[...] Du gehst vom optimalen Idealfall aus, den man aber keinesfalls einfach auf alle Kinder übertragen kann. [...]
Sicher, da ist was dran, aber in deinen Texten kommt es immer so rüber, als wenn es gar keinen Sinn hat, es den Kindern nahe zu bringen/beizubringen, da sie es ja aufgrund äußerer Umstände (Wohnort, "Denglisch" als Alltagssprache/in der Werbung etc.) eh nicht hinbekommen würde. Ich finde - wie schon einmal gesagt - dass du das Pferd von der falschen Seite aufzäumst. Gerade WEIL es so ist, müsste man sich verstärkt darum kümmern, gerade WENN man weiß, dass in den Familien weniger darauf geachtet wird, sollte man in den Schulen, aber auch im Umgang mit den Jugendlichen verstärkt dran arbeiten, ihnen ihre eigene wunderschöne Sprache mit all ihren Facetten und Unwegsamkeiten näher zu bringen! Sich hinzustellen und das alles zu entschuldigen mit:
Die Generation sei halt so und könne nichts dafür, Schuld sei ja die allzu böse Umwelt und daran könne man ja nun auch nichts ändern - hieße doch, die Hände in den Schoß zu legen.
Du hast dich beschwert, dass ich mich darüber aufrege? Nun, das mache ich, aber ich arbeite auf der anderen Seite auch aktiv daran, es zu verbessern, ich finde, dann habe ich auch das Recht dazu - was tust du diesbezüglich - Entschuldigungen finden? Dann bist du nicht besser als die, die ich (zugegeben etwas polemisch pauschalisiert) als "faul "bezeichnet habe.
Und natürlich sind es nicht nur "die Jugendlichen", es gibt genug, die ordentlich schreiben und sprechen können, es sind bereits Generationen, denen Sprache nicht mehr viel bedeutet und die sie als Mittel zum Zweck nutzen (nicht mehr wegen ihrer Schön- und Besonderheiten) und somit den Weg des "geringsten Widerstandes" gehen.
Man mag geteilter Meinung darüber sein, was Sprache leisten kann und soll, man kann sicherlich auch so argumentieren, dass sich Sprache mit den Menschen entwickelt und wenn das allgemeine Niveau sinkt, eben auch die Sprache "den Bach 'runter geht", dient sie doch "nur" zur Kommunikation und die Höhlenmenschen haben sich doch durch Grunzlaute auch prima verständlich machen können.
Aber ist es wirklich das, wohin wir zurückkehren wollen??
Es kam die Frage auf, ob jemand, der in Lage ist, Hochdeutsch zu sprechen intelligenter/gebildeter sei, als einer, der es nicht kann. Das kann man so sicherlich nicht verallgemeinern. Andererseits muss man sich schon fragen, warum es manche Leute eben nicht lernen...
Aber auch da sehe ich kein Problem, wir sind eben nicht alle gleich und nicht jeder kann und soll ein Goethe werden, aber wenn jemand die Grundrechenarten nicht beherrscht, schwänge sich doch auch keiner dazu auf, zu behaupten, das läge daran, dass im Fernsehen nicht mehr richtig vorgerechnet wird und in verschiedenen Gegenden eben andere Begrifflichkeiten (Kilo, Pfund, Zentner, Duzend etc.) verwendet werden...
Ich bleibe dabei: Ich halte die deutsche Sprache mit all ihren Facetten für erlernenswert und auch für einen durchschnittlich begabten jungen Menschen auch für erlernbar, wenn er
will, in der Regel bekommt er die Möglichkeit in der Schule nämlich zur genüge dargeboten. Und will er das nicht, hat das für mich etwas mit einer gewissen Faulheit/Bequemlichkeit zu tun.
Jemand der eine LRS hat (sei sie nun attestiert oder "nur" so erkannt), sollte in der Schule gesonderte Förderung erhalten und bei Fortschritten durch viel Zuspruch motiviert werden, das hilft ungemein, viele überwinden diese dann auch recht schnell; anderen kann man durch Nachteilsausgleiche unter die Arme greifen.
Frage mal, wie viele Lehrer Zeit haben solche Kinder zu fördern?! [...]
Nun offensichtlich lebst du in einem Bundesland, in dem es noch keine gesetzliche Verordnung zu diesem Thema gibt. Es gibt aber inzwischen genug, in denen solchen Kindern geholfen wird, durch einen Defizit in einem Bereich [Dyslexie] (das gilt mit Abstrichen auch für die Rechenschwäche [Dyskalkulie]) nicht in ein seelisches Loch zu fallen („Ich kann/lerne das nicht, ich bin blöd.“), sondern diese Kinder aufzufangen. Wohlbemerkt, ich rede hier nicht von allgemein lernschwachen Kindern, sondern solchen, die eine Teilleistungsschwäche bei "normaler" bis überdurchschnittlicher Intelligenz haben.
