Dass ich Kitty verloren habe, ist immer noch schrecklich, ich habe das Gefühl, dass ich gar nicht von mir, von uns, schreibe, es kommt mir surreal vor - möglicherweise aus Selbstschutz.
Wir waren heute Abend aus, wir waren schon lange zum gemeinsamen Essengehen verabredet und hatten es schon zweimal verschoben. Es war sehr okay, wir hatten uns zuvor darauf verständigt, dass wir Kitty nicht thematisieren. Doch unabhängig davon haben sie die Tatsache, wie lange wir nicht in Urlaub waren, angesprochen. Das hat mich dann an meinen Beitrag in @mote und ihren Thread erinnert und mir wurde für einen Moment ganz schwer ums Herz.
Auf der Heimfahrt habe ich zu meinem Mann gesagt, dass ich einerseits nach Hause will, zu meinen beiden Süßen und in unser Bett und andererseits am liebsten die ganze Nacht nur herumfahren würde, um nicht nach Hause kommen zu müssen.
Es war dann weniger schlimm als ich dachte, weil wir freudig von Eduard begrüßt wurden - eine Rolle, die bisher Kitty inne hatte und die auch meistens exklusiv. Eduard kam meistens erst einige Zeit später die Treppe aus dem zweiten Stockwerk herunter und Margret ist keine Katze, die es interessiert, ob wir da sind oder nicht. Doch Kitty hat immer schon an der Wohnungstüre gewartet - sie ist verglast und ich konnte sie von außen sehen. Sie muss es schon gehört haben, dass wir die Haustüre aufschließen. Früher, als sie noch jünger war und besser gehört hat, ist aufgesprungen, wenn das Auto meines Mannes vorfuhr und es getutet hat, wenn es sich automatisch verschloss.
Kitty war uns so zugewandt - ich hatte wirklich das Gefühl, dass es ihr auch um uns geht und dass wir hier nicht nur von ihr geduldet waren. Es gibt nur zwei Menschen, außer uns, die sie kennen - dazu gehört meine Mutter und eine meiner Freundinnen. Ansonsten hat sie sich nie (!) blicken lassen, wenn wir Gäste hatten - auch Gäste, die eine oder mehrere Nächte hier gewohnt haben, haben Kitty nie zu Gesicht bekommen. Sie hat die unmöglichsten Verstecke ausfindig gemacht, damit sie bloss nicht mit unseren Besuchern konfrontiert wurde. Was haben wir diese Katze gesucht! Und immer wieder gefunden. Spätestens eine halbe Stunde, wenn der letzte Gast gegangen ist, hat sie sich wieder hervorgewagt und mitten in der Wohnung auf dem Boden gelegen und sich gereckt und gestreckt und hin- und hergewälzt vor lauter Freude: Endlich sind DIE weg! Die sollen bitte NIE WIEDER kommen.
Meine Mutter ist sehr ruhig und die Freundin, der sie sich gezeigt hat, auch. Meine Mutter durfte sie sogar anfassen und streicheln. Es ist seltsam, wie reserviert sie letztlich war, denn sie konnte gar nicht genug von uns gestreichelt werden - sie war so liebedürftig und verschmust und verrückt danach, ihre kleine Schnauze in meine (frisch gefärbten) Haare und mein Gesicht zu drücken.
In der Nacht vor ihrem Tod habe ich geträumt, dass der Tierarzt geklingelt und sie sich so erschreckt hat, dass sie im Bett unter mein T-Shirt gekrabbelt ist und sich dort versteckt hat. Den Traum kann man - wie so oft - so oder so auslegen. Eine Interpretation ist die, dass sie nicht gehen wollte und Zuflucht bei mir gesucht hat. Meine ist die, dass sie wusste, dass sie gehen wird und sich noch einmal ganz eng an mich schmiegen und mich ganz nah bei sich haben wollte. Ich habe sie die ganze Zeit über gehalten, auch wenn mir noch nie etwas so schwergefallen, wie diese beiden Spritzen "frei zu geben" - muss ich auch unserem Tierarzt ein großes Kompliment machen, denn er hat es wirklich gut gemacht und ich bin auch meinem Mann sehr dankbar, dass die beiden Männer währenddessen ganz ruhig miteinander geplaudert haben - über Dies und Das, den Baum vor unserem Fenster, die Nähe zum Wald, in der wir wohnen ...
Und doch, auch wenn es stimmig und rund war, das Ergebnis ist dasselbe - mein Butzele ist nicht mehr hier bei uns und heute hat sie meinem Mann ganz besonders gefehlt und ich ahne schon, dass es auch bei mir noch nicht von Dauer ist, dass ich mich besser fühle, denn das Loch, das sie gerissen hat, ist sehr tief und manchmal leider auch sehr schwarz.