Da ich nicht ganz unschuldig an der Diskussion bin, will ich dazu doch noch was sagen.
Ich denke, wir sind uns alle einig darin, dass wir für unsere Tiere das Beste wollen und, soweit möglich, auch das Beste für sie tun.
Allerdings ist „das Beste“ einfach schwer zu definieren, weil das Objekt, dass das Beste bekommen soll, ein Individuum ist und damit per Definition einzigartig ist.
Ich weiß nicht, was die perfekte Katzenhaltung wäre. Vielleicht ein unendlich großes Grundstück mit einem Zaun außen herum? *gg*
Oben drüber ein Netz der Singvögel wegen? Ein Netz auf dem Boden um die Mäuschen zu schützen? Ein Mensch, der 24 Stunden Türöffner spielt? Eine Katzenklappe?
Ich habe keine Ahnung. Ich seh aber deutlich, dass die jeweilige Haltungsart zum jeweiligen Tier und jap, auch zum jeweiligen Leben des Menschen, passen muss.
Sicher werden wir nie „das Perfekte“ erreichen, weil der Mensch nun mal die Welt umgestaltet hat und damit die perfekte Welt für Katzen ausgerottet hat.
Aber da NIEMAND diese perfekte Welt bieten kann, hat auch niemand das Recht über die verschiedenen Haltungsformen zu urteilen.
Nichts spricht dagegen seine eigene Meinung mitzuteilen, allerdings ist das mit der Meinungsfreiheit so, dass diese, mit Blick auf ein friedliches Miteinander, ein Mindestmaß an Höflichkeit erfüllen muss.
Diese Höflichkeit umfasst für mich einen angemessenen Ton, ein differenziertes Denken, in welchem schwarz und weiß nicht die einzigen Farben sind, sondern durchaus die verschiedenen Grautöne anerkannt werden und vorallem keine Absolutierung der eigenen Meinung als unumstößliche Wahrheit.
Genau das Gleiche gilt für die Futterfrage. Es ist dem Gegenüber doch durchaus zuzutrauen, dass er sein Tier kennt. Und auch hier – das Beste möchte. Allerdings ist das faktisch Beste (Barf???) nicht zwangsläufig auch das Beste für das eigene Tier. Denn, meiner Meinung nach, gehört zu einem gelungenen Tierleben auch das Wohlfühlen. Ein Tier, das zwingend von Trockenfutter auf Nassfutter umgestellt wird, gewinnt dadurch vielleicht ein längeres Leben, verliert aber evtl. Lebensqualität. Auch hier ist also die Frage nach den Grautönen im Futterthema.
Und ein Mensch, der täglich den Futterkampf ficht, leidet darunter sein Tier hungrig vor dem Napf zu sehen. Vielleicht kann ein Tier nicht einschätzen, was „gesund“ ist, aber ich sehe an Jolli, dass sie zumindest durchaus deutlich machen kann, was sie möchte. Was ihr Wille ist. Und diesen Willen, in Grenzen, klar, zu respektieren, gehört für mich auch zu einer verantwortungsvollen Tierhaltung dazu.
Wie ich schrieb – es braucht dazu sicher auch die Bereitschaft im eigenen Denken variabel zu sein, Dogmen nicht als solche zu akzeptieren, sondern einen gangbaren Weg für alle Beteiligten zu finden.
Und DAFÜR ist doch das Forum auch da.
Es geht doch nicht darum „falsch“ oder „richtig“ zu schreien, sondern die Anliegen des Themenerstellers wahrzunehmen und eine, für Tier und Mensch, gute Lösung des Problems zu finden. Dies erreicht man durch Tipps – bei denen aber klar sein muss, dass es in der Freiheit des Gegenübers liegt diese anzunehmen oder auch nicht. Und dieser Mensch doch nicht zwingend das Recht auf weitere Tipps verliert, nur weil er von seiner Freiheit des Ablehnens Gebrauch gemacht hat. Und der Ratgebende nie gezwungen ist weitere Tipps zu geben. Es basiert alles auf Freiwilligkeit...
Natürlich birgt so ein Forum immer das Risiko von Missverständnissen, denn fehlende Betonung, Mimik und Gestik sind gerade bei solchen „schwelenden“ Themen wirklich ein Problem. Und dazu kommt noch, dass man aufgrund der Vorgeschichte der User auch eine gewisse Vorstellung von dem hat, was wohl zu erwarten ist. (Na, wer hat nicht mit einem Wort zum Sonntag vom Fundkatzerl gerechnet, hmmmm??? ;-) ).
Ich für meinen Teil finde diese Radikalität in Haltungsfragen einfach anstrengend und vorallem überflüssig. Es wird nie ein „absolut“ geben und die Darstellung der eigenen Meinung als absolut führt nur zu einer Verhärtung der Fronten und einer fehlenden Wahrnehmung von durchaus ernstgemeinten Ratschlägen oder eben Zwischentönen wie Ironie oder Humor.
Dazu noch einige Beleidigungen und ja, Frank, jemanden als krank aufgrund seiner Haltungsentscheidung zu betiteln, IST beleidigend und der Thread ist dort, wo die Sonne nicht scheint.
Frank, mir ist klar, dass Du deine Gründe für deine Argumente hast, aber es sind DEINE Gründe, die keine Allgemeingültigkeit haben.
Und Balli, mir ist auch klar, dass Du sehr viel Katzenerfahrung hast, aber auch Du kennst nicht alle Katzen, kannst nicht alle über einen Kamm scheren.
Und eben aus diesen Gründen steht es sicher keinem Menschen zu, einen anderen als Tierquäler zu bezeichnen. Tierquälerei ist, allein aus gesetzlicher Sicht, wesentlich mehr als die Entscheidung einem Tier seine Freiheit zu lassen oder die Sicherheit höher zu stellen, oder die Entscheidung industrielles Futter in nasser oder trockener Forum zu füttern.
Vielleicht wäre es sinnvoll einfach mal die Kirche im Dorf zu lassen.