Hallo zusammen,
leider muss ich jedes mal, wenn ich hier im Forum schreibe, etwas schlimmes erzählen. Wir haben einfach kein Glück... Nachdem ich erst im Oktober beide meine Schätze gleichezeitig verloren habe (siehe
Thread), habe ich im Dezember eine neue Katzendame zu mir geholt und im März/April einen Kater dazu.
Nun macht das Mädel (Kisa, Maine Coon, kastriert, 1,5 Jahre) mir seit Anfang Juli nichts als Kummer.
Von einen Tag auf den nächsten konnte sie nicht mehr springen. Selbst ein Stuhl war zu hoch, die Hinterbeine kamen nicht mit. Binnen einer Woche war es soweit, dass sie kaum noch gescheit laufen konnte, die Vorderbeine zeigten auch Schwäche. Großes Blutbild und Röntgen unauffällig, die Klinik riet mir zu einem Spezialisten zu gehen, da sie selbst ratlos waren. Es folgte eine 3 Stunden Autofahrt zur Klinik wo es eine Neurologin gab, die sich Kisa 2 Stunden angeschaut und mich beraten hat. Es wurden weitere Bluttests und noch ein Röntgen vom Brustkorb gemacht. Atemwege unauffällig, kein Thymom,
Toxoplasmose und Myasthenia Gravis negativ, Leberwerte auch ok, keine erhöhten Entzündungswerte.
Die Vermutung der Neurologin ist autoimmunmediierte Polyneuropathie. Ein Begriff von dem ich vorher noch nie gehört habe, mich aber sehr viel in der Zwischenzeit belesen habe. Nun ist es aber scheinbar so, dass das sehr selten vorkommt, ein Auslöser oftmals gar nicht gefunden wird. Die Ärztin sagte, es ist eine harte Zeit und kann Monate in Anspruchnehmen, aber ca 75 % der betroffenen Katzen haben eine gute Prognose und können gut damit leben - trotzdem kann es immer wieder zu Schüben kommen.
Behandlung der Wahl ist Kortison. Manchmal klappts, manchmal nicht. Man könnte noch weitere Untersuchungen gemachen: Muskel-Nerv Biopsie und Liquoruntersuchung, allerdings kann durch die Gabe von Kortison das Ergebnis verfälscht werden. Dann gäbe es noch Elektrodiagnostik, womit man sehen könne welche Bereiche genau und wie stark betroffen wären. Und je nach Ergebnis gäbe es noch die Möglichkeit einer Immunglobulin Therapie.
Soweit mein Wissenstand.
Nun zurück zu Kisa: Eine Woche ging es ihr was das Laufen angeht immer schlechter, dann plötzlich eine Woche lang wieder besser. Dann wieder ein krasser Rückfall, stärker als der erste Ausbruch und es ging soweit, dass Kisa ein kompletter Pflegefall wurde, das heißt ich muss ihr regelmäßig Futter und Wasser hinstellen, sie aufs Klo setzen und festhalten, sie kann überhaupt nicht mehr alleine stehen. Wir entschieden uns für eine Kortisonbehandlung, um ihr die erneute lange Fahrt und die für weitere Diagnostik erforderliche Narkose erst mal zu ersparen (und mir die Kosten... wir bewegen uns hier im 4stelligen...). Nach einer weiteren Woche ging es ihr besser. 15 Tage lang waren wir auf dem Weg nach oben, wortwörtlich: Sie fing sogar an ein paar mal wieder alleine aufs Sofa zu springen. Ich dachte, wir wären über den Berg! Wir begannen damit Kortison ausschleichen zu lassen. Ca. 10 Tage später: Krasser Rückfall. Das war vor ein paar Tagen. Seitdem ist sie wieder ein kompletter Pflegefall.
Ich bin absolut ratlos wie wir nun weitermachen sollen. Der eine sagt Kortison wieder auf die ursprüngliche Dosis erhöhen - als ich das probiert habe, hat sie sich nachts übergeben. Andere sagen erst mal noch 1-2 Wochen mit der aktuellen Kortisonmenge weitermachen (das Übergeben war einmalig - da ich ihr einen Tag später wieder die reduzierte Menge gab). Die Ärztin rät nun doch dazu die restlichen Diagnosen zu machen...
Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr weiter und würde gerne wissen, ob jemand davon schon mal gehört oder gar eigene Erfahrungen hat.
