1. Frühzeit von Mensch und Katze
Mit beginnender Sesshaftigkeit der Menschen schloss die Katze sich ihnen – zunächst als Abfallvertilger am Rand von Siedlungen lebend – an. Vermutlich kam es infolge der sich daraus ergebenden beiderseitigen Vorteile allmählich zur Selbstdomestikation der Tiere. Knochen kleinerer Katzen wurden zusammen mit menschlichen Knochen aus einer Zeit von vor bereits 9000 Jahren in Mesopotamien, Südost-Anatolien und Jordanien gefunden [1].
2. Besonderheiten der Verdauung
Die Katze benötigt, wie die meisten Säugetiere (einschließlich Mensch), Retinol (oder Vitamin A1), nimmt aber eine Sonderstellung ein, da sie im Gegensatz zu fast allen anderen Tieren nicht β-Carotin in Retinol umwandeln kann. Sie ist daher natürlicherweise auf den ausreichenden Genuss von Leber angewiesen, um sich mit Vitamin A versorgen zu können [2a].
Katzen dürfen nicht vegetarisch ernährt werden. Sie sind auf eine essentielle Aminosäure (Taurin) angewiesen, die nur in tierischem Protein enthalten ist. Auch die Fettsäure Arachidonsäure, die für Katzen lebensnotwendig ist, ist nur in tierischen Fetten enthalten [2b].
3. Energiebedarf
Aufgrund des massiven Einflusses von Übergewicht auf den Energiebedarf sollte für die Fütterungspraxis zwischen über- und normalgewichtigen Katzen unterschieden werden. Basierend auf Daten von
Kienzle (München 2003) [3a] lässt für Katzen mit Normalgewicht (
BCS bis 5) eine Energieaufnahme von ca. 251 kJ ME/kg KM (♀ und ♂-kastriert) bzw. 419 kJ ME/kg KM (♂-unkastriert) empfehlen.
Für Tiere mit höherem
Body Condition Score [3b] ist anhand der Ergebnisse ein Erhaltungsbedarf von ca. 544 kJ ME/kg KM zu veranschlagen.
4. Grundsätzliches
Ein normalgewichtiges Tier (≥3,3 kg) benötigt demnach zwischen 830 kJ/Tag (♀ und ♂-kastriert) und ein normalgewichtiger unkastrierter Kater (≥4,5 kg) 1.900 kJ. Im Mittel also 1.365 kJ/Tag [4].
Geht man davon aus, das eine Maus ca. 125 kJ [4] und 30 g Wasser (Feldmaus (Microtus arvalis) bis 40 g Ø-max.-Körpermasse und einem 75%igen Wasseranteil) liefert, benötigt eine Katze theoretisch elf Mäuse/Tag und nimmt ca. 330 ml Wasser zu sich. Nach diversen Internetquellen [4a] benötigt übrigens eine Katze ca. 60 – 80 ml Wasser/kg KM.
Wild lebende Katzen trinken nicht dort, wo sie fressen, weil es in freier Wildbahn unwahrscheinlich ist, dass sich direkt neben der geschlagenen Beute eine Wasserstelle befindet. Katzen regulieren ihren Wasserhaushalt NICHT allein durch Nahrungsaufnahme.
Katzenhalter wundern sich oft, dass ihre Katze so wenig trinkt. Die Katze ist ursprünglich ein Wüstentier. Wenig trinken und damit eine überdurchschnittlich hohe Konzentration ihres Harns ist somit normal. Aus tierärztlicher Sicht ist dies aber nicht wünschenswert. Die meisten Hauskatzen leiden unter Bewegungsmangel. Sie sind den ganzen Tag Zuhause, liegen herum, viele leiden an Übergewicht. Die Folge: Viele Tiere bekommen Harnsteine. Auch die Katzen, die ausschließlich durch Nassfutter ernährt werden, können Harnsteine bekommen. Trinken ist wichtig für die Harnsteinprophylaxe. Sie sollten Ihrer Katze deshalb an verschiedenen Stellen Wasser anbieten, um sie an das Trinken zu erinnern. Vorteilhaft wirkt sich ein Trink- oder Zimmerbrunnen aus. Auch die Zugabe von etwas Bouillon, Kaffeerahm oder Knoblauchpulver kann die Akzeptanz erhöhen.
