt war. Das hat Dich so viel Kraft gekostet, doch Du hast Dich durchgekämpft. Und als erste gelernt, selbst zu fressen.
Von Anfang an fandest Du mich ganz schrecklich. Du hattest so Angst vor mir. Erst als Du fünf Monate alt warst und nach der Kastration wieder stehen konntest bist Du mir urplötzlich nicht mehr von der Seite gewichen. Das war unser großer Durchbruch, auch wenn es viele Jahre gedauert hat bis Du so etwas Ähnliches wie Vertrauen zu mir gefasst hast.
Du hast es konsequent 8 Jahre lang geschafft, dass ich der einzige Mensch in Deinem Leben blieb. Niemand sonst durfte sich Dir nähern. Und auch mit Katzen konntest Du nichts anfangen. Du hast nur Dich und Deine Freiheit gebraucht. Und ein Dosi, das Dir eben diese Freiheit nahezu uneingeschränkt gewährt.
Das hat Dich nicht daran gehindert, im Winter stundenlang in völliger Hingabe zu kuscheln, mich empört anzuschreien wenn ich ins Bett gehen wollte. Kuscheln konnte Dir nie genug sein. Wenn Du es gerade so entschieden hattest.
Ich glaube und hoffe, dass Du trotz allem Dein Leben genossen hast. Du warst so oft krank, musstest so viel Leid ertragen. Und Du hast es meist getan wie ein echter Krieger.
Und genauso sind wir zwei gestern auch den letzten Weg gegangen: aufrecht, ohne Jammern, ohne Tränen.
Ich hätte Dich so gerne gehalten mein Schatz. Doch ich wusste, wie sehr Dich das in dem Moment gestresst hätte. Also konnte ich nur bei Dir sein und Dich streicheln bis Dein kleines Herz aufgehört hat zu schlagen. Ich bin den Weg soweit mit Dir gemeinsam gegangen, wie ich es durfte.
RIP meine kleine Maus. Ich hoffe, Du bist jetzt bei Deinem Bruder und Deiner Mama (die sich zu benehmen hat, sonst zeigst Du es ihr mein Schatz?). Du wirst jetzt nie wieder Schmerzen haben, Dir wird nie wieder übel sein, Deine Nerven werden nicht zucken, Dein Bauch Dich nicht quälen. Und Du bist wieder die stolze Kämpferin, die Du ein Leben lang warst.
Ich hab Dich unendlich lieb.
Danke, dass ich Teil Deines Lebens sein durfte.