Update: Quentin hatte seine ganz eigene Vorstellung davon, wie es weiter gehen sollte..
Wir hatten ja versucht, den Teller immer etwas näher an unser Zuhause zu verlegen, aber das fand Quentin blöd. Immer wenn wir uns nach und nach auf ca 15m von der ursprünglichen Futterstelle vorgearbeitet hatten, ist er einfach nicht mehr gekommen.
Wir sind also doch bei der ursprünglichen Futterstelle geblieben, weil da zumindest die Möglichkeit bestand, ne Falle aufzustellen. Wir haben dann nach einigen Wochen versucht in der Falle anzufüttern.
Es kam aber immer öfter ein unkastrierter Kater vorbei und wenn der da war, war von Quentin keine Spur. Da er herrenlos zu sein schien, haben wir ihn gefangen, kastrieren lassen und an eine nette Familie mit einem Hof vermittelt, wo er sein halbwildes Leben mit etwas mehr Fürsorge und einem sicheren Unterschlupf weiterführen kann.
Da jetzt der unkastrierte Kater nicht mehr den Futterplatz verteidigt hat, waren wir guter Dinge, dass Quentin uns nun in die Falle gehen würde. Aber der gute Herr ist dafür zu Clever, er ist immer nur unter der Woche reingegangen, wenn die Falle nicht scharf war. (Wir konnten die Falle nur am Wochenende beaufsichtigen, weil wir beide Vollzeit berufstätig sind und Quentin nur nachts kam).
Leider hatte der unkastrierte nicht nur Quentin ferngehalten und den Teller leergefressen, sondern auch 2 dicke, verschmuste Hauskatzen vertrieben, die nun täglich auf einen kleinen Snack vorbei kamen und mit Quentins Anwesenheit überhaupt nicht einverstanden waren.
Eine der beiden ist auch immer wieder munter in die Falle gegangen, da lagen teilweise nur 10 Minuten zwischen. Ich hatte eine Videoüberwachung installiert, sodass ich sofort mitbekommen habe, wenn was in die Falle ging, aber es war immer und immer wieder die dicke schwarze Katze. Keine Spur mehr von Quentin.

Nach mehreren Wochen ohne Sichtung hatten wir die Kamera an verschiedenen anderen Stellen aufgestellt, leider auch ohne Erfolg.
Langsam fing meine Hoffnung an zu schwinden. Ich wusste auch einfach nicht mehr, was ich noch tun soll. Quentin war nun schon fast 3 Monate verschwunden.
Dann eine Nachricht unserer Nachbarn " ist das Eurer? Der treibt sich hier seit ein paar Tagen rum"

Puh, der kleine Hungerhaken hat optisch so gar nichts mit unserem Speckolin zutun, aber der grimmige Gesichtsausdruck kommt mir vertraut vor. "Das könnte er sein. Hat der Zähne im Mund?"
Also bin ich rüber und siehe da, die Katze hatte wirklich keine Zähne und fraß wie ne Schildkröte - das musste unser Quentin sein. Erstmal war ich natürlich unfassbar erleichtert und froh und überglücklich. Und dann hab ich ihn gestreichelt und war furchtbar erschrocken. Der arme Kerl ist nur noch Haut und Knochen. Der muss SOFORT nachhause. Aber Quentin mit seinem Aluhütchen hat natürlich sofort gemerkt, dass ich Puls hab und hat sich verkrochen. Also bin ich die Falle holen gegangen und als ich gerade wieder kam, kamen mir schon meine Nachbarn entgegen mit einer großen Hundebox und verkündeten "wie haben da was für dich". Die haben den einfach eingetütet. Und ich hab mich völlig verrückt gemacht, wie ich den Kerl denn jetzt nachhause bekomme.
Da war er nun, der Weltreisende. Abgemagert aber mit großem Appetit. Der Motor lief auch schon wieder und so entschlossen wir uns, ihn erstmal ein paar Tage ankommen zu lassen. Für sein Gewicht wirkte er sehr fit und munter.
Das sollte aber leider nicht lange so bleiben. Es stand natürlich noch ein Tierarzttermin an. Und der zeigte katastrophale Blutwerte. Quentin hatte nur 13% rote Blutkörperchen. Sein Zustand hat sich rapide verschlechtert und er brauchte eine Bluttransfusion. Zum Glück war zufällig ein passender Spender vor Ort. Kater Garfield mit seinen 7.5 Kg hat Quentin das Leben gerettet

Die Transfusion tat Quentin sichtlich gut. Seine Atemfrequenz normalisierte sich und er hatte wieder Appetit. Am Morgen davor hatte er nur sehr zögerlich gefressen. Das war am Dienstag. Jetzt ist Sonntag. Am Mittwoch und Freitag waren wir zur Kontrolle da. Die
Tierarzt ist sehr zufrieden mit seiner Entwicklung. Die Transfusion hat seine roten Blutkörperchen vorn 13% auf 18% erhöht und er bildet fleißig Blut nach. Er bekommt Antibiotika, da alles darauf hindeutet, dass die Ursache für die
Anämie eine Infektion ist. Außerdem bekommt er Kortison. Sein Gewicht ist von 3.15kg am Dienstag auf 3.4kg am Freitag gestiegen. In einer Woche sollen wir wieder hin. Daumen drücken, dass die Infektion dann überstanden ist, und seine Blutwerte wieder richtung Normalbereich tendieren.

Lieber Quentin, schön, dass du wieder da bist. Und jetzt ist mal gut mit den Sorgen, jetzt kann es wieder ruhiger werden. Gute Besserung kleiner Streuner! Was Du wohl alles erlebt hast?