Liebe lalelu / Andrea,
ich danke Dir wirklich
von Herzen für deine Worte. Du sprichst mir aus der Seele. Nichts davon ist geschwollen, gekünstelt oder übertrieben. Nein, ganz genau so trifft es auch bei mir zu...
Das Lied von Philipp Poisel kannte ich nicht. Ich habe es mir angehört und seitdem läuft es bei mir in Dauerschleife. Ohne zu weinen kann ich es mir aber auch nicht anhören... doch es ist wunderschön, wirklich.
Ich atme dich ein .. und nie wieder aus
Schließ dich in mein Herz, lass dich nicht mehr raus
Ich trage dich bei mir, in meiner Brust
Hätt' alle Wege verändert, hätt' ich sie vorher gewusst ..
Jetzt steh ich am Ufer, die Flut unter mir
Das Wasser zum Halse
Warum bist du nicht hier?
[ ... ]
Wer achtet auf mich jetzt
Dass ich mich nicht verlauf
Und wenn ich jetzt falle
Wer fängt mich dann auf
[ ... ]
Will dich einmal noch atmen
Bevor ich dich
Für immer verlier'
... für immer verlier ...
Ich habe auch gefleht, geweint, ja sogar geschrien, in dieser einen Nacht. Als ich vom Tierarzt zu meiner Mutter gefahren bin .. mit einer leeren Transportbox im Kofferraum ... da habe ich geschrien, die ganze Fahrt lang, ich konnte mich nicht mehr beruhigen.
Wie eine Irre habe ich auf der Autobahn in meinem Auto gerufen "Nicht Pounci, nicht meine Pounci, meine Pounci..."
Als ich bei meiner Mutter angekommen bin, konnte ich nichts sagen, ich habe nur geweint und wieder diese Schreikrämpfe bekommen. Zu dem Zeitpunkt hatte meine Mum gerade Besuch. Ein paar Tage später sagten sie mir, sie hätten sich nicht getraut, nachzusehen, was passiert war...
"Und ich hatte das Gefühl, die Zeit mit ihm nicht intensiv genug genutzt zu haben." - Wie gut ich dich verstehen kann... aber ich glaube.. egal wie sehr man die Zeit nutzt... es hätte nie genug sein können... Egal wann jemand geht; es ist immer zu früh. Es ist nie der richtige Zeitpunkt... Und trotzdem denke ich auch, ich hätte ihr mehr Beachtung schenken sollen. Ich hätte sie
noch mehr auf Händen tragen sollen. Ich hätte ihr öfter sagen müssen, dass ich sie liebe. Ich hätte in manchen Situationen weniger schimpfen sollen. Ich hätte, hätte, hätte ....
Gestern hatte ich ein langes Gespräch mit Ingrid, die liebe Frau aus der Katzenhilfe, die meine beiden auch gut kannte. Sie hat auch schon sehr viel mitmachen müssen. Als ihr erster Hund damals gestorben ist, hat sie das kaum verkraftet, erzählte sie mir. Sie wollte nicht mehr leben; sie konnte nicht damit umgehen. Immer wieder kreisten diese Gedanken in ihrem Kopf und sie sagte es sogar laut vor sich hin: "Ich will nicht mehr leben... ich will nicht mehr hier sein." Und irgendwann war sie im Auto unterwegs und sagte es wieder laut - und dann dachte sie sich plötzlich: 'Umbringen wirst du dich ja doch nicht.... aber so kann es nicht weitergehen...' Und erst ab diesem Zeitpunkt ging es ganz langsam wieder bergauf. Es war ihr klar, dass sie keinen Selbstmord begehen wird. Mir ist das in meinem Fall genauso klar. Und irgendwann muss man die Notbremse ziehen, weil es so nicht weitergehen kann. Ich kann sie da sehr, sehr gut verstehen...
Andrea, ich danke Dir wirklich so sehr, deine Worte sind so ehrlich. Und ja, es hilft durchaus, verstanden zu werden. Ich glaube, das Schlimmste ist, dass dir niemand auch nur annähernd den Schmerz abnehmen kann. Und auch Ablenkung ist einfach nicht möglich - und offen gestanden
will man es auch gar nicht. Ich möchte (noch) nicht aus meinem Schneckenhaus raus.. ich brauche noch Zeit... und ich denke, es ist wichtig, dass man sich diese Zeit auch nimmt...
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Kirchenmaus, auch Dir danke ich von Herzen für deine Worte.
"Liebe macht uns auch so verletzlich, aber auch so stark." - Ich denke, da hast Du recht... Aber als Pounci gestorben ist, war ich so unfassbar am Boden, dass ich sogar die Leute, die mit Tieren nichts am Hut haben, beneidet habe. "Was man nicht hat, kann man auch nicht verlieren." Ich war mir im ersten Moment nicht sicher, ob es dieser unglaubliche Schmerz wirklich wert ist. Jetzt, ein paar Tage später, denke ich anders.
Wohin sollen wir denn mit so viel Liebe? Und lohnt es sich nicht immer, zu lieben und geliebt zu werden? Ich denke doch. Der Schmerz bricht uns das Herz und hinterlässt mehr als nur eine Narbe, aber dieses unendlich große Geschenk, einen solchen Seelenpartner überhaupt im Leben gehabt zu haben; diese Liebe und Zuneigung auch selbst zurück zu bekommen, ist unbezahlbar.
"Was wir tief in unserem Herzen tragen, das kann der Tod uns nicht nehmen."
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Ich werde meine kleine Misto demnächst wieder raus lassen ... auch wenn mich der Gedanke schon jetzt umbringt. Was, wenn ihr etwas passiert?! - Dann, so schwöre ich hier & heute, ist es vorbei. Das könnte ich nicht verkraften.
Aber Ingrid hat mir gestern klar gemacht, dass sie wortwörtlich "in ihrer Trauer eingeschlossen ist"... Die Kleine weiß doch gar nicht, wohin mit sich. Sie weint pausenlos, wenn man sie nicht ständig beschäftigt. Sie muss raus; muss mal was anderes sehen... sich austoben... ein paar Sonnenstrahlen einfangen... Wenn ich sie weiterhin hier drin halte, geht sie mir ja noch total kaputt...
Ich fürchte, diesen Schritt muss ich wagen...