Liebe Melli,
warum und wem gegenüber sollte ich als Liebhaber beweisen müssen, dass es sich bei meinen Katzen um Rassetiere handelt?
Beim Kauf ist für mich persönlich der Stammbaum wichtig, Danach nicht mehr.
Anderen reicht es völlig aus, dass ihr Tier so aussieht wie eine
Siam und das Wesen einer
Siam hat, um eine
Siam zu SEIN.
Andere nennen ihre Katze
Siam, obwohl sie nicht einmal so aussieht - aber das ist doch nicht "verboten".
Lediglich für die MItglieder der Verbände sind deren Regeln verbindlich.
Ergänzung ()
Im Wikipedia Artikel werden ja Dachverbände genannt und solche Dachverbände sind durchaus wissenschaftlich zitierbare Quellen bzw. deren Satzungen (je nach Auslegung des Terminus Wissenschaftlichkeit)
Das habe ich nicht bestritten.
Ich habe versucht, klar zu machen, dass die Satzungen nur für die Mitglieder der Verbände verbindlich sind. Für mich als Käuferin stellen sie, so ich Wert darauf lege (was ich tue ;-), eine gewisse Garantie dar, beim Kauf ein Tier zu bekommen, das den dort festgelegten Standards entspricht, was mit den Stammbaum belegt werden soll.
So weit, so gut.
Dass es keine wirkliche Garantie gibt, macht ja gerade die Diskussion darüber deutlich, ob bestimmte Züchter/Zuchtgemeinschaften (Verbände?) wirklich seriös sind.
Die Verbände geben ihren Mitgliedern Regeln für die Zucht vor. Nur wer sich innerhalb des Verbandes an diese Regeln hält, darf ein Tier dann auch als Rassetier bezeichnen.
Für Nicht-Mitglieder sind die Regeln selbstverständlich nicht verbindlich.
Bezüglich der strafrechtlichez Relevanz, falls man sein Tier ohne Stammbaum als
Siam verkauft, würden mich Gerichtsurteile interessieren. Ich kann mir vorstellen, dass es als Betrug gewertet wird, wenn man von einer reinrassigen
Siam spricht (sind damit dann eigentlich nur die wirkliche reinen
Siamese gemeint, ohne
OKH-Einkreuzungen?), nicht aber, wenn man sie lediglich als "Siamkatze" verkauft.
Sein Tier als Rassenkatze bezeichnen darf aber jede/r...
Und genau das stimmt in meinen Augen so nicht. Zwar sind die Satzungen streng genommen verbindlich nur für die Mitglieder, aber es geht hier ja auch um die Frage was ein Züchter, was eine Rasse etc. ist.Darum auch mein Hinweis auf die Wissenschaftlichkeit bzw. Seriösität.
Wenn man streng wissenschaftlich bzw. seriös vorgehen will,müsste man den Begriff Rassekatze erst mal streng innerhalb seines Forschungsfeldes oder zumindest nach der Allgemeinheit/kulturellen Auffassung definieren. Da wir hier ein zweiteiliges Wort haben (Katze/Rasse) müsste also geklärt werden, was eine Katze und was eine Rasse ist. Ich versuche das jetzt mal auf die Schnelle wissenschaftlich aufzudröseln, für alle Lesefaulen fasse ich unten nochmal zusammen
Gehen wir rein wissenschaftlich vor, würden wir für "Katze" vermutlich in der Zoologie bzw. des Oberfaches Biologie. Das Wort "Rasse" finde ich schwierig, da es hier ja ein Begriff ist, der nicht spezifisch für Katzen, sondern allgemein für Lebewesen angewandt ist. Außerdem beschäftigen sich Biologie und Zoologie ja mehr mit der ganzen Tierart und weniger mit Subgruppen wie einzelnen Rassen. Daher ist der biologische Rassenbegriff auch sehr allgemein gefasst:
Rassen sind Populationen einer Art, die sich in ihrem Genbestand (Allelenbestand, Genpool) und damit auch in ihrer Merkmalsausprägung (phänotypisch) von anderen Populationen derselben Art (Spezies) in einem Ausmaß unterscheiden, das eine taxonomische Abtrennung (und damit Belegung mit einem eigenen Rassennamen = Trinomen, Nomenklatur) rechtfertigt.
(
Rasse).
Da der Begriff aber auch kulturell definiert ist (und um den geht es hier uns eher), müssen wir uns also vor allem die kulturelle Definition von Rasse ansehen:
Kulturrassen, vom Menschen durch künstliche Selektion gezüchtete Haustier- und Pflanzenrassen (Tierzucht, Pflanzenzüchtung). Sie sind auf bestimmte Wildarten als Stammarten zurückzuführen, mit denen sie oft noch fruchtbar kreuzbar (Kreuzung) sind. Sie werden nicht mit einem eigenen Rassennamen bezeichnet, sondern als forma domestica der Stammart benannt.
(
Rasse).
Das heisst wir sind, wenn es darum geht, wie "Rasse" definiert ist, müssen wir uns den kulturellen Begriff im Bezug auf domestizierte Hauskatzen ansehen. Schaut man sich jetzt die Definition der "Kulturrasse" an, wird diese in den Lexika mit "Zuchtrasse" gleichgesetzt (z.B.
Kulturrassen), dass heisst, Rassen zu allererst sind gezüchtete und domestierte Katzen. Somit würden schon mal alle "Upps-Würfe" keine Rassekatzen sein können (nach dieser Definition). Hier endet aber auch die Biologie, da es in diesem Fall bei "Rasse" ja um einen kulturell geprägten Begriff geht. Bei kulturell geprägten Begriffen gibt es zwei Vorgehensweisen zur Definition (zumindest in den Wissenschaften): Einmal die allgemeine Definition, dass heisst wie der BEgriff im allgemeinen Sprachgebrauch verwendet wird und eine fachliche Definition, dass heisst, wie der Begriff in der Wissenschaft gebraucht wird.
