Zum Thema Freigang ja/nein und was ist eigentlich artgerechte Katzenhaltung:
Heutige Katzengenerationen sind nun einmal domestiziert und durch den jahrhundertelangen Kontakt zum Menschen in ihrem Verhalten geprägt. Und da stellt sich dann auch die Frage, was denn eine artgerechte Haltung wäre? Denn mit einem direkten Vergleich zu den wilden (nicht verwilderten) Vertretern der Gattung wäre ich da schon etwas vorsichtig ...
Ja, wir halten die Tiere auch aus egoistischen Gründen, aber das schließt nicht zwingend aus, dass wir dennoch auch das Wohl der Tiere im Sinn haben.
Ich kann Canix gut verstehen, denn wenn eine Katze nicht gelernt hat, die Gefahren im ungesicherten Freigang richtig einzuschätzen, wird sie nicht lange überleben. Und gerade, wenn ich Wohnungskatzen in X.ter Generation habe, kann es ihnen auch die Mutter nicht beigebracht haben.
Wir haben hier insgesamt 6 Katzen im unbeschränkten Freigang: 1 Persermix, 2 Ex-Streuner + 2 Schuppenkater (die Ableger der Streuner), sowie eine kleine Katzendame aus dem Tierschutz. Unsere beiden jungen Schuppenkater sind sehr darauf geeicht draußen zu überleben und Gefahren zu erkennen. Was aber auch bedeutet, dass sie draußen z.T. so scheu sind, dass sie noch nicht einmal zu mir kommen, wenn ich mich außerhalb unseres Reviers befinde. Drinnen ist die Situation anders, sie sind verschmust und suchen den Kontakt mit uns. Dennoch sind sie mehr draußen als drinnen.
Der Umkehrfall sind die beiden Ex-Streuner: Beide gehen nur noch sporadisch nach draußen. Die wissen einfach viel zu sehr einen sicheren, warmen Platz und eine regelmäßige Mahlzeit zu schätzen.
Insofern würde ich aus meiner Erfahrung heraus sagen, es hängt sehr von den Katzen ab. Es gibt Katzen für die wäre ein Leben ohne Freigang Quälerei und wieder andere, die eben einfach mehr Couch-Potatoes sind. :mrgreen:
2.) Zum Thema Katzen sind Einzelgänger. Nunja … wenn ich mir verwilderte Hofpopulationen und große Katzengruppen im Mittelmeerraum so ansehe, glaube ich nicht, dass die Menschen diese Tiere zum Zusammenleben zwingen (wie es hier ja für Gruppen in Wohnungshaltung angemerkt wurde). Denn die Nahrungssituation, die hier häufig vorliegt, ist nicht gut, sodass eigentlich kein konkreter Vorteil im Zusammenbleiben für die Tiere besteht. Dennoch sieht man dort immer wieder Katzenknäule aus 2-3 Katzen, die sich innig putzen. Auch unsere könnten jederzeit problemlos abwandern (sind ja auch erst selbsttätig zugewandert), tun sie aber nicht.
Ja, es gibt Reibereien in unserer Gruppe, aber auch immer wieder Momente in denen sie zeigen, wie eng der Verbund wirklich ist. Es wird gemeinsam gejagt und gemeinsam das Revier verteidigt. Brösel sucht rufend unser Haus ab, wenn er Filou, seinen Bruder, nicht finden kann. Der Schnitzelkater greift an, wenn er ein Mitglied seiner Gruppe in Gefahr vermutet und verteidigt dieses.
Auch wird mit fremdem Katzenbesuch auf unserem Grundstück sehr unterschiedlich umgegangen: Es gibt welche, die dürfen keine Pfote in den Garten setzen, sonst werden sie von 3 singenden Katern in Empfang genommen. Und andere mit denen wird ein freundschaftlicher Umgang gepflegt: Man beschnuppert sich und lässt den Besuch sogar in den Schuppen, ohne irgendein Anzeichen von Unruhe.
Dass in vielen Tierheimen Katzen sitzen, die in Einzelhaltung vermittelt werden, weil für Katzengruppen nicht kompatibel: Ich vermenschliche mal kurz: Wenn Du mich in eine 5er WG wirfst mit wildfremden Menschen, die mir bös unsympathisch sind. Dann bin ich auch äußerst „inkompatibel“. Das bedeutet aber nicht, dass ich andere Menschen grundsätzlich nicht leiden kann. Nur eben nicht alle …
Ich will nicht ausschliessen, dass es bei Katzen Einzelgänger gibt, aber ich glaube es sind deutlich weniger, als immer so angenommen wird.