Katzen sind leider ein "Verbrauchsgut" geworden. Man bekommt an jeder Ecke regelrecht Kitten nachgeschmissen, so dass es ein leichtes ist, sich jedes Jahr aufs Neue ein süßes Minitierchen zuzulegen und dieses dann auf die Straße zu jagen, sobald es ausgewachsen ist oder Probleme macht.
Wenn man mal genau drüber nachdenkt, dann ist das eine Einstellung, welcher der Durchschnittszivilisationsmensch bei allem, was er "konsumiert", an den Tag legt.
Die ehemals sündhaft teure Jeans hat ein Loch? Weg damit und eine neue gekauft! Das heißgeliebte iPhone hat einen Sprung im Display? Ach, was kost' die Welt, wird eh Zeit für ein neues! Jeden Tag landen willichgarnichtwissen wie viele Tonnen astreiner Lebensmittel im Müll. Der Partner nervt? Schluss machen, neuen suchen! Gibt genügend Fische im Meer! Die Omi gabs zwar nur einmal, und der Fuffi war bei jedem Besuch gewiss, aber das heißt nicht, dass man die treue Seele nicht trotzdem einfach so billig wie möglich verscharren lassen kann - geiz ist schließlich geil!
Warum also sollte der Durchschnittszivilisationsmensch so etwas banales wie ein kleines Lebewesen besser behandeln? Die Katze, die gestern noch "der liebste und süßeste Schmusetiger der Welt" war, wird schwer krank, Tierarztkosten in Höhe von mehreren 100 Euro drohen? Ach... naja. Im Endeffekt, ähm... so toll war die Katze nicht. Einschläfern kostet ja nur 50, wir holen einfach eine neue Katze, die Kinder freuen sich sicher über ein süßes, neues Babykätzchen... dass die Kinder dabei zu genau solchen Wegwerfmenschen werden wie die, die sie so erziehen... Kollateralschäden.
Wir (sprich: Durchschnittszivilisationsmenschen) sind einfach zu satt. Wir sind im Hiergibtsallesland. Wenn man hier irgendwas will, dann kann man es kaufen und muss nicht lange warten, und weil Generation "Geiz ist geil" immer den richtigen Riecher für Schnäppchen hat, nichtmal viel zahlen. Es gibt alles im Überfluss, und deswegen hat hier nichts mehr einen Wert.
Ich bin mir übrigens sicher, Maurice' Bruder gefunden zu haben. Ihr erinnert euch, mein kleiner Maurice, der mir am Bahnhof zulief? 6 Monate sind vergangen, und natürlich hat sich keiner gemeldet. Stattdessen habe ich beim Durchforsten von Vermisstenanzeigen das hier gefunden:
http://www.tierschutzverzeichnis.de/su/z10/kater_____20121007.html
Der kleine Kerl sieht nicht nur haargenau aus wie mein Maurice - auch die Wesensbeschreibung passt. Gefunden wurde er drei Tage bevor ich Maurice fand, nichtmal 2 km vom Bahnhof entfernt. Ich hab mit den Leuten gesprochen, rein Interessehalber... auch bei ihnen meldete sich niemand. Nicht eine Menschenseele. Die Vermutung liegt nahe, dass der Knirps Maurice' Bruder ist, der ebenfalls wie ein lästig gewordenes, altes Möbelstück einfach draußen entsorgt wurde... vielleicht Vermehrerkitten, die nicht den erwarteten Profit brachten und stattdessen anfingen, Geld zu kosten.
Diese Welt ist krank, Leute. Sie ist krank und völlig verdreht, und bis wir wieder so weit sind, auch nur irgendwas wertzuschätzen und ein wenig mehr Demut zu zeigen, wird es noch ein langer, steiniger Weg.
Liebe Grüße, eine ziemlich zynische Jessie mit ihren beiden Wegwerfkatzen.