Hallo,
ich habe bei meiner Mannschaft die goldene Karte gezogen, was Zahnprobleme angeht. Heute war es mal wieder so weit, meinen Mädels wurden einige Zähne gezogen, allerdings aus verschiedenen Gründen. An dieser Stelle möchte ich euch so gut es geht Infos geben, damit ihr für einen Zahnarztbesuch gewappnet seid.
Bitte seht mir nach, dass ich nicht alle Erkrankungen der Zähne aufgreifen kann, denn auch ich bin nur ein interessierter Laie und Liebhaber.
Vorweg möchte ich mich bei unseren
Katzenzahnärzten Frau Dr. Held und Frau Dr. Viefhues der
Tierkinik in Ahlen für die Bilder und die großartige (Vertrauens-)Arbeit bedanken, die und nicht zum ersten Mal bei Zahnangelegenheiten geholfen haben ;-)
Ich beginne mit einer Zahnerkrankung, die viele Katzen betrifft, nämlich der
FORL.
FORL´s, dass sind
Feline Odontoklastische Resorptive Läsionen. Klingt total gemein, ist auch so. Odontoklasten sind Zellen im Körper, die dafür sorgen, dass die Milchzähne im Zahnwechsel rausgeschubst werden. Viele Katzen, nämlich bis zu 50% der Katzen ab 5 Jahren! haben aber auch danach noch mit Odontoklasten zu tun.
Aus bisher nicht geklärten Gründen werden diese wieder aktiv und befallen die bleibenden Zähne. Dies stellt sich so dar, dass die Zahnwurzel sich von unten (unsichtbarer Teil) nach oben (sichtbarer Teil) auflöst und sich Löcher bilden, die bitte nicht mit Karies zu verwechseln sind.
Dies betrifft alle Zähne gleichermaßen, jedoch reagiert nicht jeder Zahn gleich auf den Angriff der Odontoklasten. Das bedeutet, dass die Erkrankung fortschreitend ist. Und sie ist vor allem unglaublich schmerzhaft.
FORL äußert sich durch die bekannten Zahnschmerzanzeichen (schiefer Kopf beim Fressen, Futter fallen lassen, schmatzen, knacken, knirschen, ggf knurren und springen beim Fressen), durch abgebrochene oder ausgefallene Zähne und Löcher in den Zähnen. Wenn das optisch sichtbar ist, ist die Krankheit schon sehr weit fortgeschritten und immens schmerzhaft.
FORL kann, muss aber nicht von einer Zahnfleischentzündung, Zahnstein oder Mundgeruch begleitet werden.
Leider gibt es bisher noch keine Therapie. Es hilft nur eins: die befallenen Zähne müssen raus. Füllungen und Überkronungen sind KEINE Option!
Bis hierher ist alles soweit leicht verständlich und die meisten Haustierärzte werden das auch unterstützen. Jetzt kommt das große ABER:
FORL kann erst per "Anschauen" diagnostiziert werden, wenn die Katze schon mitunter jahrelang leidet. Das möchten wir tunlichst vermeiden, denn Zahnschmerzen gönnt man seinem ärgsten Feind nicht.
Die einzige Möglichkeit, FORL frühzeitig zu diagnostizieren oder auszuschließen besteht im "Intradentalen Röntgen". Dazu muss die Katze, wie wir Menschen beim Zahnröntgen, eine Platte ins Maul geschoben bekommen. Es werden mit einem digitalen, hochauflösenden Gerät im Schnitt 6 Aufnahmen gemacht. Oben und unten, je vorne, rechts und links = 6 Aufnahmen.
Ein normaler Haustierarzt hat dazu nicht die Mittel, weil ein solches Röntgengerät sehr teuer und doch relativ speziell ist.
Ihr denkt vllt nun, dass aber der Tierarzt eures Vertrauens doch auch "Zahnheilkunde" macht. Ja, er kann Zahnstein entfernen.... Aber das reicht nicht. Wenn ihr Zahnschmerzen habt, geht ihr auch nicht zum Hausarzt - oder?
Es macht also durchaus Sinn, wenn eure Katze zur Zahnreinigung muss, auch direkt röntgen zu lassen. Eine Narkose, ein Aufwasch. Und dann?
Tja... Dann kommen wir zum ersten meiner heutigen zwei Fälle:
Das sind die zerbröselten Reste, die meiner Bacon heute entfernt wurden. Wie viele Zähne es genau waren? Ich habe ehrlich gesagt nicht gefragt und warte einfach stillschweigend auf die Rechnung.
Bacon wurden vor knapp 2 Jahren schon 2 Zähne entfernt, die ganz offensichtlich Löcher hatten. Geröntgt hat mein damaliger Tierarzt nicht, er hatte ja mit der Sonde geschaut und es war "definitiv keine Läsion da". Doch, waren sie. Nämlich dort
und auch hier
Und hier auch
Es sieht von außen nicht wirklich schlimm aus. Wir haben keine nennenswerte Entzündung, das Zahnfleisch ist zartrosa und der Befund der Sondenuntersuchung war tadellos in Ordnung. Man könnte also meinen, dass es reicht das bisschen Zahnstein zu entfernen. Das ist aber nicht richtig, denn man kann nur die Spitze des Eisberges sehen. Der untere Teil zeigt mehr:
Man erkennt deutlich den abgebrochenen Schneidezahn im Unterkiefer.
Um jeden Backenzahn sollte eine deutliche, aber dünne schwarze Linie zu sehen sein. Hier haben sich die Löcher in den Wurzeln schon verknöchert. Man erkennt bei genauer Betrachtung ein Loch unterhalb des Zahnfleischrandes (Wenn ihr möchtet, markiere ich euch das).
Die Nervenbahnen lagen frei. Bacon hatte unglaublich starke Schmerzen und das, obwohl man von außen fast gar nichts sehen konnte.
In einer 2 Stunden langen OP zog Frau Dr. Viefhues ihr die oben gezeigten Zahnreste. Bacon ist jetzt noch in der Klinik und kann morgen heim, ihr hat die Narkose etwas mehr zu schaffen gemacht, als Mira. Das ist aber _NICHT_ die Regel. Im Normalfall können auch alte Katzen am selben Tag wieder nach Hause.
Und da ist ein weiterer wichtiger Punkt - die Narkose. Wie ich schrieb, kann so eine OP sehr lange dauern. Es ist daher IMMER angeraten, eine Inhalationsnarkose anzuwenden.
Wie man auf den Bildern gut sehen kann, wurde Bacon intubiert. Der Tubus ist NICHT im Weg! Wenn ein Arzt das behauptet um eine Spritznarkose zu rechtfertigen, lasst ihn bitte nicht an die Zähne eurer Katze.
Ich fasse also nochmal die wichtigsten Punkte zusammen:
- FORL ist fortschreitend und sehr häufig
- einzige Therapie bisher: befallene Zähne ziehen
- Diagnose und Ausschluss nur mit Intradentalröntgen bei einem Tierzahnarzt
- Sonden- und Schaubefund reichen nicht
- SEHR schmerzhaft
- bisher unbekannte Gründe
- Inhalationsnarkose
- nicht zwingend ZFE, Mundgeruch, Zahnstein vorhanden
Sowohl unsere Zahnärzte als auch ich hoffen, dass wir mit Aufklärung mehr Patientenbesitzer und Hausärzte dazu bringen, richtige Diagnosen und Behandlungen zu erzielen - den Katzen zuliebe.
Ergänzungen nehme ich gerne an. Morgen gibt es dann etwas zum Thema Katzenschnupfen in der Maulhöhle und chronische Zahnfleischentzündung.