5. Fütterungsformen von Hauskatzen (Alphabetisch geordnet, ohne Favoritisierung)
5a. BARF ist eine Methode zur Ernährung fleischfressender Haustiere und steht ursp. für „Born-Again Raw Feeders“, später für „Bones And Raw Foods“. Eingedeutscht auch „Biologisches artgerechtes rohes Futter“.
Das Prinzip vom BARF ist schnell erklärt: die ursprüngliche Beute des wilden Tieres wird zur Fütterung nachgeahmt und mit Ergänzungsmitteln wie Vitamine, Spurenelemente und Mineralien unterstützt. BARF sollte also Bestandteile wie Muskelfleisch, Knochen, Fett, Organe, pflanzliche Inhaltsstoffe, Vitamine, Aminosäuren etc. enthalten, die in etwa dem Gleichgewicht und der Zusammensetzung entsprechen, die in der Nahrung der wilden Vorfahren der Katzen enthalten sind.
Beachten Sie bitte, das sich die zuzuführenden Ergänzungsmittel nach der Menge des Futters und dem Gewicht der Katze richtet und eine nicht zu unterschätzende aufwendige Prozedur werden kann.
Weiter setzt dass BARFEN eine Gewöhnungszeit voraus. Die Umgewöhnung sollte langsam, aber stetig erfolgen, um Magen-Darm-Problemen vorzubeugen.
5b. Feucht-/ Nassfutter – Genau wie beim BARFEN wird die Zusammensetzung des Beutetieres kopiert. Die Geschmacksrichtungen sind vielfältig und grenzen zum Teil ans exotische. Zu beachten ist hier ein möglichst hoher Fleischanteil (>60%). Der Wasseranteil liegt hier in der Regel um 80%.
Feuchtfutter wird durch erhitzen haltbar gemacht. Es ist darauf zu achten, das im Futter keine Konservierungsstoffe enthalten sind, da diese durch die Wärmebehandlung toxisch werden können. Auch die bei der Humanernährung unproblematischen Konservierungsstoffe wie Benzoesäure ist für die Katze toxisch, da diese nur schlecht entgiften kann [4].
Weiter ist auf Zucker/Karamell zu verzichten. Gerade karamellisiertes Futter weist eine satte braune Farbe auf, „hübscht“ optisch also die eher blasse Futterration auf, ist für die Katze jedoch in mehrfacher Hinsicht von Nachteil.
5c. Trockenfutter – Anders als das BARFEN oder das Feuchtfutter wird hier nicht das ursprüngliche Beutetier in seinen Zusammensetzungen imitiert, sondern es werden die lebenswichtigen Bestandteile auf den energetischen Erhaltungsbedarf der Katze zugeschnitten. Das Endergebnis als Kroketten (das Fertigungsverfahren ist das selbe wie für Müsli/Frühstückscerealien) beinhaltet jedoch nur einen Wasseranteil von 8 bis 10%. Trockenfuttermittel haben somit eine wesentlich höhere Energiedichte und im Verhältnis zu Feuchtfutter werden folglich zur Fütterung der Katze wesentlich kleinere Mengen benötigt.
Zu beachten ist hier, dass eine alleinige Fütterung mit Trockenfutter nicht ganz unproblematisch ist. Trockenfutter entzieht dem Körper zusätzlich Wasser [4].
Es ist unbedingt darauf zu achten, das die Katze genügend Wasser zu sich nimmt. Das Einweichen des Trockenfutters mit Wasser (es nimmt i.d.R. das 2 bis 2,5-fache des Eigengewichts an Wasser aus) gleicht dieses Manko gegenüber des Feuchtfutters aus [4][5b].
6. Fazit
Vieles spricht für das BARFEN, da es der ursprünglichen Ernährungsweise der Katzen am nächsten kommt. Jedoch ist es aufwendig in der Verarbeitung und die Bevorratung beansprucht mehr oder minder Platz im Tiefkühlfach. Auch wird an Zusätzen zum Teil recht Merkwürdiges angeboten. Man muss sich also mit der Materie intensiv beschäftigen...
