Was ist denn "normal"?! Können sich Katzen ohne natürlichen Freigang überhaupt "normal" entwickeln?
Also mir sind durchaus "normal" entwickelte Katzen bekannt, denen Ihr Freigang-Revier wesentlich wichtiger ist. Gerade die (kastrierten) Kater in meiner Umgebung zeigen oft ein stärkeres Revier- als "Kuschel"Sozialverhalten.
Daher finde ich es sehr schwer, als Mensch einzuschätzen, was "viel wichtiger" für eine Katze ist.
Meine Ansicht ist beispielsweise, dass Wohnungshaltung für eine Katze nie artgerecht sein kann. Eine Wohnung sowie ein gesicherter Freigang würden nie dem Bewegungsbedürfnis und natürlichen Freiheitsdrang einer Katze gerecht werden, wenn man sie nicht zusätzlich "bespaßt".
Aber über Meinungen lässt sich bekanntlich streiten... ;-)
Ich verstehe nicht, wieso ausgerechnet von mir, die ja als eine von zwei Usern darauf abgezielt hat, dass es nicht angehen kann, der Katze den Freilauf vorzuenthalten, wenn man ihr nicht die Wohnungshaltung vor allem durch Gesellschaft UND möglichst durch gesicherten Auslauf so artgerecht wie möglich machen kann, ein Zitat herausgegriffen wird, das dann völlig entgegen meiner Kernaussage interpretiert wird.
Wie wäre es mit einem anderen Zitat von mir gewesen? Zum Beispiel aus dem gleichen Beitrag?
Und da eben keine zweite Katze drin ist, wäre es in meinen Augen nicht artgerecht, so eine junge Katze alleine als Wohnungskatze, sei es nun mit Balkon/Gehegeauslauf oder Gartenauslauf an der Leine, zu halten.
Bei allen Alternativen wird ihr der Sozialkontakt zu Artgenossen fehlen, weshalb der Freigang, eventuell verbunden mit "Trainingseinheiten" wie geschildert, in meinen Augen dann für das Tier noch die meisten Vorteile hat.
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Katzenhaltung kann heutzutage immer nur ein Kompromiss sein, denn ideale Zustände wird man kaum irgendwo vorfinden.
Also muss man entweder in den sauren Apfel beißen und sich mit den Gefahren des Freilauf arrangieren oder, falls einem die Gefahren zu bedrohlich erscheinen, dann eben die Wohnungshaltung so gut wie möglich an die Bedürfnisse des Tieres anpassen. Und kätzische Gesellschaft ist für eine Katze nun mal ein Grundbedürfnis. Selbst wenn die Gesellschaft nicht 100% passt, es ist immer noch besser, jemanden zum Streiten zu haben, als gar niemanden.
Man sollte sich mal fragen, wie sah der natürliche Lebensraum von Hauskatzen über Tausende von Jahren aus und was davon kann man heute noch bieten?
Der natürliche Lebensraum einer Hauskatze war vor allen Dingen völlig frei vom Straßenverkehr, Schienenverkehr, landwirtschaftlichen Maschinen. Er war frei von vielen Giften, angefangen von Rattengift bis hin zu Umweltgiften. Er war signifikant weniger dicht besiedelt als das heutige Deutschland, womit auch der über die Jahrhunderte und Jahrtausende gleich bleibende Anteil von Tierquälern unter der Bevölkerung sich auf weniger Katzen auswirken konnte.
Diesen natürlichen Lebensraum einer Hauskatze gibt es heute in Deutschland bis auf extrem dünnbesiedelte Gegenden nicht mehr.
Deshalb muss man als Katzenhalter sich für einen Kompromiss in der Katzenhaltung entscheiden und ich finde es wichtig, dass dieser Kompromiss so ausgestaltet wird, dass die Lebensqualität der Katze

im Vordergrund steht und nicht die Befindlichkeit des Besitzers.
Wichtig ist in meinen Augen, dass man nur dann den Freigang verwehren sollte, wenn die Haltung einer (möglichst charakterlich ausgewogenen) Katzengruppe möglich ist und nicht die Haltung von Katzen einzeln - es sei denn, es handelt sich um Katzen, die durch solche Haltung schon vorgeschädigt sind.
Wie geschrieben, heutzutage ist alles nur noch als Kompromiss möglich.
Auch unsere Art zu leben ist keinesfalls "artgerecht".
Man muss immer irgendwelche Nachteile in Kauf nehmen, egal was man tut.
Man sollte sich nur überlegen, welche Alternative ist diejenige, welche in meiner Situation die geringsten schädlichen Auswirkungen hat.
Es gibt nicht einfach weiß und schwarz, gut und böse.
Diese Sicht auf die Welt ist ein wenig kindlich-naiv...
Es kommt immer auf das Umfeld und auf die persönlichen Lebensumstände an, was möglich ist.
Für jeden einzelnen gibt es dann ein Optimum, und ich halte es für artgerecht, dieses Optimum anzustreben.
Und in der einen Lebenssituation kann das Optimum bedeuten, die Katze einzeln zu halten, Freigang zu gewähren und sie eben eventuell von der Straße herunterkratzen zu müssen und in einer anderen Lebenssituation kann das Optimum bedeuten der Katze Freilauf zu verwehren aber dafür Ausgleich zu schaffen in Form von Gesellschaft und möglichst großzügigem gesicherten Freilauf.