Zynisch könnte man sagen "Für Schönheit muss der Züchter halt auch mal ein paar Krankheiten in Kauf nehmen."
Und leider ist es ja wohl so, dass zu viele Züchter so oder ähnlich denken? Oder ihnen halt einfach das Wissen fehlt.
Das würde ich für Katzen jetzt nur begrenzt so sehen. Und auch bei Hunden, bin ich mir nicht sicher, dass das den Züchtern so bewusst ist. (wenn ich jetzt mal davon ausgehe, dass die durchschnittliche Intelligenz von Hundezüchtern, die der Katzenzüchter nicht übersteigt). Denn wie kommt man zur Zucht? man kauft sich ein Tier, fängt an darüber nachzudenken und informiert sich etwas - schnell landet man bei einem anderen Züchter oder bei einem Verein - und die erzählen dir dann, "wie es sein muss" - Und wenn dir ganz viele erzählen, dass der Schäferhund "hinten tiefer liegen muss als vorne" - und sich ein Cavalier am besten verkauft, wenn er so richtig das Babyface hat ... dann glaubt man das ja vielleicht erst einmal und hinterfragt nicht groß.
Jetzt sind mir bei Katzen aber nur wenig optische Merkmale bekannt, die analog zu so massiven Problemen führen. Ein Phänomen, was man bei den Schwurblern in der Pandemie erleben konnte, kannte ich vorher schon aus der Zucht: "ist ja kein Wunder, dass so viele positiv sind, wenn so viel getestet wird". Da war viel Nicht-Wissen, aber auch nicht-Wissen-wollen bei.
Und die, bei denen Informationen zu kognitiven Dissonanzen geführt haben, lösten das Dilemma, indem die, die gewarnt haben eben als Spinner, Neider oder sonst was abgestempelt wurden. Schließlich hatte man viel Geld für eine Zuchtkatze bezahlt - da kann es doch nicht sein, dass etwas mit der nicht stimmt ...
Wenn ich jetzt aber lese, wie es in der Züchterwelt zugeht und das mit so wenig echter Expertise gezüchtet wird - ist das nicht ein "Recipe for Desaster?"
Irgendwie schon ...
Wie kann man verhindern, dass es eben nicht so weit kommt wie bei den Hunden?
Ich habe es ja mal an anderer Stelle gesagt: die Vereinsstruktur und das mit den Dachverbänden ist bei Hunden viel strenger (und vermutlich einheitlicher). Bei den Katzen gibt so unendliche viele Vereine, da ist so eine einseitige Linie - wo sich dann z.B. alle Katzen einer Rasse in genau die gleiche Richtung entwickeln eher unwahrscheinlich. Während man vermutlich im VdH mit einem Schäferhund, der normal hohe Hüften hat, keinen Blumenpott gewinnen kann (oder mit einem Mops, der normal atmen kann), ist das in der Katzenzucht anders: egal wie schlecht eine Katze im Standard ist - wenn man nur oft genug auf Ausstellungen (verschiedener Vereine) geht - irgendwann hat man seine Punkte zusammen. Und wenn nicht - auch egal - denn man kann auch mit Katzen züchten, die nie auf einer Ausstellung waren.
Da ich z.B. dieses Ausstellungsgedöns immer furchtbar fand. Auf meiner letzen Ausstellung war ich mit meiner roten Langhaarkatze, damals vermutlich eine der ersten in Deutschland, die
ticked tabby war. Und ich musste am ersten Tag unendlich mit einem Richter diskutieren, weil er das nicht "anerkennen" wollte. Am zweiten Tag habe ich ihm entsprechende Literatur mitgebracht und Stammbäume um ihm aufzeigen, dass das, was er "noch nie gesehen hat" genetisch durchaus möglich und logisch war. Als mein Mann mich anschließend fragte, ob ich noch "ganz frisch im Kopf wäre, dass wir Geld bezahlen würden, damit ich dem Richter Nachhilfe in Genetik gebe" - musste ich ihm zustimmen und beschloss, nie wieder meine Katzen auszustellen.