Wichtige Rahmeninfos: Kisa ist nicht gelähmt. Ihre Beine sind gut durchblutet, sie hat Reflexe und kann sie bewegen, das heißt im Liegen kann sie pfoten und minimal "treten". Sie hat aber halt nicht die Kraft oder kann sie nicht genug steuern um zu laufen. Sie ist geistig komplett fit, laut 3 verschiedenen Ärzten und meiner eigenen Einschätzung hat sie keine Schmerzen. Ob es unangenehm kribbelt in den Beinen, das kann ich nicht ausschließen, aber insgesamt wirkt sie körperlich nicht "leidend", sofern man das so sagen kann - psychisch merkt man ihr natürlich den Stress deutlich an. Sie mauzt häufig, sie hat Langeweile, es ist nicht so einfach eine behinderte Katze zu bespaßen, sie kann ja quasi nur liegend Spielen und ein bisschen nach irgendwelchen Bändchen pfoten. Spieltrieb hat sie dennoch, sie schaut immer hinterher wenn ich mit dem Kater spiele, sie will immer überall dabei sein, sie hat einen guten Appetit (seit Kortison noch mehr, trinkt natürlich dadurch auch viel). Gewicht hat sie trotzdem verloren, wohl durch den Muskelabbau. Insgesamt war sie leider schon immer arg dürr, sie war eine Flaschenaufzucht und hatte das erste halbe Jahr Probleme mit Untergewicht und Durchfall. (Info von den Vorbesitzern.) Der kommt immer mal wieder, durchs Kortison natürlich erst recht. Sie ist geimpft, entwurmt, hat eine Flohkur bekommen, da es letztes Jahr / bis Q1 dieses Jahr einen Flohbefall im Auto/Haus gab (wohl über die Transportbox vom Tierarzt eingeschleppt... kein Witz!) und der Kot wurde auch auf Parasiten und
Giardien untersucht. Alles negativ.
Nun stehe ich also vor der Wahl: Doch noch mal versuchen das Kortison auf die ursprüngliche Dosis zu erhöhen, hoffen, dass sie nicht wieder erbricht und dass die höhere Menge die Symptome wieder in den Griff bekommt? Aktuelle Kortisonmenge beibehalten und noch mal ne Woche abwarten, da es ja vorher schon wöchentlich geschwankt hat? Kortison weiter ausschleichen und nach ein paar Wochen das volle Diagnoseprogramm fahren (Liquoruntersuchung, Biopsie und Elektrodiagnostik) obwohl wir dafür wieder 3 Stunden Autofahrt vor uns hätten (Also 6 am Tag insgesamt und sie hasst Autofahren!). Oder auf die Elektrodiagnostik erst mal verzichten und nur die Biopsie sowie Liquoruntersuchung hier vor Ort machen lassen?
Meine Gedanken sind halt: Wie viel Stress kann ich ihr zumuten? Wie viel packe ich finanziell? Und was bringen uns diese Untersuchungen? Es kann durchaus sein, dass gar nichts dabei rauskommt. Oder dass was rauskommt, was Anlass gibt, zu vermuten, dass Immunglobulitherapie helfen könnte (3 Tage Intensivtherapie Kostenpunkt noch mal schlappe 1000 €). Und wie soll das ganze langfirstig weitergehen? Die Ärztin sagt, wenn es wirklich autoimmun ist, worauf aktuell ja alles deutet, dann kann das jederzeit wiederkommen. ABER: Sie sagt auch sie haben Katzen wo 3 Monate durchgängig gar nicht laufen konnten und sich dann wieder vollständig erholen als wär nie was gewesen. 3 Monate ist so die grobe Dauer die uns genannt wurde. Und 75% gute Prognose. In meinem Umfeld wird mir natürlich direkt wieder gesagt "Die arme Katze leidet doch total, lass sie einschläfern!" Ich habe die Neurologin darauf angesprochen. Sie sagte zum aktuellen Zeitpunkt sieht sie überhaupt keinen Anlass dazu. Es sei hart für alle Betroffenen, aber man müsse es "aussitzen".
Ich muss noch dazu sagen, ich lebe alleine und kümmere mich um sie alleine. Ich habe eine 40+ Stundenwoche (Gott sei Dank kann ich im Home Office arbeiten, sonst wäre das aktuell alles gar nicht möglich!), und bin ehrlich gesagt psychisch immer noch fix und fertig von dem Verlust meiner Schätze im Oktober. Es schlaucht nicht nur für Kisa sondern auch für mich. Man bekommt ja nachts auch nicht viel Schlaf, wenn man ständig auf der Hut ist und mit einem Ohr lauscht ob die Katze mauzt, ob sie umfallen könnte, ob der Kater sie ärgert (er versteht das alles halt nur begrenzt und wuchtet sich schon mal spielerisch auf sie drauf, was halt momentan nicht geht und sie zum Schreien bringt), und man früh um 5 die Katze festhalten muss, damit sie nicht in Ihr Erbrochenes fällt oder sich den Hintern vollkackt.
Seit 1. Juli geht das ganze nun. Ich hoffe, ich habe an alle Infos gedacht. Nun hoffe ich auf Meinungen, Erfahrungsberichte und naja ein paar tröstende Worte würd ich natürlich auch nehmen. :'(