Meine Frage ging eher in die Richtung ob das Sinn macht,
fotografieren bedeutet halt, es zeigen wie es ist,
Kommt aber drauf an,
welchen Teil vom Bild du zeigen willst. Willst du die Braut zeigen, oder die Braut und ihren Opa?
Ich meine, solange das Bild-Element, das man zeigen will, im Fokus steht, ist ja egal, oder manchmal wünschenswert, dass man andere Elemente rausarbeitet bzw. das eigentliche Motiv betont. Wenn jemand wunderschöne Augen hat und Pickel von diesen ablenken, WEG MIT DEN PICKELN!
Typisches Beispiel Foto des Tages: Wenn ich euch mein kleines Katerchen auf meinem Schoß zeigen will, ist meine Beinbehaarung da ja vollkommen irrelevant. Ihr wollt das nicht sehen, ich will das nicht zeigen. Ihr wollt Ravioli sehen, ich will euch Ravioli zeigen. Was spricht dann dagegen, mich in Photoshop nachträglich zu rasieren? :wink: Ravioli auf meinem Schoß, seht ihr trotzdem. Nur ohne Erpressungsmaterial gegen mich zu haben :lol:
Eine vollkommen realitätsgetreue Wiedergabe eines Fotos ist ja eigentlich nur dann relevant, wenn es dir darum geht, ALLES das auf dem Foto ist, zu zeigen. So, wie man es sich von der Press wünschen würde. Es ist schon vorgekommen, dass ein Bild so zugeschnitten wurde, dass man nur noch ein Kind sah und einen Polizisten, der seine Waffe auf das Kind richtete. Der Geiselnehmer hinter dem Kind wurde von Staatsfeinden rausgeschnitten. DANN haben wir tatsächlich ein Problem, DANN lügt das Bild und die Lüge ist sogar
relevant. Aber ein unästhetisches Objekt rauszuarbeiten, nur um ein bisschen Glamour zu erzielen, das ist ja was ganz anderes.
Oder wenn man alles auf dem Foto gleich wichtig findet.
Oder wenn ich zum Beispiel mein neues Outfit zeigen will, wie auf meinem letzten Beispielbild. Warum sollte ich es mir dabei antun, einen Pickel stehen zu lassen, wenns doch eh ums Outfit geht und ich dafür keine Schandflecken in meinem GESICHT im Bild brauche?
Und warum den Schweinestall im Hintergrund stehen lassen, wenn der vom Modell in Dessous ablenkt, wenn man doch nur das Modell im Bild wollte? Es ging nie um den Hintergrund.
Auch sind wohl nur spontane Schnappschüsse eine wirkliche Wiedergabe der Realität, denn ob ich nun bei einem Glamourshooting vorher das Model in einen Shape-Body zwänge und schminke, oder nachträglich in Photoshop mit Liquify ihr Gewicht reduziere und ihr Rot auf die Lippen male, ist ja egal. Manche Fotos geben bereits bei ihrer Entstehung eine veränderte Wirklichkeit wieder. Je nachdem, von wo aus ich das Foto von Avia noch hätte schießen können, hätte der alte Mann auch nicht im Bild gestanden, obwohl er anwesend war. Wäre das genau so eine Verfälschung?
Immer eine Frage dessen, welcher Teil vom Bild wichtig ist.
Dann gibt es auch noch Stock-Fotografie. Bilder, die dazu DA sind, dass man sie in Manipulationen wie Werbeplakate oder Fantasy-Szenen einbaut.
Und was ist schon die Wirklichkeit? Wäre es eine große Veränderung selbiger, wenn ich mir in Photoshop blonde Haare verpassen würde? Ich laufe im realen Leben mit schwarz gefärbten Haaren rum, obwohl ich von Natur aus blond bin, drücke per Leggins meinen Bauch platt und trage einen BH, damit mein Balkon gut aussieht.