Zu RAW: Ich verzichte drauf. Mein Freund, der Fotografie studiert, meint zwar, RAW Bilder seien schärfer, aber sowas ist mir noch nicht aufgefallen. Mir ist der Aufwand zu doof.
Übrigens, toll in CS5: HDR. Für manche Fotos ein schöner Touch.
Darf ich Euch mal etwas fragen ?
Bis wann ist für Euch ein Foto noch ein Foto und wann beginnt
es zu etwas anderem zu werden, einem Bild, einer Fälschung bzw. einem
veränderten Foto.
Für mich: Wenn das Bild inhaltlich verfälscht wird, bzw. lügt.
Ich meine, viele Bilder brauchen eine Nachbearbeitung, wie zB durch Kurvenkorrektur, weil sie zu dunkel geraten sind, dunkler sogar, als dein Auge das Motiv wahrgenommen hat. Das ist ja keine Fälschung. Auch finde ich leichte Verbesserungsarbeiten wie zB den Hintergrund unscharf zu machen, um das Motiv besser zur Geltung zu bringen, überhaupt nicht verwerflich.
Dann gibt es Dinge wie leichte bis mittlere Retouchen. Warum nicht dem Modell und dem Betrachter den Gefallen tun, die Schuppenflechte wegzushoppen? Oder ein die Optik störender Mann im Hintergrund, dessen Kopf 1/3 ins Bild guckt und von der Schönheit der Braut ablenkt? Das sind so Kleinigkeiten, die viel ausmachen, ohne wirklich relevante Verfälschungen zu verursachen.
Beispiel 1:
Menschenmenge, langweilige Farben, viel zu dunkle Gesichter, unruhiger Hintergrund. Auf den ersten Blick ist das Bild Müll.
Zugeschnitten, leicht verträumte Farben, Hintergrund "weichgezeichnet" (was für ein Wort). Leichtes HDR. Und siehe da. Dasselbe Motiv, dieselbe Geschichte, derselbe Inhalt als solcher unverfälscht, nur schöner anzusehen.
Lieblingsbeispiel: Avia.
Links: Das Original ohne jegliche Bearbeitung. Sie sieht älter aus, als sie ist, ihre Wimpern und Brauen wirken blass und ärmlich, und hinter ihrem Haar dieser Mann, der einfach optisch stört und das Bild unnötig unruhig macht. Ihre Blume ist ein weißer Fleck und sie hat keinen Mund.
Hier bin ich relativ weit gegangen; hab ihr ein bisschen betonende Schminke verpasst, die Haut sanfter gemacht, den alten Mann rausgeshoppt, etc. und das ist verhältnismäßig "extrem", ja, fast eine "Lüge", aber verliert das Bild an inhaltlichem Wert, indem der Mann raus ist und ihre Lippen ein bisschen röter? Es ist eine Idealisierung der Wirklichkeit, aber keinesfalls eine Verfälschung, finde ich.
Hier wird tatsächlich "gelogen", bzw. verfälscht. Mein Bruder hat das Bild geschossen und ich sehe furchtbar aus. So riesig ist mein Kinn nicht und mein Auge war halboffen, was aussieht, als hätte ich nen Anfall oder so. Größer sieht man das Weiß von meinem Auge, grauenvoll.
Also hab ich mein Kinn verkleinert, meine Nase "ent-nahöstlicht", meine Wimpern dicker gemacht um den Augapfel zu kaschieren, meine Oberlippe aufgespritzt. War eher ein Test als ein ernstgemeinter Versuch, besser auf dem Foto zu stehen. Aber natürlich, hier wurde wirklich vieles so weit verändert, dass es nicht mehr "mich" darstellt. Farbkorrekturen sind was anderes, auch Pickelentfernungen, da sowas immer Frage vom Licht, der Hormone etc. ist und kein konstanter Teil der Realität.
Aber so richtig "Manipulation" fängt für mich da an, wo das Bild komplett verändert wird: Statt in der Wüste, steht das Modell auf einmal im Dschungel, im Hintergrund steht ein Teletubbie und das Modell hat Hörner. Eine reine Verbesserung der Wirklichkeit (wie das Brautfoto) zählt für mich noch lange nicht dazu.
Wie das:
Auch hier, ganz subtil und in meinen Augen bei weitem keine Manipulation. Ich hab den hässlichen Hintergrund rausgearbeitet, ihre Halsfalten retoushiert, das Auge aufgehellt und ihr einen leichten Schimmer gegeben. Na und? Alles ist, wie es wirklich ist, nur ein bisschen schöner. Und wen interessierts, dass in Wirklichkeit eine weiße Wand zu sehen war? Diese trug nix zum Bild bei, war einfach nur hässlich und das Untere würde man sich wohl eher an die Wand hängen, als das Obere.
Und auch das hier ist relativ stark bearbeitet, weil es sonst einfach nicht zu retten gewesen wäre: Pixel, JPEG Artifacts, und mein Saustall im Hintergrund. Also alles weißgemacht hinten, leichte Weichzeichnung übers Motiv um die Pixel und so loszuwerden, und siehe da, man kann es ansehen. Auch hier finde ich nichts verwerflich daran, das Bild zu bearbeiten. Ich wollte mein neues Outfit zeigen, und nicht, wie es bei mir aussieht, oder dass meine Webcam Mist ist. Die Essenz blieb also erhalten, bzw. wurde betont durch die Korrekturen.
So gut wie alle meine Fotos, auch Foto-des-Tages, sind bearbeitet, und wenn's nur ne leichte Aufhellung oder Zuschneidung des Motivs ist. Was ich sonst für einen Müll hochladen würde, sieht man ja am ersten Beispiel.
Übrigens kann ein bearbeitetes Foto oft erst oder stärker durch die Bearbeitung, die gewünschte Stimmung vermitteln. Die Kamera sieht Motive ja nicht so, wie wir. Unser Auge korrigiert die Helligkeit automoatisch, während die Kamera es pechschwarz aufnimmt. Wir fühlen die Liebe unserer Katzen, während die Kamera nu einen glotzenden Haarball aufzeichnet. Manchmal gelingt es trotzdem auf Knopfdruck, die Stimmung festzuhalten, aber manchmal muss Photoshop nachhelfen um genau das wiederzugeben, was wir ursprünglich wollten. Zum Beispiel das mit der Schuppenflechte, naja, ich wollte einen attraktiven Mann fotografieren und nicht ein Werbeplakat für Hautcremes. Je nachdem, was die Absicht eines Bildes ist, MUSS es bearbeitet und ggf. verfälscht werden.