Hmmmm... ich muss hier ja das Paradebeispiel für einen heuchlerischen Unmenschen sein... oO"
Ich arbeite in einer Firma, die Labortiere hält und züchtet (Ratten, Mäuse, Hasen, sonstige Kleinnager und Ziegen/Schafe).
Im weiteren halte ich mich aber nur in Tierschutzorientierten Foren auf, und als ich letztens gefragt wurde, ob ich für eine Vermittlung einen Tiertransport von Linz bis Wien unterstützen kann, hab ich sofort ja gesagt. Aktuell machen wir noch aus, wann und wie, aber ich habe vor, mich gut darum zu kümmern...
Und, ich esse Fleisch. Von so gut wie allen Tierarten, die man mir bisher vorgesetzt hat.
Hmm... dann kommt jetzt aber natürlich die Erklärung dazu:
Ich habe die Arbeit angenommen, obwohl mir natürlich bekannt war, was die Firma tut, weil ich arbeit gebraucht habe, die Ausstattung gut ist, und vor allem im Bereich der Menschenrechte von der Firma sehr viel gemacht wird. Ich hatte nur die eine Wahl: annehmen oder nicht von meinen Eltern wegziehen zu können.
Inzwischen habe ich auch viel über die Versuche herausgefunden. Die "grausamen" Versuche werden schon lange nicht mehr an lebenden Tieren gemacht, aber es werden immer noch Tiere vergast, um deren Gewebe für Tests zu benutzen. Die Schafe/Ziegen werden einmal im Monat "angezapft" um mit deren Blut arbeiten zu können. Das ist für die nicht sehr stressig. Ratten, Mäuse, Kaninchen werden regelmässig ausgewechselt und weitervermittelt, die kommen in den Tierschutz, sind "normal" im Verhalten (ich habe selbst welche davon übernommen, eine Mitarbeiterin hat eine Gruppe Ratten von dort).
Affen hatten sie auch mal, die wurden inzwischen in einen Zoo vermittelt und nehmen an einem auswilderungsprojekt Teil. Die wurden zwar in nicht artgerechten Käfigen gehalten, wurden aber rund um die Uhr betreut und beschäftigt.
Daher kann ich es mit meinem Gewissen vereinbaren, dort zu arbeiten. Und für mich selbst tue ich auch was: ich helfe anderen Tieren, die auch Hilfe benötigen. Denn wo und wie man hilft ist eigentlich egal, solange die Hilfe ankommt. Es ist zwar nicht optimal, aber wohl besser, als wenn ich arbeitslos wäre - einen willigen Mitarbeiter hätten sie auch anderswo gefunden, aber ich bin dazu bereit, meine Zeit und Finanzen auch teilweise in die Tiere zu stecken, die es brauchen. Ein anderer würde das vielleicht nicht tun.
Ich achte zb. darauf, wo ich mein Fleisch einkaufe, versuche wo ich kann Biofleisch zu nehmen oder zumindest den Aufdruck "in Österreich geschlachtet" zu finden. Manchmal geht das nicht, aber dann kaufe ich eben mal kein Fleisch ein...
Und wegen all dieser Überlegungen finde ich vollkommen ok, wenn jemand Tiere wie Katzen, Rinder, Hasen, Ziegen oder sonstiges isst, solange er etwas dazu beiträgt, die kurze Lebenszeit dieser Tiere so lebenswert wie möglich zu machen.
Ich verstehe nicht, warum so viele Veganer/Vegetarier so agressiv auf die Ernährungsvorlieben anderer Leute anspringen. Oder sich immer angegriffen fühlen müssen, wenn jemand ihnen nahe bringen will, dass sie da gerade sehr harte Worte angewandt haben, die man als Fleisch-fresser so auf sich einfach nicht sitzenlassen will.
Wie käme ich denn dazu, einen Veganer Mörder zu nennen, weil er ohne es zu wissen etwas aus Tierleder verwendet? Dagegen ist das doch das Erste, was einem von eingefleischten Veganern/Vegetariern vorgeworfen wird.
Btw.: In meiner Ausbildung hatte ich auch Unterricht in der Schlachtung und Zerlegung von Tieren, daher weiss ich aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, einem Tier das Leben zu nehmen. Das waren Freilandbioschweine, die wir am Vortag noch gekrault haben. Und trotzdem kann ich daran nichts schlimmes finden. Den Tieren ging es besser als so manchem nicht-Schlachtvieh (zb. Eier für Vegetarier oder Häschen, Hamster, Mäuse für die kleinen Kinderchens...)