8% der aller Katzenbesitzer bereiten das Katzenfutter selbst zu [5a].
Feuchtfutter ist die beliebteste Fütterungsmethode. Sie bietet viel Abwechslung und ist unkompliziert zu handhaben. Sie bietet dem Tier alles zum Leben nötige...
30% der aller Katzenbesitzer versorgen ihre Katzen ausschließlich mit Feuchtfutter [5a].
Trockenfutter ist bei ausreichend Wasserzufuhr die günstigste der Fütterungsmethoden. Auch sie bietet dem Stubentiger alles zum Leben nötige bei gleicher Abwechslung wie beim Feuchtfutter.
23% der aller Katzenbesitzer versorgen ihre Katzen ausschließlich mit Trockenfutter [5a].
Die verschiedenen Futtermethoden können auf diversen Internet-Masken miteinander verglichen werden (z.B. hier:
http://www.futtermedicus.de/futterrechner/futtervergleich.html). Vergleicht der interessierte Leser zum Beispiel die Inhaltsstoffe des Trockenfutters Iams Adult mit Lachs & Huhn mit z.B. dem Feuchtfutter Real nature Fisch & Huhn, so zeigt sich unterm Strich kein großer Unterschied:
Energiegehalt bei Iams 426 kcal/100g
Tierschutz oder bei Real nature 482 kcal/100g
Tierschutz.
Zur Information:
1 Joule...........entspricht 0,239 Kalorien
BCS...............Body Condition Score [dt.: Körperkonditionsbeurteilung bei Tieren]
kJ ME/kg KM....umsetzbare Energie in Kilojoule je Kilogramm Körpermasse
KM.................Körpermasse
Tierschutz.................Trockensubstanz
____________________________________________________________________
Quellen:
[1] Wikipedia – Die Katze
[2a] James G Morris: Idiosyncratic nutrient requirements of cats appear to be diet-induced evolutionary adaptations. In: Nutrition Research Reviews. 2002; 15:153-168; Cambridge University Press
[2b] Deutscher Tierschutzbund:
http://www.tierschutzbund.de/782.html
[3a] Prof. Dr. Ellen Kienzle: Untersuchung zum Energiebedarf von Katzen (München 2003), Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München
[3b] Visualisiert im Netz:
http://vetmed.tamu.edu/services/nutrition/body-condition
Auf deutsch:
http://www.weight.pet-check.de/diagnose.htm
[4] Prof. Dr. M. Wanner: Die Ernährung der Katze, Zürich 2004 – Universität Zürich, Institut für Tierernährung
[4a] Beispiele: Tierambulatorium Mannswörth in Österreich, Katzenschutzbund Osnabrück
[5a] Statista GmbH
[5b] Stiftung Warentest - August 2008
____________________________________________________________________
Mein persönliches Statement:
Gerade die Tatsache, das ich es wage,
Trockenfutter als „unbedenklich“ zu deklarieren, wird einige Mitmenschen leider auf die Palme bringen. Aber ich befinde mich...
1. ...in guter Gesellschaft. Denn sowohl Stiftung Warentest, der nicht nur hier viel zitierte Prof. Dr. M. Wenner als auch Prof. Dr. Ellen Kienzle bestätigen dieses. Natürlich bei ausreichender Wasserzufuhr respektive einweichen des Trockenfutters.
2. ...auf relativ sicherem Boden. Ich bin zwar in einem technischen Beruf tätig, habe also mit Ernährung/Energiehaushalt nichts zu tun, habe mich aber über Wochen durch etliche akademische Texte durchgearbeitet.
Und ich meine Akademisch, keine Beiträge in Foren von Katzenbesitzern, die Vorgestern gehört haben, wie der Bäcker erwähnte, das dessen Onkel las...
Das bedeutet, das ich von potentiellen Diskussionsteilnehmern erwarte, das sie sich aus fundierten, möglichst unabhängigen und nachvollziehbaren Quellen informieren und dieses beitragen.
Bis später...