Es ist keine Frage der „Zeit“, sondern der Pflicht, denn die (Deutsch-)Lehrer sind dazu verpflichtet, Kinder mit solchen Schwächen bereits in der Grundschule zu identifizieren und entsprechend zu fördern (u.a. durch Übungen in gesonderten Kursen, durch Differenzierung im Unterricht oder etwa den von mir bereits erwähnten Nachteilsausgleich (z.B. längere Zeit zum Lesen und Schreiben in Arbeiten etc.)).
[...] Wenn man nicht gerade auf eine Privatschule geht und gesondert Unterricht bekommen und diesen auch noch bezahlen kann, tja, muss sich eben jeder selbst helfen. [...]
Das ist, wie oben erklärt, bezogen auf einige Bundesländer schlicht und ergreifen falsch.
[...] So werden Aufsätze korrigiert mit 20 Fehlern auf der 1. Seite und eine Note 6 am Ende des Aufsatzes... [...]
Nun, wenn ein Aufsatz inhaltlich nicht in Ordnung ist, hat er eine schlechte Note auch verdient (egal, wie viele Rechtschreibfehler er enthält), das allerdings am FQ festzumachen, zumal, wenn man weiß, das es sich um ein rechtschreibschwaches Kind handelt, wäre pädagogisch ein Gau. Je nach Bundesland (s.o.) ist das so auch gar nicht nötig und möglich. In der Regel sind LRS-Kinder ja nicht "blöd", erfassen Situationen gut und können auch in Aufsätzen sinnvolle Texte erarbeiten. Natürlich ist es oft mühsam, sich durch solche Texte zu "kämpfen", aber ich kenne genug Lehrer, die das tun und zum Wohle des Schülers handeln.
[...] Und wenn die Eltern der Schrift nicht mächtig sind, erwartet man davon auch keine Hilfe.[...]
Die Kinder lernen in den entsprechenden Förder-Kursen, die ich oben angesprochen habe, auch, ihr Schriftbild zu verbessern, was es auch den Eltern leichter macht, die Texte ihrer Kinder zu lesen, da man danach mitunter tatsächlich unterschiedliche Buchstaben erkennt. Ein Kind, das selbst nach ein paar Jahren Schule immer noch nicht in der Lage ist, einigermaßen leserliche Texte zu verfassen, gehört evtl. in den Bereich der Legasthenie und müsste außerschulisch mit seinem Problem betreut werden. Aber normalerweise sind es doch gerade die Eltern, die die Schrift ihrer Kinder entziffern können, ich weiß nicht, von welchem Beispiel du jetzt ausgehst...
Sonderschule? Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist. Macht sich nicht gut im Lebenslauf.
Kein Mensch steckt nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ein offensichtlich diesbezüglich betroffenes Kind noch in Sonderschulen, jedenfalls nicht, wenn es sich, wie gesagt, um eine Teilleistungsschwäche handelt, das halte ich für Unsinn.
[...] Ich bin eher der Ansicht, dass man den Kindern beibringen sollte eigene Probleme selbst anzugehen und sich nicht auf ihnen auszuruhen. [...]
Da sind wir absolut einer Meinung, aber neben diesem "Starkmachen" muss eine gezielte Förderung stattfinden. Den Kindern Mut geben, ihnen zeigen, dass sie trotz ihrer "Behinderung" (leider ist die LRS als solche noch nicht anerkannt, es wird aber fieberhaft von diversen Verbänden und Ärzten daran gearbeitet, auch, weil dann z.B. Krankenkassen z.T nötige teure Förderungen übernehmen) im Schriftspracherwerb nicht "dumm" sind, das ist einer DER wichtigsten Leitsätze in Schule und Therapie.
[...] Manche bekommen dieses Defizit attestiert und denken, sie sind auf ewig davon befreit... andere trainieren die richtige Schrift.
Daran ist etwas Wahres, denn es wird immer wieder Menschen geben, die das Problem für sich "ausnutzen", das liegt leider auch an der "Verweichlichung" der Gesetze und Definitionen. Früher war das eindeutiger geregelt, was den Vorteil hatte, dass Kinder, die das nur schwach betraf, nicht aufgenommen wurden, z.T. man aber auch solchen, die eine "andere Form" hatten, nicht helfen konnte. Durch das "Aufweichen" kann man mehr Schülern in der Schule helfen, hat aber auch mehr "Blindgänger". Ein Attest gilt aber übrigens in den meisten Schulen zwar als Anlass zur Förderung, nicht aber als "Freifahrtschein"! Wer in den Förderkursen keinen Willen zur Besserung zeigt (oder gar nicht erscheint), wird ausgeschlossen und ihm wird der "Status" in der Regel aberkannt, sooo leicht ist es auch nicht (wobei das bundeslandabhängig sein kann).
[...] Aber eine Lehrerin in der Gesamtschule hat dafür keine Zeit...
Sorry, DAS ist jetzt selbst mir zu pauschal, auch wenn ich selber gerne mit solchen "Platituden" arbeite...
Grüße, saurier
P.S. (1): Falls jemand betroffenen Kinder hat oder sich dafür interessiert:
http://www.legasthenie.net
P.S. (2): Wer Fehler findet, darf sie behalten :wink:.