Kann man da wirklich nur an die Sorgfalt der Züchter und Käufer appellieren, oder müsste da der Gesetzgeber nicht viel stärker eingreifen? Damit nicht jeder Hinz und Kunz sich Züchter schimpfen darf?
oh ja - so ein Züchterführerschein, mit dem man nachweisen muss, dass man wirklich weiß, was man tut - ein Verbot mit hohen Strafen für alle, die ohne den Schein züchten. Und eine Wegnahme des Scheins, wenn jemand so richtig Mist baut. Ich bin absoluter Fan dieser Idee ... ich sag ja: in einer idealen Welt!
ich stelle die Sinnhaftigkeit von Zucht - besonders bei Karten immer noch in Frage. Man wird aber das Rad nicht zurückdrehen können.
Genau das ist das Problem. Und jetzt verschärft es sich noch: Menschen, die in der Lage sind, derartige Problematiken zu durchdringen, die wir hier unter anderem diskutieren, die werden in der Züchterwelt zumindest eher im Lager der "Guten" zu finden sein. Und wenn die jetzt noch aufhören ... dann bleiben nur noch die Deppen und die Schwarzzüchter übrig.
Sind wir denn mittlerweile nicht an dem Punkt, dass "Gesundheit" als oberstes Ziel angestrebt werden muss?
Wie ich sagte: Gesundheit ist kein Ziel, sondern die Prämisse. Aber schau mal, auf wievielen Züchterseiten (sofern sie noch HPs haben) steht: "Unser
Zuchtziel sind gesunde, gut sozialisierte Katzenbabys" - da könnte ich im Strahl kotzen.
Das ist ein Punkt, bei dem ich nicht nur die Käufer in die Pflicht nehme.
Sicher kann man sagen, dass man sich bei der Anschaffung eines Lebewesens mindestens so gründlich informieren muss wie bei der Anschaffung eines Handys.
In der Grundidee hast du Recht - aber für einen Laien ist das unglaublich schwierig. Bei einem Britenzüchter muss ich nur auf die HP und die Stammis schauen und weiß, "was es für einer ist". Aber ich habe das mal für eine andere Rasse versucht und da bin ich selbst mit meinem Hintergrundwissen schon gnadenlos verloren. Sicher kann man die totalen Versager aussortieren - aber ob man wirklich die richtig Guten findet? Ich bezweifle es.
Außerdem haben wir passende Gesetze, die zur Anwendung kommen müssen. Da mangelte es bis jetzt an der Umsetzung, aber ich schätze mal, der Druck wird größer und auch da bewegt sich etwas, leider zu spät für zu viele Tier und zu langsam.
Welche Gesetzte? Jeder darf ohne irgendeine Erlaubnis, Genehmigung oder Nachweis Katzen züchten (oder vermehren) - welcher Druck? Viele schauen in erster Linie auf den Preis, glauben den Unfug, dass Züchter sich bereichern und verstehen nicht, warum ein Tier mit Papieren so viel teurer ist. Und wollen es auch gar nicht so genau wissen ... die 400-Euro Kätzchen vom Schwarzzüchter, sind doch genauso niedlich. Und der züchtet mit Liebe und nicht, weil es ihm um Pokale geht ....
Stellt sich die Frage, warum nicht alle Züchter eintragen, haben sie etwas zu verbergen?
Zum einen sicherlich auch das. Zum anderen sind sie zu faul und zuletzt, gibt es die, die Angst vor gefälschten Stammbäumen haben.
Grundsätzlich denke ich auch, dass jemand, dem es nicht nur um seine eigene kleine Wohnzimmerzucht, sondern wirklich um die Rasse geht, natürlich alle seine Tiere dort eintragen lässt. Aber ich kenne auch zahlreiche Züchter, die zu dusselig sind, diese Datenbanken für sich selbst zu nutzen - die begreifen nicht einmal, welchen Wert das hat.