Die Entscheidung ist so schwierig und ich wünsche dir von Herzen, dass du die Entscheidung triffst, zu der du auch im Nachhinein ohne Selbstvorwürfe stehen kannst. Ich kenne das nur zu gut, wenn Selbstvorwürfe einen Namen hätten müssten sie Christa heißen.
Das war für mich ein sehr hilfreicher Aspekt des Gesprächs mit dem Zweitmeinungs-Tierarzt. Er sagte, zum jetzigen Zeitpunkt kann mir niemand auf der Welt sagen, welche Entscheidung die richtige ist. Dazu müsse man in die Zukunft sehen können: wird die Op die Katze aus der Bahn werfen oder nicht? Hat sie bereits nicht sichtbare Metastasen oder nicht? Wir geben unser Bestes, eine verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen und müssen dabei dummerweise raten. Es kann sein, dass wir falsch raten. Sich deswegen Selbstvorwürfe zu machen ist ähnlich sinnvoll wie sich vorzuwerfen, dass man aus einem Lostopf eine Niete gezogen hat.
Sehr ermutigend an Deinem Bericht finde ich die drei glücklichen Jahre von Kasimir, Christa. Noch drei Jahre mit ihr, das wäre ein Traum.
Man kann als Mensch dazu eigentlich nur spekulieren, aber klar ist, dass Tieren bei sehr belastenden Behandlungsmethoden im Gegensatz zum Menschen der gr0ße Vorteil des kognitiven Verständnisses fehlt. Wenn ich als Mensch schwer erkrankt bin, und Behandlungen wie z.B. Operationen oder Chemotherapie ausgesetzt bin, kann ich die Belastungen, die mich noch viel kränker fühlen lassen, dadurch besser ertragen, weil ich weiß, dass sie helfen (könnten). Ein Tier kann das nicht. Es fühlt nur das Belastende und die Gewissheit, sehr krank zu sein und vielleicht auch die Gewissheit, sterbenskrank zu sein.
Genau der Punkt macht mir auch zu schaffen. Die Gute hat keine Ahnung, warum ihr dass alles angetan wird und muss leiden.
Wenn ich dich abschließend richtig verstehe, ist es außerdem schwer für dich, einzuschätzen, ob beim Mamma-Karzinom bei Katzen überhaupt noch eine Heilungsoption besteht. Du hast von einer sehr aggressiven Tumorart gesprochen. Ich persönlich habe dazu keine Infos, aber ich würde erwarten, dass behandelnde Tierärzte dazu eine Aussage machen können. Könnte das ein Ansatzpunkt für dich sein? Nochmal klar zu fragen, wie die TÄ die Heilungschancen nach Milchleistenentfernung einschätzen?
Es ist eher die Frage, ob die Op überhaupt etwas bringt. Gemäß Zweitmeinungs-
Tierarzt gibt es keine Statistik, die dazu etwas sagt: wie lange leben Katzen im Schnitt ohne die Op, wie lange mit. Hinzu kommt noch, dass eine Katze zwei Milchleisten hat. Bei der Op wird "nur" die betroffene entfernt. Beide gleichzeitig entfernen sie nicht, weil der Eingriff zu heftig ist und es dann oft Probleme mit der Heilung gibt. Was, wenn ein paar Wochen an der zweiten Milchleiste ein Tumor auftritt?
Ich stand vor gut 4,5 Jahren auch vor der Entscheidung OP ja oder nein. Meine Katze war 6 Jahre alt, der Knoten Reiskorn groß. Durch Ultraschall und Röntgen der Lunge wurden Metastasen ausgeschlossen. Zwei Tage später die OP. Alles verlief gut, die ca 35 cm lange Naht heilte gut. Nach einem 3/4 Jahr musste auch die zweite Gesäugeleiste entfernt werden. Hier war Antibiotikum nötig, die Heilung verlief dafür schneller. Nun ist mein Mädchen fast 11 Jahre und es geht ihr gut.
Ich würde wieder so entscheidend.
Danke Glady, für Deine Erfahrungen. Das liest sich ganz anders als Christas Bericht und zeigt, dass es den einzig richtigen Weg mal wieder nicht gibt. Warum muss immer alles so kompliziert sein im Leben?
Danke auch an all die anderen, die mir geschrieben haben! Auch wenn ich nicht direkt geantwortet habe, waren sie mir sehr wichtig.