Allgemeine Definitionen finden wir z.B. im Duden:
Rasse = Gesamtheit der auf eine Züchtung zurückgehenden Tiere, seltener auch Pflanzen einer Art, die sich durch bestimmte gemeinsame Merkmale von den übrigen derselben Art unterscheiden; Zuchtrasse
Hier sind zwei Merkmale herauszuheben: Zucht und gemeinsame Merkmale. Das heisst eine Rassekatze ist demnach eine Katze, die bewusst mit einer Kombination von Merkmalen gezüchtet wurde, die sie von anderen Katzen unterscheidet.
Wissenschaftliche Definitionen findet man in dem jeweiligen Fachbereichen, hier müsste also erst geklärt werden, welchen Fachbereich wir benötigen. Da es sich um einen kulturellen Begriff handelt, bieten sich hier die Kulturwissenschaften an, da es uns speziell um "Rassen" geht aber entweder die Germanistik (um die Herkunft des Wortes Rasse zu untersuchen) oder die Ethonologie/Kulturanthropologie (da der Begriff Rasse kulturell gesehen vor allem mit dem Menschen verwendet wird. (Kulturanthropologie ist im Übrigen mein Fachbereich in dem ich forschend tätig bin). Da eine wissenschaftliche Definition mir gerade nicht möglich ist, ohne Zugang zur entsprechenden Fachliteratur und wir uns ja in erster Linie auch auf die allgemeine Bevölkerung beziehen, verwende ich daher weiter die allgemeine Definition von Rasse.
Eine Rassekatze ist also gezüchtet und hat bestimmte Merkmale. Wir müssen als nächstes also Zucht definieren und die Merkmale. Wie bisher verwende ich dafür vor allem die
allgemeinen Definitionen, dies ist aber nicht streng genommen kein astreines wissenschaftliches Vorgehen.
Zucht:
Verbesserung und/oder Erhaltung der genetisch fixierten Eigenschaften von Kulturpflanzen (Pflanzenzüchtung) und Nutztieren(Tierzüchtung) bzw. die Erzeugung neuer Sorten und Rassen mit definierten Qualitätsmerkmalen – unter der Zielsetzung, das Leistungsniveau zu verbessern
(
Züchtung).
Eine Rasse kann also nur entstehen, wenn der Züchter unter bestimmten Kriterien züchtet, in diesem Fall zur Verbesserung des Leistungsniveaus. Damit sind auch alle "Rassekatzen" raus, die nur einfach so gezüchtet werden, ohne fest definiertes
Zuchtziel (und Geld ist hier kein
Zuchtziel). Wir halten also fest: Rassekatze = Katze mit bestimmten distinktiven Merkmalen, die von einem Züchter mit einem bestimmten
Zuchtziel gezüchtet wird.
Jetzt stellen sich die Frage: Wann sprechen wir denn wirklich von einer Zucht bzw. einem gezüchteten Tier. Und hier gibt es tatsächlich juristische Grundlagen:
Zuchttier:
a) ein Tier, das in einem Zuchtbuch eingetragen ist (eingetragenes Zuchttier),
b)ein Tier, das selbst in der Hauptabteilung eines Zuchtbuches eingetragen ist oder vermerkt ist und dort eingetragen werden kann (reinrassiges Zuchttier), oder
c) ein Tier, das in einem Zuchtregister eingetragen ist (registriertes Zuchttier);
(TierZG, §2, 11).
Das heisst laut Gesetz ist ein reinrassiges Zuchttier ein Tier, dass in der Hauptabteilung eines Zuchtbuches eingetragen bzw. vermerkt ist oder wenigstens dazu fähig wäre. Nächste Frage also: Was ist ein Zuchtbuch? Auch hier hilft das Gesetz:
Zuchtbuch: ein von einer anerkannten Züchtervereinigung geführtes Buch der Zuchttiere eines Reinzuchtprogramms zu ihrer Identifizierung und zum Nachweis ihrer Abstammung und ihrer Leistungen;
(TierZG, §2, 4).
Ergo: Rassekatze darf sich nur nennen, was in ein Zuchtbuch einer ANERKANNTEN Züchtervereinigung gelistet ist. Das heisst: Wer behauptet eine Rassekatze zu haben, muss nachweisen können, dass die Katze in ein Zuchtbuch eingetragen ist, bzw. dass die Katze den Zuchtstandards des Zuchtverbandes erfüllt.
Nun zur letzten Frage: Wie weist man das nach? Durch die Papiere. Denn jede Zuchtvereinigung muss auch eine Zuchtordnung haben und wenn man sich die Zuchtordnungen anschaut, sagen die alle mehr oder weniger aus, dass in der Regel dieser Nachweis über die Rasse u.a. über das Zuchtbuch und den Stammbaum erfolgt.
Zusammenfassung:
Eine Rassekatze ist per allgmeiner Definition eine Katze, die von einem Züchter mit einem bestimmten qualitativem
Zuchtziel und bestimmten distinktiven Merkmalen bewusst gezüchtet wird, ergo ist eine Rassekatze immer eine Zuchtkatze. Eine Zuchtkatze ist per Gesetz (TierZG, §2) nur, wenn sie in ein Zuchtbuch einer anerkannten Zuchtvereinigung eingetragen ist und dies nachweisbar ist. Das heißt, eine Rassekatze ist nur eine Katze, die den Nachweis erbringen kann, dass sie offiziell dieser Rasse zugehörig ist nach Standards ihres Zuchtverbandes, z.B. durch ihre Papiere.